Vorab das Wichtigste in Kürze
Entgegen früherer Automatisierungswellen geraten durch die KI-Revolution auch traditionell krisensichere Akademikerberufe in technischen, rechtlichen oder wirtschaftswissenschaftlichen Feldern unter Druck. Die Künstliche Intelligenz kann mit ihrer Fähigkeit vor allem wissensbasierte, repetitive und datenintensive Bürotätigkeiten (White-Collar-Jobs) übernehmen. Das zeigt sich bereits daran, dass die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventen in Deutschland seit 2024 erstmals dauerhaft über die der Gesamtbevölkerung gestiegen ist. Daneben sind aber auch klassische Sachbearbeiterberufe, Verwaltungsaufgaben und Tätigkeiten im Kunden-Service direkt betroffen.
Weniger tangiert von der KI-Umwälzung sind dagegen Berufe, die echte menschliche Interaktion voraussetzen, insbesondere bei Dienstleistungen, die Empathie, Kreativität oder soziale Intelligenz erfordern z.B. in künstlerischen, pädagogischen und den Care-Bereichen. Daneben lassen sich viele handwerklichen Tätigkeiten in ihrer praktischen Ausführung nicht durch KI ersetzen.
Allerdings unterliegen fast alle Tätigkeiten einem grundlegenden Wandel durch die KI. Das spezifische Fachwissen verliert an Bedeutung, während die Fähigkeit zur kritischen Überprüfung und Entscheidungsfindung an Bedeutung gewinnt. Daneben entstehen auch ganz neue Arbeitsfelder, zum Beispiel in der Integration von KI-Anwendungen in die Systeme und Prozesse der Unternehmen und vor allem der Überwachung und Fehleranalyse der KI-Systeme (was wiederum Produktivitätsgewinne z.T. stark relativiert). Die KI schafft damit einen zweigeteilten Arbeitsmarkt: Hochwertige Funktionen werden eher noch anspruchsvoller und gesucht. Einfachere Tätigkeiten werden verdrängt bzw. können auch von Nicht-Experten unter Zuhilfenahme von KI ausgeführt werden.
Auf Nachwuchskräfte hat die KI-Revolution die größten negativen Auswirkungen, da sich deren Aufgaben häufig am leichtesten automatisieren lassen. Nach einer weltweiten Studie von Oliver Wyman vom Mai d.J. planen 43% der befragten CEOs innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre Junior-Stellen abzubauen (im Vorjahr waren es nur 17%). Mit dem fehlenden Erfahrungsaufbau fehlen dann aber in ein paar Jahren die Experten.
Insgesamt planen gemäß dem ifo-Institut 37,5% der Unternehmen, in den kommenden fünf Jahren aufgrund von KI, Personal reduzieren zu müssen. Dagegen rechnet aber z.B. das IAB auch damit, dass bis 2040 genauso viele andere Arbeitsplätze neu entstehen wie verloren gehen. Das deckt sich mit den Erfahrungen vergangener Technologieschübe. Allerdings ist dies immer mit einer Verdichtung der Arbeit und höherwertigen Anforderungs-profilen verbunden.
Entscheidender Bedeutung kommen daher der Weiterbildung und Arbeitsflexibilität zu. Nicht die Technologie an sich entscheidet. Um den veränderten Anforderungen des Arbeitsmarktes zu begegnen, sind gezielte Schulungen, Prozessneugestaltung und aktives Change Management unerlässlich.