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NEWSLETTER 13/2026:
Gold wieder vernünftig bewertet: Einstiegschance?

Der Goldpreis ist seit Sommer 2024 um bis zu 170% auf sein Allzeithoch im Februar dieses Jahres bei 5.394 USD pro Feinunze nach oben geschossen. Seitdem gab es aber eine deutliche Korrektur auf etwa 4.000 USD. Damit steht Gold nach den Übertreibungen der letzten Monate wieder im Einklang mit den fundamentalen Daten, insbesondere dem Unsicherheitsindex EPU. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und den wieder aufgekommenen Inflationsgefahren könnte das erreichte Niveau eine gute Einstiegschance darstellen. Das ins-besondere vor dem Hintergrund, dass die Notenbanken weltweit immer stärker Gold für ihre Währungsreserven nachfragen, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Da lohnt (erneut) ein genauerer Blick auf die Einflussfaktoren der Goldpreisentwicklung.

Gold war für längere Zeit nicht in meinem Fokus als sinn-volle Investitionsmöglichkeit. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert: Nach Auslaufen des ersten größeren Goldpreisschubs 2010/11 im Zuge der globalen Finanzmarktkrise kam es erst durch die Corona-Pandemie und den Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 zu Goldpreisen von bis zu 2.000 USD pro Feinunze. So richtig los mit der Goldpreishausse ging es dann aber im Herbst 2024 mit der Wiederwahl von Doland Trump zum US-Präsi-denten und seiner erratischen Zollpolitik. Den absoluten Hochpunkt erreichte der Goldkurs im Februar dieses Jah-res bei 5.394 $/Feinunze, was zum Beispiel bezüglich einer sechsjährigen Anlageperiode ab Februar 2020 einer jährl-ichen Rendite von +22,6% entsprochen hätte!

Die langfristige Entwicklung des Goldpreises, seine Ein-flussfaktoren und Eignung von Gold als Beimischung in 
der privaten Geldanlage habe ich bereits im Newsletter 16/2025 ausführlich behandelt. Demnach lässt sich der Goldkurs fundamental am besten durch die gemessene ‚Unsicherheit‘ bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung erklären, wie sie z.B. durch den Economic Policy Uncertainty-Index (EPU) mittels Stichwortauswertungen großer Zeitungen erhoben wird. Daneben spielten in den letzten Jahren vor allem die sprunghaft gestiegene Nach-frage nach Gold für die Währungsreserven der Notenban-ken eine entscheidende Rolle.

So sind die staatlichen Goldbestände seit 2010 mengen-mäßig um ca. 25% gestiegen. Vor allem in den letzten 4 Jahren haben die internationalen Notenbanken im Schnitt jeweils über 1.000 Tonnen Gold netto neu erworben, dop-pelt so viel wie im Durchschnitt der vorangegangenen Dekade, siehe obenstehende Grafik. In den Jahr(zehnten) zuvor hatten die Zentralbanken ihre Goldbestände sogar eher abgebaut. An der Spitze der Nettokäufer seit 2020 steht China mit 357 Tonnen Gold, danach kommt Polen mit 315 Tonnen und die Türkei mit 252 Tonnen. Auffallend auch, dass zunehmend Schwellenländer anfangen, größere Goldbestände aufzubauen wie z.B. Indien, Brasilien, Aserbaidschan, Thailand. Dies verdeutlicht, dass Gold wieder stark zur Diversifikation der Währungsreserven eingesetzt wird, nicht zuletzt um die Abhängigkeit vom US-Dollar und von geopolitischen Risi-ken zu reduzieren.

Trotz bereits hoher Goldpreise ist die Nachfrage nach Gold-investments damit insgesamt im Jahr 2025 auf enorme 3.038 Tonnen hochgeschossen (+33,4% zum Vorjahr), davon 801 Tonnen für die von institutionellen Anlegern bevorzugten Gold-ETFs, 1.374 Tonnen für physisches Gold und 863 Tonnen von Zentralbanken. Zusammen mit dem globalen Unsicherheitsindex EPU, der mit der Wiederwahl Trumps zunächst auf über 300 und dann im April 2025 auf extreme 600 Indexpunkte anstieg (EPU-Mittelwert 2000 bis 2019 nur von 122), gibt es damit einen vernünftigen Er-klärungsansatz für die erste Phase der Goldpreishausse bis etwa Mitte 2025. Und das entgegen stark steigender bzw. anhaltend hoher Kapitalmarktzinsen, die ja eher belastend für das unverzinsliche Gold sind.

Aber die stürmische Entwicklung bis zum Preishochpunkt im Februar 2026 (gleichzeitig Kriegsbeginn im Iran) er-scheint im Rückblick doch als massive Übertreibung. Eine Regression der Jahresveränderungen des Goldpreises (zur Gewährleistung der Stationarität) auf die Unsicherheitsindi-zes der USA und Europas zeigt (sehr gute Korrelationen von 0,66 bzw. 0,64), dass bis Ende 2025 nur ein Goldpreis von 3.500 USD und im März/April 2026 von maximal 4.270 USD angemessen gewesen wäre. Die realisierten Preise bis zu knapp 5.400 $ stellen mit diesem kleinen Modell also eine Überbewertung um bis zu 1.500 $ dar. Was sich auch in der Folge zeigte: Zusammen mit erneut steigenden Ka-pitalmarktzinsen wegen der (Iran-)kriegsbedingt erhöhten Energiepreise haben die Goldkurse deutlich konsolidiert und sind Ende Juni auf unter 4.000 USD gesunken.

Quelle: www.boerse.de (USD), www.policyuncertainty.com (Economic Policy Uncertainty Index, EPU), eigene Berechnungen

Mit ein Grund für den für Viele überraschenden Goldpreis-rückgang um über 25% war auch, dass die Kursturbulen-zen an den Kapitalmärkten im März infolge des Irankrieges zahlreiche Investoren dazu veranlasste, Kursgewinne auf ihre liquiden Goldpositionen zu realisieren (z.B. Abflüsse in den Gold-ETFs im März von 85 Tonnen). Zudem musste die Türkei im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 81 Tonnen Gold verkaufen um ihre Währung zu stützen und genauso Russland 34 Tonnen zur Finanzierung des kriegsbedingten Staatsdefizits.

Nach der Korrektur passt das derzeitige Goldpreisniveau von 4.100 bis 4.200 US-Dollar aber wieder zu dem nach wie vor erhöhten Unsicherheitslevel. Auch der World Gold Council sieht in seinem aktuellen Ausblick für das zweite Halbjahr Gold derzeit im Einklang mit dem globalen makro-ökonomischen Umfeld moderaten Wirtschaftswachstums, nachlassender - aber erhöhter Inflationsrisiken sowie der Erwartung weiterer, allerdings begrenzter Zinserhöhungen.
Ist damit jetzt ein Einstiegzeitpunkt in Goldanlagen für die gegeben, welche die bisherige Goldpreishausse verpasst haben?

Zunächst einmal ist nicht sicher, ob die Korrektur beim Goldpreis um ./. 25% bereits abgeschlossen ist. Hält der aktuelle Inflationsdruck in den USA an, indem sich die erhöhten Energie- und Chippreise nachhaltig im Preisni-veau niederschlagen, so ist die US-Notenbank FED wohl gezwungen, die Leitzinsen zu erhöhen (Mai-Daten zum Vorjahr: Konsumentenpreise +4,2%, von der FED bevor-zugte Kernrate der privaten Konsumausgaben ohne Ener-gie und Lebensmittel +3,4%). Daneben ist der US-Dollar in den vergangenen Monaten eher stärker geworden (was 

Gold in USD für Nicht-Dollaranleger teurer macht). Auch könnte sich der Iran-Konflikt weiter entspannen, was die Unsicherheitsprämie im Goldkurs reduzieren würde. Zudem ist ein stabiler Aufwärtstrend derzeit nicht absehbar, da der Goldpreis noch deutlich unter seiner 200-Tagelinie bei 4.524 USD handelt (auch unter seinem 50-Tagesschnitt bei 4.360 USD)

Dennoch gibt es gute Argumente dafür, dass sich der Gold-preis eher auf seinem hohen Niveau hält und auf Sicht wieder zulegen könnte. Die geopolitische Lage in der Welt ist so fragil, dass jederzeit größere Spannungen auftreten können, v.a. im Nahen Osten. Eine wirklich nachhaltige Lösung mit dem Iran und Israel kann ja kurzfristig kaum erwartet werden. Mit den Midterm-Elections in den USA im November könnten auch größere Unsicherheiten und Ver-werfungen verbunden sein, wenn Trump z.B. die Freiheit der Wahl behindert oder für ihn negative Wahlergebnisse nicht anerkennt.

Daneben scheint die Stimmung hinsichtlich möglicher Zins-erhöhungen in den USA mit den zuletzt deutlich gesunke-nen Rohölpreisen schon wieder umzuschlagen. Der neue FED-Chef Kevin Warsh versucht sich zwar geldpolitisch entschlossen zu geben (was die Märkte auch schon beru-higt hat) – sieht aber von der KI auf Sicht eher eine preis-senkende Wirkung ausgehen, da die Produktivität steigen würde. Das könnte dazu führen, dass die bislang erwarte-ten Zinserhöhungen in den USA ganz ausbleiben und wieder Zinssenkungsspekulationen aufkommen (die ja auch Trump von ihm erwartet). Dies würde den US-Dollar weiter schwächen und alles zusammen den Goldpreis unterstützen.

Den entscheidenden Einfluss auf die Goldperspektiven auf mittlere und längere Sicht sollte aber die Nachfrage der Notenbanken entfalten. Gemäß der jüngsten Umfrage des World Gold Council unter 74 Notenbanken erwarten davon 89 Prozent, dass die globalen Goldreserven der Zentral-banken in den kommenden zwölf Monaten ansteigen werden (Central Bank Gold Reserves Survey 2026, 16.06.2026). Konkret planen 45 Prozent, die eigenen Gold-reserven aufzustocken, so viel wie nie zuvor seit Beginn der entsprechenden Erhebungen im Jahr 2018, siehe nebenstehende Abbildung. Besonders stark ist diese Ab-sicht in Schwellen- und Entwicklungsländern ausgeprägt. Rund 53% dieser Befragten wollen ihre Gold-Bestände erhöhen, verglichen mit 18% der Zentralbanken aus Indus-trieländern.

Zu den Hauptgründen für die Goldhaltung führen die Noten-banken die Performance von Gold in Krisenzeiten, Gold als langfristigen Wertspeicher bzw. Inflationsschutz und die Portfoliodiversifizierung an. Die Umfrage zeigt zudem, dass die Absicherung gegen geopolitische Instabilität immer stärker in den Fokus rückt: Dies ist für 95% der Schwellen- und Entwicklungsländer sogar das Hauptmotiv. Sehr auf-merksam dürfte hier auch die Beschlagnahme von Aus-landsvermögen der russischen Zentralbank durch den Westen und der Ausschluss Russlands aus dem internatio-nalen Zahlungssystem SWIST verfolgt worden sein. Mit Gold im eigenen Land will man hier unabhängiger vom westlichen Finanzsystem und dem US-Dollar werden.

Dies geht mit einer grundlegenden Veränderung der Zusammensetzung der offiziellen Währungsreserven der Zentralbanken einher. Machte der Goldanteil an den weltweiten Währungsreserven der Notenbanken in den Jahren 2000 bis 2020 noch 10-15% aus, so ist dieser Anteil mittlerweile auf 27% angestiegen (natürlich auch wegen dem höheren Goldpreis). Damit hat Gold die US-Staatsan-leihen mit einem Anteil von nur noch rund 22% als führen-des Reserve-Asset abgelöst, welches traditionell als eine der sichersten Anlageformen gilt. Während viele Industrie-länder Gold teils historisch bedingt bereits in großen Men-gen halten bzw. hielten (in Zeiten des Bretten-Woods-Systems bzw. des Gold-Devien-Standards, siehe Grafik), gehen Schwellenländer erst jetzt verstärkt in Gold als strategisches Diversifikationsinstrument. Laut Deutsche Bank haben Zentralbanken aus Emerging Markets in den

vergangenen 17 Jahren rund 7.000 Tonnen Gold gekauft. Damit wurde mehr Gold akkumuliert, als westliche Zentral-banken in den 1990er-Jahren verkauft hatten.

Mit Blick auf die untenstehende Grafik scheint im Vergleich zur Vergangenheit noch viel Potenzial für Gold als Teil der Währungsreserven zu bestehen. Die Notenbanken setzen damit auf das ultimative Sicherheits-Asset, das kein Kontra-henten- bzw. Ausfallrisiko trägt, nicht beliebig vermehrt werden kann und weltweit akzeptiert bzw. liquide gehandelt wird. Schaut man auf die laufenden grundlegenden Umwäl-zungen in der Welt, so ist dieses Streben nach Sicherheit und Stabilität verständlich: Da ist zum einen die ausufernde Staatsverschuldung. Im Schnitt der G7-Staaten liegt diese aktuell bereits bei rund 125% des Bruttoinlandsprodukts (zu Beginn des Jahrtausends lag der G7-Schuldenstand noch bei 72% des BIPs). Der IWF prognostiziert für diese Indus-trieländer ein weiteres Anwachsen der Schulden auf 137% des BIPs für das Jahr 2030.

Die wachsenden fiskalischen Risiken hängen natürlich auch mit den zunehmenden geopolitischen Konflikten und weltweiten Krisen zusammen: Zuerst Corona und dann die massiv steigenden Ausgaben für Rüstung und Verteidi-gung. Dazu kommen die Belastungen durch Handelskon-flikte, Sanktionen bzw. protektionistische Zollschranken, die zu einer Fragmentierung der Weltwirtschaft und generell höheren Kosten führt. Auch die immer stärkere politische Polarisierung trägt zur zunehmenden Unsicherheit in Wirt-schaft und Gesellschaft bei.

Der Wunsch vieler Staaten nach größerer Unabhängigkeit vom westlich dominierten Finanzsystem und dem US-Dollar als Leitwährung ist da verständlich. Der Anteil des USD an den gesamten globalen Währungsreserven (inkl. Gold) ist bereits von knapp 60% Anfang der 2000er Jahre auf etwa 43% im Jahr 2025 gefallen (der Euro macht auch nur 15% aus, neben allen anderen Währungen mit zusammen 17%). Gemäß der oben genannten Umfrage des World Gold Council erwarten aktuell 74% der befragten Zentralbanken, einen (noch) niedrigeren Anteil des US-Dollars in den globalen Reserven innerhalb der nächsten 5 Jahre. Dabei ist allerdings nicht zu vergessen, dass der USD immer noch eine zentrale Rolle im internationalen Zahlungsverkehr spielt und kaum auf mittlere Sicht ersetzt werden kann. Aber bezüglich der Reserven der Länder wird er zuneh-mend durch Gold ersetzt.
Darin kommt neben dem Vertrauensverlust in den US-Dollar auch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber allen Papiergeld-Währungen zum Ausdruck. Eine fortschreitende Geldvermehrung durch übermäßige Staatsverschuldung kann irgendwann soweit führen, dass die Geldentwertung nicht mehr aufgehalten werden kann und eine Währung kollabiert. Die Geschichte zeigt, dass keine Währung dauerhaft stabil bleibt und es alle Dekaden zu einer Neu-ordnung des Währungssystems kommt. Gold könnte da eine große Rolle als zwischenzeitlicher Anker spielen. Zieht man auch in Betracht, dass der Goldanteil in den Portfolien westlicher institutioneller Investoren gerade mal 2,7% be-trägt, so besteht für die Goldnachfrage in den kommenden Jahren noch erhebliches Potenzial, halten die Krisen welt-weit an.
Die Prognosen für den Goldpreis sind daher trotz der Kor-rektur der letzten vier Monate weiterhin nach oben gerich-tet. So erwartet die Deutsche Bank im vierten Quartal 2026 einen Goldkurs von 4.800 USD pro Feinunze. Goldman Sachs prognostiziert für das Jahresende einen Stand von 4.900 USD. Auch die DZ BANK bleibt bei ihrer Aussicht eines steigenden Goldpreises mit 5.000 $/Feinunze auf Sicht eines Jahres. Unabhängig von der kurzfristigen Ein-schätzung solle die (eher preisunelastische) Nachfrage der Zentralbanken nach Gold als reale und liquide Reserveal-ternative weiterhin hoch bleiben und den Goldpreis treiben. Wer also an ein Anhalten der geopolitischen Spannungen in einer multipolaren Welt glaubt, für den kann die aktuelle Korrektur ein guter Einstiegszeitpunkt in eine strategische Goldanlage sein.
In aller Kürze

- Die überschießende Entwicklung des Goldpreises in den letzten Jahren lässt sich fundamental am besten mit zwei Faktoren erklären. Zum einen durch die stark gestiegene Unsicherheit der Wirtschaftsteilnehmer durch die weltweiten Krisen und geopolitischen Umwälzungen: Der EPU-Unsicherheitsindex (Economic Policy Uncertainty) erreichte mit der Wiederwahl Trumps und v.a. den Zoll-Eskapaden vom Frühjahr 2025 einen extremen, historisch nie gesehenen Risikowert. Der zweite Faktor ist die massiv erhöhte Nachfrage nach Gold für die Währungsreserven der Zentral-banken. In den letzten 4 Jahren haben die internationalen Notenbanken im Schnitt jeweils über 1.000 Tonnen Gold netto neu erworben, doppelt so viel wie im Durchschnitt der vorangegangenen Dekade.

- Den absoluten Hochpunkt erreichte die Goldpreis-Hausse im Februar dieses Jahres bei einem Stand von 5.394 USD/Feinunze. Dieses Niveau lässt sich rückblickend aber nur noch durch den Zufluss spekulativer Gelder von Investoren erklären, die 801 Tonnen Gold im Gesamtjahr 2025 allein in Gold-ETS angelegt hatten. Ein kleines Modell mit dem EPU-Unsicherheitsindex zeigt auch, dass bis Ende 2025 nur ein Goldpreis von 3.500 USD und im März/April 2026 von maximal 4.270 $ angemessen gewesen wäre. Diese Überbewertung wurde jetzt mit einem deutlichen Kurs-rückgang von über ./. 25% auf bis unter 4.000 USD Ende Juni abgebaut.

- Nach der Korrektur (auf die mit dem Iran-Krieg verbundenen Kapitalmarktturbulenzen wurde eher mit Gewinnreali-sierungen auf die liquiden Goldbestände reagiert) passt das derzeitige Goldpreisniveau von 4.100 bis 4.200 US-Dollar wieder zum makroökonomischen Umfeld. Kurzfristig könnte der Druck auf den Goldpreis noch etwas anhalten. Mit den gestiegenen Energie- und Chippreisen könnten die Notenbanken gezwungen sein, die Zinsen (weiter) zu erhöhen, was den Goldkurs tendenziell belastet. Auch hat sich das Unsicherheitslevel mit der (vorrübergehenden) Entspannung im Iran-Krieg schon wieder etwas entspannt.

- Dennoch gibt es gute Argumente dafür, dass der Goldpreis auf Sicht eher wieder steigen wird. Mit der fragilen geopolitischen Lage und den Midterm-Elections in den USA im November ist immer mit Überraschungen und neuen Verwerfungen zu rechnen. Auch scheint in den USA die Stimmung schon wieder umzuschlagen und die bislang erwarteten Zinserhöhungen der FED womöglich ganz ausbleiben. Den entscheidenden Einfluss auf die längeren Goldperspektiven sollte aber die Nachfrage der Zentralbanken entfalten. Gemäß der jüngsten Umfrage des World Gold Council erwarten 89% der befragten Notenbanken, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten ansteigen werden. Auffallend ist hier, dass es v.a. die Schwellen- und Entwicklungsländer sind, die jetzt verstärkt Gold für ihre Währungsreserven nachfragen. Konkret planen 53% dieser Notenbanken, die eigenen Goldreserven aufzustocken – so viel wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2018.

- Gold wird damit zunehmend als das ultimative Sicherheits-Asset angesehen, das nicht wie eine Papierwährung völlig entwertet werden kann, sondern als langfristiger Wertspeicher dient und in Krisenzeiten die eigene Währung stützen kann. Für 95% der Schwellen- und Entwicklungsländer ist die Absicherung gegen geopolitische Instabilität das Hauptmotiv der staatlichen Goldnachfrage. Die zunehmende Diversifikation der Währungsreserven zeigt sich bereits: Machte der Goldanteil an den weltweiten Reserven der Notenbanken in den Jahren 2000 bis 2020 noch 10-15% aus, so ist dieser Anteil in 2025 bereits auf 27% angestiegen. Das ist mehr, als bislang in US-Staatsanleihen als vermeintlich sicherste Anlageform gehalten wurde. Mit der ausufernden Staatsverschuldung und den handelspoli-tischen Abschottungstendenzen ist verständlich, dass viele Länder nach größerer Unabhängigkeit vom westlich dominierten Finanzsystem und dem US-Dollar als Leitwährung streben.

Bensheim, 09.07.2026

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