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NEWSLETTER 9/2026:
Die aktuelle Energiekrise hat auch ihr Gutes: Anteil der Erneuerbaren erhöht sich weiter

Der Krieg im Iran mit den Folgen für die Energiepreise und die Energiesicherheit in vielen Teilen der Welt haben wieder einmal deutlich gemacht, wie sehr wir global immer noch von den fossilen Brennstoffen abhängig sind. Neben allen negativen Folgen wie steigender Inflation, Belastung der Wirtschaft und hoher Unsicherheit über die weitere Entwicklung kann man der Energiekrise aber auch eine positive Seite abgewinnen. Die einzige sinnvolle Strategie zum Umgang mit der aktuellen Situation ist es, verstärkt auf den Ausbau alternativer Energiequellen zu setzen. Nur so kann der Abhängigkeit von Energieimporten wirksam entgegnet werden. Die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien und eAutos hat auch bereits nach der Abschwächung der Jahre 2024/25 wieder angezogen. Weltweit sind verstärkte Anstrengungen zu beobachten, von fossilen Brenn-stoffen weg zu kommen. Das kann dem Weltklima nur guttun und bedeutet für rohstoffarme Länder letztendlich mehr Sicherheit und Autonomie.

Der Rohölpreis auf den Weltmärkten hat sich durch den Iran-Krieg in der Spitze um bis zu 70% verteuert. Auch wenn es in Deutschland bei Erdöl und -gas eigentlich noch keine Engpässe gibt, hat das zu einer massiven Verteue-rung der Energieversorgung geführt: Im März 2026 sind die Energiepreise schon um 7,2% im Vergleich zu Vorjahr ge-stiegen. Bislang merken das die Verbraucher vor allem an der Tankstelle mit bis zu 30% teurerem Benzin. Aber am Gaspreis hängen auch die gesamten Stromkosten. Und mit höheren Energiepreisen und steigenden Transportkosten werden auch zahlreiche Vorprodukte für die Industrie und z.B. Düngemittel für die Landwirtschaft teurer, was alles zu generell höheren Endverbraucherpreisen führen wird. Be-reits im März hat sich die Jahresinflation in Deutschland auf 2,8% nach 1,9% im Vormonat beschleunigt.           

Hatte sich Deutschland in Folge des Überfalls Russlands auf die Ukraine 2022 weitgehend von der Abhängigkeit von russischem Gas befreien können, so sind wir jetzt neben Gaslieferungen aus Norwegen und den Niederlanden ver-stärkt auf LNG-(Flüssig-)Gas aus Amerika angewiesen. Daneben wurden Importverträge mit Ländern der Golfre-gion abgeschlossen. Bis zu 80% der Exporte der Golf-staaten gegen aber nach Asien, so dass diese Länder mit am meisten unter der aktuellen Energie-Krise leiden und wir mit ihnen um LNG-Gas konkurrieren müssen. Der Groß-handelspreis für europäisches Erdgas für Lieferungen in der Zukunft hat sich zeitweise bereits verdoppelt. Deutsch-land muss aber seine leeren Gasspeicher über den Som-mer wieder füllen um über den Winter zu kommen.

Während Deutschland den Anteil der fossilen bzw. konven-tionellen Brennstoffe an der Stromerzeugung im Jahr 2025 auf 36,7% reduzieren konnte (von 53 % in 2020 und 83% in 2010) und auch der Gesamtverbrauch an Erdöl im Zeitraum 2000 bis 2024 um 25% sank, ist unsere Abhängigkeit von

Gas&Öl damit noch immer groß. Die aktuellen Preissprün-ge, besonders fürs Tanken, haben in der Politik bereits zu hektischen Reaktionen geführt, die Bevölkerung entlasten zu müssen. Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Tatsache, dass hohe Preise z.B. fürs Benzin Knappheits-signale sind und zum Einsparen anregen müssten. Ein genereller Schutz vor höherer Inflation ist nicht möglich und sinnvoll. Allenfalls eine kurzfristige Unterstützung für Preis-spitzen bei gestörten Märkten ist angebracht, und zwar gezielt für Bevölkerungsschichten mit geringeren Einkom-men.

Die einzig strukturell wirksame Maßnahme ist, die Abhän-gigkeit von importierten fossilen Brennstoffen weiter zu re-duzieren. Aus eigener Förderung kommen in Deutschland nur ca. 4% des Erdgasverbrauchs. Bis zu einem Viertel des Gasbedarfs könnte grundsätzlich mit deutschen Quellen gedeckt werden, allerdings ist die Förderung über Fracking umstritten und wenig umweltfreundlich. Es bleibt also nur die Alternative, verstärkt auf alternative Energiequellen ohne große Rohstoffabhängigkeit vom Ausland zu setzen. Hier kam es allerdings in den letzten 2 Jahren in Deutsch-land zu einer gewissen Verlangsamung des Ausbaus.

Bei der Windkraft wurde das Ausbauziel der Bundesregie-rung in Jahr 2025 um 11% verfehlt, v.a. bei den Offshore-Anlagen. Der Zubau von Solaranlagen blieb mit 17,5 GW leicht unter dem Rekordjahr 2024 zurück. Verunsicherun-gen in Bezug auf das ‚Heizungsgesetz‘ der Ampel-Regie-rung führten in 2024 zu einem Einbruch der Absatzzahlen von Wärmepumpen um 46% nach dem Boom im Jahr zu-vor. Auch im ersten Halbjahr 2025 meldete die Heizungs-industrie einen Rückgang bei den Verkaufszahlen. Der Absatz von eAutos ging ebenfalls im Jahr 2024 im Ver-gleich zum Vorjahr um 27,4% zurück, was hauptsächlich auf das Ende des Umweltbonus zurückzuführen ist.

Jetzt scheint es aber wieder zu einer Beschleunigung der Energiewende zu kommen. Bereits im Verlauf des Jahres 2025 hat der Absatz von Wärmepumpen um 45% zum Vorjahr angezogen. Da die Förderung durch die beschlos-senen Änderungen am Gebäudeenergiegesetz weitgehend erhalten bleiben, wird für 2026 erneut ein um 10% höherer Zuwachs erwartet. Im Neubau ist die Wärmpumpe bereits die Standardlösung. Mit einer hohen Anzahl an Genehmi-gungen in 2025 ist ein weiterer Ausbau der Windkraft abzu-sehen.

Bei den vollelektrischen eAutos (BEV) kam es bereits 2025 zu einer Erholung auf 545.000 Neuzulassungen, was einem Marktanteil von 19,1% entspricht. Im März 2026 wurde dann mit 70.663 Neuzulassungen das drittbeste BEV-Monatsergebnis aller Zeiten erreicht, was einem Marktanteil von bereits 24,0% entspricht, plus 10,2% Plug-in-Hybride. Das liegt wohl auch daran, dass die Bundesregierung er-neut eine eAuto-Förderung in Aussicht gestellt hat, die rückwirkend ab Jahresanfang gelten soll.

Ob dies auch schon auf die aktuelle Energiekrise zurückge-führt werden kann, ist nicht zu sagen. Aber alternative Energiequellen rücken auf jeden Fall stärker in den Fokus, um sich vor zukünftigen Preisschüben und Verknappungen zu schützen. Und das ist weltweit ein Thema. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht unaufhaltsam weiter. Auch in Ländern wie den USA, wo der Umbau durch die Trump-Regierung eher behindert wird. Im Jahr 2020 wurden erst 3% des globalen Strombedarfs mit Solarenergie gedeckt. Heute sind es bereits mehr als 10% und ein Anstieg auf über 20% im Jahr 2030 ist absehbar. Auch in den USA ist die installierte Solarenergieleistung im Jahr 2025 um 21,3% gestiegen – stärker als in Deutschland mit 16,5%.

In 2025 wurden weltweit 650 Gigawatt über neue Solaran-lagen geschaffen. Davon kamen allein 315 Gigawatt aus China. Insgesamt sind in China 48% der gesamten Solar-energieleistung der Welt installiert (dazu kommen weitere 18,9% aus Asien ex China)! Danach kommen die USA mit 9,4% (aus gesamt Nord- und Südamerika 15,7%), Indien mit 5,8% und dann erst Deutschland mit 4,0% der Welt-leistung.

Europa steuert insgesamt (nur) 16,6% der weltweiten Solarkapazitäten bei. Daran wird deutlich, dass es bei weitem nicht allein die klimaorientierten Europäer sind, die auf Erneuerbare Energien (EE) setzen. Der Anteil der EE an der globalen Stromerzeugung ist im Jahr 2024 bereits auf 32% gestiegen (Quelle: Enerdata, die obenstehende Grafik einer anderen Quelle zeigt geringfügig abweichende Daten für 2025). Länder mit dem höchsten Anteil an EE sind Norwegen (98,6%), Dänemark (89,6%), Brasilien (87,8%) und Portugal (87,1), aber auch Chile (68,9%), Kanada (65,9%) und Spanien (57,9%) setzen stark auf EE. Dann kommt Deutschland mit einem EE-Anteil von 57,3%.

Die großen Länder China kommen auf 32,6% und die USA auf 23,4%, steuern aber absolut mehr als die Hälfte der weltweit installierten Leistung an EE-Anlagen bei. Mit den vor Deutschland platzierten Ländern Brasilien und Indien sind das mit 2.700 GW 61% der globalen Kapazitäten, Deutschland kommt auf 179 GW-Leistung, gerade mal 4,0% der Weltleistung an Erneuerbarer Energie. Für das Weltklima ist dies ja die entscheidende Perspektive, dass es global zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes kommt.

Hierzu nur ein aktuelles Beispiel aus Pakistan, das es sogar in die Tagesthemen geschafft hat: Bereits im letzten Jahr stammten 30% der dortigen Stromkapazitäten aus Photovoltaik. Durch den enormen Preisauftrieb und die notwenige Rationierung von Benzin und Diesel in der aktu-ellen Krise steigen immer mehr pakistanische Haushalte auf eigene Solarpanels um. Ein weiteres Beispiel ist Viet-nam, das Mitte 2025 auf 16 GW an installierter Solarleis-tung kam und damit weltweit Platz 12 einnahm. Mit der preiswertesten Form der Energiegewinnung versuchen gerade viele Schwellenländer, dem Preisdruck und der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen Herr zu werden. Das ist auf jeden Fall eine positive Konsequenz der krisen-geschüttelten Weltlage.

Zum Schluss noch ein Blick auf den Nachzügler der De-karbonisierung, den Verkehrsbereich. Rein elektrische Autos (BEV) machen derzeit erst ca. 5% des Welt-Be-stands an Autos aus. Bei den Neuzulassungen betrug der BEV-Anteil im Jahr 2024 zumindest schon 14%, plus dem Anteil der Plug-in-Hybriden (PHEV) von 7% macht zusam-men 21% (sogenannte NEV = New Energy Vehicle). Für 2025 wird von einem weltweiten Zuwachs der BEV-Zulas-sungen um ca. 30% ausgegangen, so dass die NEVs bereits einen Anteil von 25% an allen Autokäufen von

Neuwagen erreicht haben könnten.

Einen Überblick über die NEV-Anteile einzelner Länder gibt die obenstehende Grafik. China bestätigt seine Rolle als globaler Leitmarkt der Elektromobilität mit einem Marktan-teil von über 50% bei den Neuzulassungen aller Elektro-fahrzeuge (33,2% BEV + 20,1% PHEV). Im EU-Durch-schnitt sind das nur 27,5% und in den USA 9,4%. Deutsch-land kommt im Jahr 2025 auf einen NEV-Anteil von 30,0% (19,1% + 10,9%), der wie zuvor erwähnt im März d.J. auf 24,0% + 10,2% = 34,2% gesteigert werden konnte.

Mit der aktuellen Energiekrise und der neuen staatlichen Förderung ist ein weiterer Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland absehbar. Insgesamt ist die Stimmung auch klar auf einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien ausgelegt. In einer aktuellen YouGov-Umfrage empfinden 78% der deutschen Bevölkerung die Abhängigkeit von Energieimporten als bedrohlich. Zudem wünschen sich 68% der Befragten einen verstärkten Ausbau von Solar- und Windkraft sowie von Energiespeichern. Damit erhofft man sich mehr Versorgungssicherheit und Wirtschaftskraft, sowie eine Preisdämpfung auf dem Strommarkt. Wird dieser Weg konsequent weitergegangen, so kann aus der gegenwärtigen Weltlage auch etwas Positives resultieren.

In aller Kürze:

- Der massiv gestiegene Rohölpreis auf den Weltmärkten hat bereits im März in Deutschland zu einer Verteuerung der Energieversorgung um 7,2% geführt und die gesamte Verbraucherpreisinflation auf 2,8% erhöht. Obwohl es in Deutschland bei Erdöl und -gas eigentlich noch keine Engpässe gibt, zeigt dies eindrücklich, wie stark wir immer noch von diesen kohlen-stoffreichen Energieträgern abhängig sind. Und das, obwohl der Anteil der fossilen bzw. konventionellen Brennstoffe an der Stromerzeugung in Deutschland bereits von 83% im Jahr 2010 auf heute nur noch 36,7% reduziert werden konnte. Da können auch die hektischen Reaktionen der Politik zur kurzfristigen Entlastung der Bevölkerung nichts ändern: Die höheren Energiepreise machen uns ärmer und belasten die Wirtschaft.

- Die einzig strukturell wirksame Maßnahme ist, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen weiter zu reduzieren. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien kam es allerdings zuletzt in Deutschland zu einer gewissen Verlangsamung. Der Zubau von Solaranlagen blieb im letzten Jahr mit 17,5 GW leicht unter dem Rekordjahr 2024 zurück und auch bei den Offshore-Windparks wurden die Ausbauziele nicht erreicht. Zudem gab es Verunsicherungen durch das ‚Heizungsgesetz‘ der Ampel-Regierung und das Ende des Umweltbonus zur Förderung des Absatzes von eAutos.

- Jetzt scheint es aber wieder zu einer Beschleunigung der Energiewende zu kommen. Im Verlauf des Jahres 2025 hat der Absatz von Wärmepumpen bereits um 45% zum Vorjahr angezogen. Bei den eAutos (BEV) kam es 2025 wieder zu einer Erholung auf 545.000 Neuzulassungen, was einem Marktanteil von 19,1% entspricht. Im März 2026 wurde dann mit 70.663 Neuzulassungen ein neues Hoch beim BEV-Marktanteil von 24,0% entspricht, plus 10,2% Plug-in-Hybride. Und mit der aktuellen Energiekrise rücken alternative Energiequellen wieder so richtig in den Fokus.

- Entscheidend ist hierbei die globale Perspektive: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE) geht unaufhaltsam weiter. Wurden im Jahr 2020 erst 3% des Strombedarfs der Welt mit Solarenergie gedeckt, so sind es heute bereits über 10% und im Jahr 2030 werden mehr als 20% erwartet. Obwohl Länder wie die USA noch relativ hinterherhinken und politisch z.Z. ausge-bremst werden, kommen bei absoluter Betrachtung die vier relevantesten Länder China, USA, Brasilien und Indien zusam-men auf allein 61% der globalen EE-Kapazitäten. Deutschland steuert hier nur 4,0% der Weltleistung an Erneuerbaren bei. In der gesamten Welt betrug der Anteil der EE an der Stromerzeugung im Jahr 2024 bereits 32%.

- Gerade in vielen Schwellenländern zum Beispiel in Asien, die besonders stark von den fossilen Brennstoffen aus der Golf-region abhängig sind, wird in der Krise auf die preiswerteste Form der Energiegewinnung und damit verstärkt auf Solarpanels in den Haushalten gesetzt. Auch der Umstieg auf eAutos in der Welt ist nicht aufzuhalten: Bei den Neuzulassungen betrug der BEV-Anteil bereits im Jahr 2024 global schon 14%, plus dem Anteil der Plug-in-Hybriden von 7% macht zusammen 21%. Für 2025 werden es bereits um die 25% gewesen sein. China kommt dabei mit einem Marktanteil von über 50% bei den Neuzu-lassungen die Rolle als globaler Leitmarkt der Elektromobilität zu. So hat die aktuelle Energiekrise auch etwas Positives, indem sie die Energiewende global beschleunigt, um dem Preisdruck und der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wirksam etwas entgegenzusetzen.

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