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NEWSLETTER 16/2026: KI-Reihe Nr. III
Gibt es eine KI-Blase bei den amerikanischen Tech-Giganten?

Die großen US-Techfirmen planen bis 2028 insgesamt mehr als 3 Billionen US-Dollar für KI-Infrastruktur und Rechenzentren auszugeben. Das würde 20-25% der gesamten jährlichen Unternehmens-Investitionen in den USA ausmachen. Damit müssen sich die großen Hyperscaler (weltweite Cloud-Anbieter) immer mehr verschulden und nehmen zunehmend den Charakter von Infrastrukturunternehmen an. Sind da die hohen Bewertungsniveaus als Wachstumswerte über-haupt noch gerechtfertigt? Daneben bestehen Zweifel, ob der gesamte KI-Boom über Modellent-wicklung, Chip-Herstellung, Rechenleistungswettlauf und KI-Agenten noch gesund ist oder sich bereits in einer Blase befindet. An den Kapitalmärkten führen derartige Überlegungen zu erheb-lichen Kursvolatilitäten in verschiedenen Sektoren. Trotz aller Unwägbarkeiten will ich hier ein Blick in die Kristallkugel über die Zukunft der KI-Profiteure der ersten Welle versuchen.

 
Die großen US-Hyperscaler dominieren den Cloud-Markt, indem sie weltweit riesige Mengen an Rechenleistung, Speicher und Plattformdiensten virtuell über das Internet bereitstellen. Sie ermöglichen erst das Trainieren und die Anwendung (Inferenz) von KI-Modellen, die mit der Analyse gigantischer Datenmengen einen enormen Rechenbedarf auf speziellen KI-Chips haben. Allein im ersten Halbjahr 2026 haben die drei großen Cloud-Anbieter Amazon (AWS), Microsoft (Azure) und Alphabet (Google-Cloud) zusammen 250 Mrd. US-Dollar in neue KI-Infrastruktur und Rechenzentren investiert. Für das Gesamtjahr 2026 könnten es bis zu 600 Mrd. USD werden.

Rein optisch können sich dies die drei Tech-Giganten leisten, da sie mit ihrem sonstigen Geschäft und zuneh-mend mit den Cloud-Diensten genug Geld verdienen: Im 1. Halbjahr waren das insgesamt 335 Mrd. USD (davon 78 Mrd. Cloud-Ertrag). Allerdings stellen mehr als die Hälfte davon reine Buchgewinne aus Beteiligungen an den Ent-wicklern der KI-Grundmodelle wie OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) dar, so dass die echten kassenwirk-samen Mittelflüsse (Cashflows) mit den Investitionen weit-gehend aufgezehrt bzw. sogar negativ geworden sind.

Im Wettlauf um die Plattformmacht bei den KI-Anwendun-gen müssen sich damit die großen US-Tech-Konzerne erstmals deutlich höher verschulden: Nach Angaben von Barclays Research wurden in 2026 bislang 218 Mrd. USD über Anleiheemissionen neu aufgenommen. Daneben haben die Tech-Größen inklusive Meta (Facebook) und Oracle erhebliche Verbindlichkeiten außerhalb ihrer Bilanz in Höhe von 1,65 Billionen USD über zukünftige Abnahme-verpflichtungen für KI-Chips und spezielle Cashflow-Finan-zierungen aufgebaut. All das muss aus den zukünftigen Umsätzen bzw. Gewinnen bedient werden. Durch die hohe finanzielle Belastung der Investitionen, die tendenziell sinkenden Margen im Cloud-Geschäft und die schnelle Veralterung der KI-Infrastruktur könnten sich aber die dafür notwendigen Gewinnsteigerungen als unrealistisch heraus-stellen. Die Bewertung der Hyperscaler als Wachstums-werte wird damit an der Börse zunehmend in Frage gestellt.

Durch die starke Verflechtung und Abhängigkeiten zwi-schen den Hyperscalern. großen KI-Startups und den Ent-wicklern von KI-Chips wie Nvidia und AMD betreffen diese wirtschaftlichen Risiken die gesamte KI-Industrie in den USA. Dazu kommt die zunehmende Bedrohung durch chinesische KI-Erfolge. China konnte trotz amerikanischem Embargo für die modernsten Halbleiter mittlerweile sehr leistungsfähige KI-Modelle entwickeln (DeepSeek, Kimi K3). Diese werden als Open Source den Anwendern welt-weit kostengünstig zur Verfügung gestellt (um ein Gegen-Ökosystem zu etablieren), was die Preise erodieren lässt und die Vormachtstellung der US-Systeme in Frage stellt.

So ist der Bloomberg-Index für die Wertentwicklung der sogenannten Magnificent 7 (die drei großen Hyperscaler plus Meta, Apple, Nvidia, Tesla) in diesem Jahr gerade mal um 2% gestiegen, während der breite Aktienmarkt im S&P 500 um 11% zulegen konnte. Der Fokus wird zunehmend auf das gerichtet, was bereits gesichert Erträge bringt. So wird mittlerweile auch der Börsengang zumindest von OpenAI in Frage gestellt. Anthropic will den Schritt wohl noch in 2026 versuchen. Ob diese KI-Pioniere der großen Sprachmodelle ihre hohen Investitionsausgaben dauerhaft in profitables Geschäft transformieren können, ist jedenfalls nicht gesichert.

Dass sich die KI-Revolution insgesamt durchsetzt, daran bestehen keine Zweifel. Dafür sind die Potenziale für die vielfältigsten Anwendungen und zur durchgreifenden Dis-ruption der gesamten Wirtschaft zu groß. Definitiv wird in Zukunft noch deutlich mehr Rechenleistung für KI benötigt, gemäß Schätzungen das 3,5-fache im Vergleich zu 2025,

was auch den Bedarf an Energie und weiterer Ressourcen massiv erhöht. Insbesondere die Nachfrage nach Halb-leitern aller Arten steigt weiter massiv: Parallel arbeitende GPU-Chips (noch Nvidia-Monopol), auf spezielle Aufgaben optimierte TPU-Halbleiter, Inferenz-Chips für KI-Anwen-dungen direkt in Handy und PC, Stromspar-Chips, aber auch klassische Hauptprozessoren (CPUs) und Speicher-chips. Trotz der immensen Infrastrukturkosten stellt die Künstliche Intelligenz damit grundsätzlich keine strukturelle Blase an den Kapitalmärkten dar.

Welche Branchen oder welche Firmen allerdings auf längere Sicht von KI (am meisten) profitieren, ist offen. Häufig sind es nicht die Innovatoren oder Platzhirsche der ersten Runde, die langfristig den technologischen Fort-schritt dominieren, sondern später sogar scheitern können (wie Nokia, Kodak, Commodore, Yahoo, Netscape). Von den großen Hyperscalern haben aus heutiger Sicht zumin-dest Amazon und Microsoft gute Chancen, auch weiterhin eine große Rolle beim KI-Wachstum und im Plattformge-schäft zu spielen. Alphabet (Google) hat die KI-Bedrohung ihrer Suchmaschine bislang erstaunlich gut gemeistert und konnte die Cloud-Umsätze zuletzt am stärksten steigern. Bei Oracle und Meta (KI-Infrastruktur bislang nur für den Eigenbedarf aufgebaut) sind da schon gewisse Zweifel wegen ihrer hohen Verschuldung angebracht (Kreditausfall-prämie bei Oracle mittlerweile über 200 bp, bei Meta inner-halb eines halben Jahres auf knapp 100 bp verdoppelt). Nvidias-Monopol und die extrem hohen Margen dürften auch nicht ewig halten. Hier sind daneben die immensen finanziellen Verflechtungen der großen Player untereinan-der und mit den KI-Startups wie OpenAI und Anthropic kritisch zu bewerten. Deren Geschäftsmodell scheint am ehesten durch den harten Wettbewerb bedroht.

Wahrscheinlich werden aber auch ganz andere Unterneh-men entstehen, die wir heute noch gar nicht kennen, die aber mit neuen Technologien und KI-Geschäftsmodellen für weitreichende Disruptionen sorgen werden. Für die Kapital-märkte könnten außerdem, neben der hohen Volatilität ein-zelner Sektoren und Unternehmen, die immer größeren Abhängigkeiten im KI-Ökosystem, der hohe Kapitalbedarf und die Ausplatzierung der Schulden an den Private Credit-Markt zu ernsthaften Problemen führen. Wenn der harte Wettbewerb die Preise für KI zu schnell sinken lässt, die Nachfrage nach den neusten KI-Modellen und -Chips nicht mehr so stark wächst und die Marktzinsen weiter steigen, könnten Refinanzierungsprobleme bei den Tech-Unterneh-men (und vor allem Softwarefirmen) auch mal zu einem größeren Marktcrash führen.

Deep-Dive mit Datenmaterial und Grafiken
Seit etwa drei Jahren werden die Cloud-Angebote der großen Tech-Konzerne maßgeblich durch den KI-Hype und die entsprechenden Investitionen in Rechenleistung und KI-Infrastruktur getrieben. So wuchsen die Cloud-Umsätze bei den drei großen Hyperscalern bereits im Vorjahr um rund 25%. Im 1. Halbjahr 2026 sind sie auf 199,6 Mrd. USD gestiegen, das sind knapp 40% mehr als im Vergleichszeit-raum 2025. Verdient wurden mit dem Cloud-Geschäft im ersten Halbjahr 78 Mrd. USD, so dass damit eine Marge von 39% erzielt werden konnte. Ob das so bleibt und sich die Mega-Investitionen von erwartet 600 Mrd. USD allein in 2026 in Zukunft rentieren, ist offen. Da die Infrastruktur-kosten der Hyperscaler zuletzt eher exponentiell um 60-80% p.a. steigen, müssen die Cloud-Erträge noch erheblich weiter zulegen. Der Auftragsbestand für Cloud-Dienste der Big Three beläuft sich Angabe gemäß auf bereits 1,7 Mrd. USD. Das würde bei konstanter Marge einem Ertrag von 660 Mrd. USD entsprechen.
Quelle: Cash, 26.06.2026
Bislang konnten die großen Tech-Firmen ihre Investitionen ohne Probleme aus den hohen Gewinnen ihres herkömm-lichen (Plattform-)Geschäfts bestreiten. So betrug der aussagekräftige Free Cashflow (freier Mittelüberschuss einer Periode) der drei Hyperscaler zusammen in den Jahren 2023 und 2024 noch um die 170 bis 180 Mrd. USD. Trotz Rekordgewinnen im ersten Halbjahr 2026 von 335 Mrd. USD konnten daraus die enormen KI-Investitionen aber nicht mehr ohne weiteres finanziert werden. So wurde der Free Cashflow bei Amazon zum ersten Mal seit 20 Jahren sogar negativ. Da sich die Tech-Giganten wohl einen Überbietungswettbewerb zur Plattformmacht bei KI-Anwendungen liefern, müssen sie sich erstmals deutlich höher verschulden.
Neben Rekord-Anleiheemissionen in Höhe von bislang 218 Mrd. USD in 2026 (ca. ¼ der gesamten Neuemissionen von US-Corporates) haben die Tech-Giganten aber zusätzlich erhebliche Verschuldungspositionen außerhalb ihrer Bilan-zen aufgebaut: Laut der im Handelsblatt am 02.08.2026 wiedergegeben Daten belaufen sich die außerbilanziellen Verbindlichkeiten der Hyperscaler und Meta auf stolze 1,65 Billionen USD. Sie kommen über zukünftige Abnahmever-einbarungen für KI-Chips, langfristige Leasingverträge mit Rechenzentren sowie an spezielle Zweckgesellschaften ausgelagerte Objekt- bzw. Cashflow-Finanzierungen zu-stande. Mit letzteren werden viele Infrastrukturprojekte separat von institutionellen Investoren finanziert und tauchen nicht als Verbindlichkeiten der Tech-Giganten auf.
Größere Sorgen um die eigentliche Bonität der Tech-Firmen macht sich wohl noch niemand. Das Risiko ist viel-mehr ein Rentabilitätsproblem, ob die gigantischen Infra-strukturkosten schnell genug in echte, dauerhafte Erträge umgemünzt werden können. Hierbei ist zu bedenken, dass es sich zum Teil um sehr langfristige Investitionen handelt, die über viele Jahre hohe Abschreibungen und Betriebs-kosten verursachen. So hat Microsoft erst im Juli die Ab-schreibungsdauer seiner KI-Rechenzentren von 15 auf 25 Jahre erhöht, mutmaßlich um den jährlichen Aufwand zu reduzieren. Die teuren KI-Chips werden dagegen auf 5,5 Jahre abgeschrieben. Und das obwohl die Chipgenera-tionen und die gesamte KI-Infrastruktur sehr schnell veral-ten.

Die Amortisation der KI-Investitionen wird auf jeden Fall eine Herausforderung. Sie hängt von den Ertragsperspekti-ven über lange Zeiträume in der Zukunft ab. Da diese ab-

Quelle: Handelsblatt 01.08.2026.

* Die Grafik zeigt den Kostenvergleich anhand von Testfällen des Routing-Spezialisten Kauz AI nur für den Fall, dass Kimi K3 über die offizielle API von Moonshot betrieben wird. Zudem wird Kimi K3 bei komplexen automatisierten Prozessen mit gleichem Kontext bei Folgeanfragen schnell sehr viel günstiger als die US-Modelle.

diskontiert in die heutige Marktbewertung eingehen, steigt die Zinsabhängigkeit der Tech-Konzerne erheblich. Auch wegen der Refinanzierungsrisiken der aufgenommenen Schulden. Zudem könnten die historisch sehr hohen Gewinnmargen aus ihrer Plattformmacht durch das KI-Geschäft stärker verwässert werden. Die bisher als Wachs-tumsunternehmen bewerteten Netzwerk-Giganten werden damit in Teilen zu (hochverschuldeten) Infrastrukturunter-nehmen. Allerdings sind sie noch weit von der Ertragssta-bilität klassischer Versorger entfernt. So zeigen sich die unklaren Aussichten auch in den Kreditausfallprämien: Der J.P. Morgan-Basket aus den CDS-Spreads der fünf großen US-Techfirmen hat sich von 115 bp Ende Mai bis heute auf über 160 bp deutlich verteuert.

Zu dieser Verunsicherung hat sicherlich auch beigetraten, dass China in letzter Zeit größere Erfolge bei leistungs-fähigen KI-Modellen und KI-Chips erzielen konnte. Mit der Veröffentlichung des großen Sprachmodell Kimi K3 von Moonshot AI am 27.07.2026 zeigte sich erneut, dass China trotz Einschränkungen beim Einsatz hochmoderner ameri-kanischer GPU-Chips ohne Weiteres mit den großen US-Modellen mithalten kann. Durch spezielle Architekturen und verteiltes Lernen können vergleichbare, in Teilbereichen sogar bessere, Ergebnisse erzielt werden - bei deutlich geringerem Bedarf an Rechenleistung sowohl in der Trai-ningsphase als auch bei der Abfrage (Inferenz). Zudem ist das Modell als Open Source verfügbar, ist also transparen-ter und kann auch lokal auf eigener Infrastruktur betrieben werden. Das greift die großen US-Entwickler OpenAI und Anthropic natürlich direkt an, deren Modelle viel teurer und nur in Lizenz über die Cloud betrieben werden können.* Sehr deutlich ist damit auch wieder geworden, wie schnell KI-Modelle ohne ständiges Nachtrainieren veralten und wie dramatisch die Preise für Basismodelle durch Effizienzfort-schritte und intensivem Verdrängungswettbewerb sinken.

Mit den umfangreichen technischen Optimierungen zeigt damit China, dass sich auch mit weniger leistungsfähigen KI-Chips als die GPUs von Nvidia und mit weniger Gigan-tomanie bei der Rechenleistung sehr gute KI-Modelle ent-wickelt lassen. Wobei der Vorwurf im Raum steht, das chinesische Modell wäre auch unter direkter Nutzung des Antwortverhaltens der US-Top-Modelle trainiert worden (sog. Destillation), also so etwas wie ein Klon. Auch dies wäre aber ein starkes Indiz dafür, dass den hochkomplexen und rechenintensiven LLMs von OpenAI und Anthropic gar
kein so Alleinstellungsmerkmal zukommt. Das lässt natür-lich Zweifel an der Monetarisierbarkeit der hohen KI-Investi-tionen in den USA aufkommen. Der Anteil chinesischer KI-Modelle am genutzten Token-Volumen von US-Unterneh-men ist laut OpenRouter von unter 10% in 2025 auf mehr als 40% in diesem Jahr und im Juli sogar auf bis zu 60% angestiegen.

Zum Thema noch kurz die Anmerkung, dass der gigan-tische Ausbau von Rechenzentren auch aus Umweltschutz-gründen und sozialen Aspekten in Amerika zunehmend kritisch gesehen wird. KI-Serverfarmen benötigen 3- bis 10-mal so viel Energie wie herkömmliche Rechenzentren. Auch der Wasserverbrauch ist doppelt so hoch. Und bereits 2026 übersteigt der Strombedarf aller Rechenzentren der Welt zusammen bereits den gesamten jährlichen Stromver-brauch Deutschlands. Selbst in den USA werden die Res-sourcen an einigen Standorten mittlerweile so knapp und die regionalen Strompreise nach oben getrieben, dass sich erheblicher Widerstand gegen den Bau weiterer Riesen-anlagen regt. Viele Betreiber der Anlagen bauen daher bereits ihre eigenen Kraftwerke zur exklusiven Stromver-sorgung, häufig noch mit Gas betrieben und ebenfalls mt erheblichem Kühlbedarf.

Ein weiterer kritischer Aspekt für die mögliche Anfälligkeit der gesamten amerikanischen KI-Industrie ist aber die hohe Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit der Hyper-scaler, GPU-Produzenten und KI-Startups. Zwischen den drei Parteien fließen gigantische Summen, die oft direkt wieder an die Beteiligten in Form von Aufträgen für KI-Chips oder Rechenleistung zurückgehen („Circular Financing“ oder Geldkreislauf). So haben die großen US-Hyperscaler über strategische Partnerschaften und mas-sive Milliardeninvestitionen faktisch die Kontrolle über die Infrastrukturversorgung der beiden führenden KI-Startups OpenAI und Anthropic übernommen (Microsoft hält eine Beteiligung von 27 % an OpenAI, im Gegenzug wird bis-lang primär Microsoft Azure genutzt; Amazon ist der größte Anteilseigner von Anthropic; Alphabet hält ebenfalls 14% und bürgt für Leasingzahlungen von Anthropic an Rechen-zentren, Anthropic hat im Gegenzug mit der Google Cloud den finanziell größten bekannten Nutzungsvertrag über 200 Mrd. USD). Nicht zuletzt wiesen die Hyperscaler aus

diesem Grund im ersten Halbjahr 2026 auch so hohe Gewinne aus: Deren KI-Beteiligungen (auch an SpaceX) brachten auf dem Papier Bewertungsgewinne in Höhe von zusammen 184 Mrd. USD ein (bei Amazon 76% und bei Alphabet 61% des Gesamtertrags!).

Daneben sind die Hyperscaler die absolut wichtigsten Ab-nehmer von Nvidia-Chips. Nvidia selber fördert und sichert die Nachfrage nach seinen GPUs durch direkte Beteiligun-gen an kleineren Cloud- und KI-Startups (gegen Kauf von KI-Infrastruktur) sowie durch massive Absatzfinanzierun-gen. So steht Nvidia kurz vor einer Zusage über 350 Mrd. USD an OpenAI zur Finanzierung des Kaufs der eigenen Chips und soll mit zusätzlichen 250 Mrd. für die Miete von Rechenleistung bürgen. Das ist alles nicht nur verwirrend, sondern weckt auch böse Erinnerungen an Kreislaufge-schäfte im Kontext des Enron-Skandals. Zuletzt hat ein Abkommen von Nvidia mit US-Investmenthäusern für Auf-sehen gesorgt, über das 500 Mrd. USD zur Finanzierung von KI-Rechenzentren bei Investoren eingeworben werden sollen. Wohl auch deswegen hat sich die Ausfallrisrikoprä-mie (CDS-Spread) von Nvidia von etwas über 40 bp Ende Mai in der Spitze auf 84 bp verdoppelt. Ob Nvidia das enorme Wachstum seines Umsatzes (zuletzt + 85%) und Gewinns (Verdreifachung gegenüber Vorjahresquartal) bei einer sagenhaften Brottomarge von 74,9% dauerhaft fort-setzen kann, erscheint fraglich.

Zusammen mit den bereits bestehenden außerbilanziellen Vehikeln der Hyperscaler zur Finanzierung von KI-Infra-struktur werden großvolumig Risiken an den Kapitalmarkt transferiert, die auf reinen Erwartungen über die zukünftige Nachfrage nach KI-Leistungen beruhen. Auch ist ein Kapitalmarktkontrakt (Future) auf bestimmte Nvidia-Chips geplant, der Rechenleistung investierbar und absicherbar machen soll. Sollten sich die Mega-Investitionen in die KI-Rechenzenten aber nicht ausreichend monetarisieren, die großen US-LLMs weniger nachgefragt werden (die eigent-lich für 2026 geplanten Börsengänge sind auch nicht mehr sicher) oder Nvidias Alleinstellungsmerkmal bei den GPUs aufweichen, so könnte dadurch das umfassende KI-Öko-system in den USA ins Wanken geraten. Das würde dann auf den gesamten Kapitalmarkt wie auch den Markt für private Kreditvergabe (Private Credit) voll durchschlagen.

Doch zu viel Skepsis in Bezug auf den KI-Hype ist auch nicht angebracht. Gründe für ein Anhalten und die durch-greifende Wirkung der KI-Disruption habe ich ja schon mehrfach angeführt (mannigfaltige neue Anwendungsbe-reiche, Einsatz spezialisierter Modelle für reale Probleme, vorerst anhaltender Engpass bei Halbleitern und steigender Bedarf an KI-Rechenleistung etc.). Daneben zeigt sich, dass die Rechenleistung der KI-Zentren derzeit nicht nur sehr gut nachgefragt ist, sondern sich auch ältere Chip-Generationen noch gut vermarkten lassen. Auch für andere Zwecke als reine KI-Anwendungen sind die neuen Rechen-zentren wohl nutzbar.

Daneben scheinen die sinkenden Preise für KI-Modelle bislang (noch) nicht zu Lasten der Profitabilität der Anbieter zu gehen. So haben sich die Token-Kosten für Unterneh-men laut einer Studie der Webplattform AI.CC innerhalb eines Jahres um 67% reduziert, eine der steilsten Preissen-kungen in der Geschichte von Unternehmenssoftware. Dagegen hat sich aber der Mehrverbrauch an Token durch die massiv gestiegene KI-Nutzung exponentiell entwickelt und ist innerhalb eines Jahres global um 550% gestiegen. Verwiesen wird hierfür zum Beispiel darauf, dass ein KI-Agent 5 bis 30x mehr Token pro Aufgabe verbraucht als ein einfacher Chatbot. Geringere Kosten laden damit wohl zu Mehrverbrauch ein.
Quelle: McKinsey&Company, 20.05.2025 
     Quelle: Dirk Specht, open.substack.com, 18.06.2026

Das wird auch als Jevons-Paradoxon bezeichnet. Demnach führen technologische Effizienzsteigerungen zu einem höheren Gesamtverbrach einer Ressource, statt den Umsatz zu verringern. Die höhere Nachfrage nach KI lässt den Gesamtaufwand steigen, trotz sinkender Preise. Von Dirk Specht (ehemals Chefredakteur bei capital.de und Digitalchef der FAZ, jetzt sehr aktiv über LinkedIN und Substack) stammt die obenstehende Grafik, deren Daten Angabe gemäß aus öffentlichen Quellen von Routingplatt-formen und Branchenberichten zusammengesetzt sind: Sie beschreibt einen exponentiellen Preisverfall bei Token bei exponentiell steigender KI-Nutzung (zu beachten die logarithmische Skala).

Es wird damit wohl erst mal weitergehen mit der Hype und den hohen Erwartungen an mögliche KI-Gewinne. Welches KI-Geschäftsmodell aber langfristig überlebt und welche Unternehmen besonders erfolgreich sind, ist offen. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt, dass es nicht unbedingt die Pioniere einer neuen Technologie sein müssen, die dauer-haft von ihren Innovationen am meisten profitieren. Wahr-scheinlich liefern sich die Big Techs auch deshalb einen so großen Überbietungswettbewerb beim Rennen um die KI-Infrastruktur (the winner takes it all). Auf längere Sicht sind es aber häufig auch junge, weniger kapitalintensive Firmen, die mit ganz neuen Geschäftsansätzen zu Marktführern werden. Die besten Investments müssen auch nicht die Firmen sein, die selbst die großen KI-Modelle entwickeln. Es können auch die Zulieferer sein: Wer Halbleiter, Strom-versorgung, Netzwerkanschluss oder Kühlung an viele KI-Anbieter verkaufen kann, trägt weniger Risiko in Bezug auf die späteren KI-Gewinner.

Zum Schluss daher noch ein paar Bemerkungen zu den Aussichten der einzelnen großen Techfirmen. Auf Basis ihres bewährten Plattformgeschäfts verdienen Microsoft und Amazon so viel, dass sie die hohen Investitionen in die KI-Infrastruktur stemmen können. Ihr Cloud-Geschäft wächst mit um die 40% stark und die Nachfrage nach zusätzlicher Rechenleistung wird sehr hoch bleiben. Bei Microsoft kommt bereits 63% des Gesamt-Umsatzes aus dem Cloud-Geschäft und der Free-Cashflow konnte bislang im Positiven gehalten werden. Beim Marktführer Amazon ist der Cloud-Umsatz ebenfalls so stark gestiegen wie seit  

viereinhalb Jahren nicht mehr. Daneben setzt Amazon auf selbst entwickelte KI-Chips, um von Nvidia unabhängiger zu werden. Trotz höherer Verschuldung sollten beiden Unternehmen keine grundlegenden Gefahren drohen und mögliche Kürzungen der Investitionspläne sogar vom Markt begrüßt werden.

Alphabet
(Google) kann mit seiner eigenen KI-Modellreihe Gemini (auch unter Einsatz effizienter eigener TPUs) gerade auch im zahlenden Unternehmensbereich mit den führenden Start-Ups OpenAI und Anthropic mithalten. Ent-gegen den Erwartungen haben die KI-Zusammenfassun-gen bei der Google-Suche dem Werbegeschäft bislang nicht geschadet, auch wenn dadurch die Internet-Seiten der Anbieter weniger aufgesucht werden. Google hat allerdings ein deutlich kleineres Cloud-Geschäft (trotz enormem Wachstum von 82% im 2.Q 2026 kommen nur um die 20% des Gesamtumsatzes aus der Cloud), investiert aber genauso viel in KI-Infrastruktur wie die beiden größeren Cloud-Wettbewerber. Neben einer auf ca. 100 Mrd. USD angestiegenen langfristigen Verschuldung musste auch das Aktienkapital um 85 Mrd. erhöht werden.

Meta
hat kein unmittelbar monetarisierbares KI-Geschäft. Die selber entwickelten, leistungsstarken KI-Modelle (Llama-Reihe) werden weitgehend kostenlos als Open Souce bereitgestellt. Damit sollen Entwickler und Anwender an die Meta-Plattform gebunden werden. Mit den eigenen KI-Anwendungen werden vor allem die Werbung und Em-pfehlungen optimiert und die Verweildauer der Nutzer auf Facebook und Instagram etc. erhöht. Neue agentische KI-Assistenten für Unternehmen sowie die Vermietung über-schüssiger Rechenzentrumskapazitäten sollen neue Um-satzmärkte eröffnen und die relativ hohen Investitionsaus-gaben von 130-145 Mrd. USD in diesem Jahr amortisieren. Allerdings hat Meta mit bereits 420 Mrd. USD die höchsten außerbilanziellen Schulden zu den schlechtesten Konditio-nen aller Big-Techs (das in der u.a. Grafik genannte Meta-Projekt Sopaipilla ist eines dieser außerbilanziellen Finanzierungsvehikel).
Die hohe Verschuldung von über knapp 130 Mrd. USD ist auch das Hauptproblem von Oracle. Hier scheint die Wette auf steigende Cloud-Umsätze am riskantesten zu sein (S&P hat Oracle im Juli auf BBB- herabgestuft).

Quelle: Handelsblatt, 24.08.2026 
Zum Chip-Monopol von Nvidia (was nach Marktkapitalisie-rung zum wertvollsten Unternehmen der Welt geführt hat) habe ich schon oben einige Ausführungen gemacht. Es ist schon erstaunlich, dass ein Kapitalmarktkontrakt für den zukünftigen Preis von Rechenleistung allein auf konkreten Halbleiter-Generationen eines einzigen Herstellers basieren soll, die zudem schnell veralten. Die Zukunft wird zeigen, ob aus der hohen Abhängigkeit von wenigen Großkunden und der finanziellen Verflechtung mit diesen nicht auch einmal größere Probleme erwachsen.

Damit zuletzt noch zu den beiden großen KI-Startups OpenAI und Anthropic. Die immens hohen Kosten für Forschung, Modellentwicklung und vor allem Rechenleis-tung führen bei den beiden Modellentwicklern immer noch zu Defiziten. OpenAI verbuchte 2025 bei einem Umsatz von 13 Mrd. USD einen operativen Verlust von 21 Mrd. USD. Im 2. Quartal 2026 weitete sich der Verlust weiter auf

12 Mrd. aus, während das Unternehmen bis 2030 plant, rund 600 Mrd. USD allein für Rechenleistung auszugeben. OpenAI wird daher gezwungen sein, die Nutzung seiner Modelle eher höher zu bepreisen – entgegen dem Trend sinkender Tokenpreise. OpenAI könnte damit zum schwächsten Glied im KI-Ökosystem werden und hat seinen geplanten Börsengang schon auf 2027 verschoben.

Anthropic dagegen verdiente mit seinen mehr auf Unter-nehmen ausgerichteten KI-Modellen bei einem Umsatz von 11,5 Mrd. USD im zweiten Quartal 2026 erstmals seine Kosten. Dagegen hat Anthropic mindestens 71 Mrd. USD über den Private-Credit-Markt an Schulden aufgenommen. Bei der letzten Eigenkapitalrunde im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Mrd. USD bewertet. Ob aber der noch in diesem Jahr angestrebte Börsengang eine Bewertung von bis zu 2 Billionen USD erbringt, bleibt abzuwarten.

Bensheim, den 26.08.2026

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