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NEWSLETTER 12/2026:
Unser Gesundheitssystem ist reformbedürftig, aber im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht

Den Krankenkassen in Deutschland drohen in den kommenden Jahren hohe Defizite. Sind die Einnahmen der privaten und gesetzlichen Kassen seit 2020 um 23,9 bzw. 24,6% gestiegen, so haben sich die Ausgaben für medizinische Leistungen beider KV-Systeme im gleichen Zeitraum mit ca. 35% deutlich mehr erhöht. Mit dem medizinischen Fortschritt und der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft steigen die Gesundheitskosten unweigerlich immer weiter. Daneben hat das deutsche Gesundheitssystem mit der Trennung in die gesetzliche Kranken-versicherung (GKV) und die privaten Kassen (PKV) sowie mitunter langen Wartezeiten auf Facharzttermine nicht den besten Ruf. Da einschneidende Reformen notwendig und gerade vorgeschlagen worden sind, ist ein Blick auf die reinen Zahlen lohnenswert. Dabei zeigt sich, dass es um die Qualität des deutschen Gesundheitssystems gar nicht so schlecht bestellt ist. Daneben können aber wertvolle Anregungen aus dem internationalen Vergleich gewonnen werden.

In Deutschland sind 74,5 Millionen gesetzlich kranken-versichert (GKV), wobei nur 58,7 Mio. beitragszahlende Mitglieder sind. Die Differenz ist kostenfrei (familien-)mit-versichert. Die privaten Krankenversicherungen (PKV) haben 8,7 Millionen Versicherte. Die 93 gesetzlichen KVs mussten im letzten Jahr 336,4 Mrd. für reine Versiche-rungsleistungen aufbringen, das macht im Schnitt 4.515 € pro Versicherten. Bei den 30 PKVs betrugen die Ausgaben für medizinische Leistungen 42,1 Mrd., also mit 4.839 € pro Kopf kaum mehr. Differenziert man nach den verschiede-nen Leistungserbringern, so sind die Kosten im ambulanten Bereich für die PKVs deutlich höher wegen des bis zu 3,5-fachem GOÖ-Abrechnungssatzes für Privatpatienten. Im Krankenhausbereich dagegen verursachen sogar die GKV-Versicherten höhere Kosten, da diese vielfach deutlich älter und kränker sind.      

Im Schnitt zahlen gesetzlich Versicherte einen Beitragssatz von 376 € monatlich (nur Arbeitsnehmeranteil), bezogen allein auf die echten Beitragszahler sind das 770 €. Der Höchstsatz in der GKV beläuft sich wegen der Beitragsbe-messungsgrenze auf 1.030 € monatlich. In der PKV liegt der durchschnittliche Monatsbeitrag bei etwa 620 € (ohne Beihilfe/Beamte). Insgesamt beliefen sich Beitragseinnahmen der GKVs im Jahr 2025 aus dem regulären Beitragssatz auf knapp 300 Mrd.: Das Defizit von über 36 Mrd. zu den 336,4 Mrd. reinen Versicherungsleistungen (noch vor Verwaltungskosten) musste durch die individuellen Zusatzbeiträge der KVs und den Bundeszuschuss gedeckt werden.

Die Kosten des Gesundheitssystems sind seit 2020 um gewaltige 35% gestiegen. Das hat natürlich auch viel mit der generellen Inflation und den erforderlichen Lohnstei-gerungen zu tun. Daneben aber sorgt vor allem der medi-zinische Fortschritt dafür, dass neue und häufig teure Diag-noseverfahren, Behandlungsmethoden und Medikamente die Kosten überproportional erhöhen. Daneben leben wir immer länger und die Alterspyramide verschiebt sich zusehends: Immer weniger Erwerbstätige stehen immer mehr Älteren gegenüber, die höhere Gesundheitsleistungen benötigen.

Besonders hoch fällt der Kostenanstieg im Krankenhaus-bereich mit knapp +37% seit 2020 aus, bei der ärztlichen Behandlung sind es nur etwa +23% (inkl. Schutzimpfun-gen), bei den Medikamenten +17,7%. Daher wird in der Öffentlichkeit auch vor allem der Kostendruck bei der stationären Versorgung diskutiert. Bei den gesetzlichen Kassen hatte dieser Bereich im Jahr 2024 einen Anteil von 33% an den Gesamtkosten. Die ärztliche Behandlung machte nur einen Anteil von 16% aus. Allerdings kommen alle ambulanten Leistungen zusammen auf ca. 29% (inkl. Zahnärzten, Schutzimpfungen, Vorsorgemaßnahmen und medizinischer Behandlungspflege). Das wird weiter unten bei der Betrachtung der OECD-Zahlen im internationalen Vergleich noch relevant.

Alles zusammengenommen (PKV, GKV und Pflege sowie Zusatzleistungen, die aus der eigenen Tasche bezahlt werden) gab Deutschland im letzten Jahr 579,5 Mrd. für Gesundheitsleistungen aus, das sind knapp 12% des BIP. Gesundheit ist einer der wichtigsten Dienstleistungssek-toren in reifen Volkswirtschaften. Über 6 Millionen Menschen arbeiten hierzulande im Gesundheitssektor. Über die Qualität des deutschen Gesundheitssystems ist die Meinung aber gespalten: Mit der Trennung in GKV und PKV wird von einer Zweiklassen-Gesellschaft gesprochen und lange Wartezeiten auf Facharzttermine und die zuneh-mende Überlastung der Notfallversorgung in den Kranken-häusern sorgen für Verdruss.

Um die Struktur und Qualität des deutschen Gesundheits-systems auf internationaler Ebene zu vergleichen, kann auf die detaillierten Zahlen in OECD Health at a Glance 2025 zurückgegriffen werden. In einer Tabelle habe ich die wichtigsten Daten zusammengestellt, jeweils mit dem Vergleich zum OECD-Schnitt, dem Rang Deutschlands im Ländervergleich und ausgewählten Staaten mit höherem bzw. niedrigerem Ranking. Nicht alles will und kann ich hier kommentieren, nur das Interessanteste und auch Über-raschendes.

In Relation zum BIP und auch pro Kopf geben die Deutschen mit 9.365 US-Dollar in Kaufkraftparitäten (PPP) mit am meisten für ihre Gesundheit aus. Nur die USA, Schweiz (und pro Kopf Norwegen) haben höhere Kosten. Auch bei den Ausgaben für Medikamente mit 1.158 USD im Jahr pro Einwohner liegt Deutschland nach den USA an zweiter Stelle. Unerwartet an der Spitze der OECD-Länder steht Deutschland bei den Investitionen in das Gesund-heitssystem im Schnitt der Jahre 2021 bis 2024. Das liegt wohl vor allem an dem großen Nachholbedarf für unter-lassene Investitionen in früheren Jahren und der gezielten Förderung von Pflegeberufen (aber auch am schwachem BIP-Wachstum im Vergleich zu anderen Ländern). Mit den notwendigen Einsparungen bei den öffentlichen Mitteln dürfte sich das in kommender Zeit auch stark relativieren.



Was überrascht, ist der geringe Anteil der Krankenhaus-kosten an den gesamten Gesundheitsausgaben in Deutschland. Mit 27% der Gesamtkosten ist das der zweit-geringste Wert unter allen OECD-Ländern mit im Schnitt 39%! Wie passt das mit dem hohen Gewicht bei den GKV-Kosten zusammen? Ein Erklärungsansatz von mir ist, dass sich die Deutschen einen hohen Anteil der stationären Versorgung ohne eigene Beteiligung von den Kranken-kassen bezahlen lassen (auch über Krankenhaus-Zusatz-versicherungen). Generell zahlen wir mit 11% auch nur einen geringeren Teil der gesamten Gesundheitsausgaben aus eigener Tasche, der OECD-Schnitt liegt bei 19%.

Umgekehrt ist es bei der ambulanten Versorgung: Hierfür wird in Deutschland 31% des Gesundheitsbudgets ausge-geben (OECD-Schnitt 26%). Mit der hohen Arztdichte (Platz 7/42) und den häufigen, von den Kassen bezahlten Arztbe-suchen (Platz 6/35) gehen die Deutschen auch überpropor-tional häufig zu Therapeuten und Heilpraktiker etc. und sind dafür wohl auch bereit, selber zu zahlen.
Daneben führen die hohen Steigerungsmöglichkeiten der Arzthonorare bei Privatpatienten dazu, dass die Kosten im ambulanten Bereich bei den PKVs sehr hoch sind.

Der Anteil der Pflegekosten an den gesamten Gesund-heitsausgaben liegt in Deutschland etwa im OECD-Schnitt. Genauso wie der Anteil für die Apotheken. Entgegen der Erwartung ist das Preisniveau im deutschen Gesundheits-wesen auch 24% unter dem OECD-Level. Am teuersten ist es in der Schweiz und den USA. Dagegen gibt jeder Deutsche mit durchschnittlich 1.158 USD im Jahr sehr viel für Medikamente aus. Hierzulande scheint es daher eher an der größeren Menge zu liegen als am Preis.

Wie ist es nun aber um die Qualität des deutschen Gesund-heitssystem bestellt, wenn wir schon mit am meisten für unsere Gesundheit ausgeben? Allein von den harten Fakten her haben wir ein großes Versorgungsangebot: Mit 4,7 Ärzten pro 1.000 Einwohnern liegen wir z.B. weitaus besser als die Niederlande mit 3,9 und die USA mit 2,4 Ärzten. Bei den Krankenhausbetten belegt Deutschland Platz 3 unter 38 Ländern. Und jeder Siebte in Deutschland arbeitet im Gesundheits- oder Sozialwesen, das ist Platz 7 von 41 Ländern. Das liegt nicht zuletzt an der doch relativ guten Bezahlung: Allgemeinärzte verdienen in Deutschland mit im Schnitt 259.000 USD im Jahr 2024 am meisten unter den OECD-Ländern (in dieser Statistik fehlt allerdings die USA). Fachärzte kommen hierzulande sogar auf 318 TUSD jährlich - mehr als in der Schweiz mit 248 TUSD bei einem OECD-Schnitt von 175 TUSD. Und bei den Krankenhaus-pflegekräften kommt Deutschland mit 73.000 USD im Jahr auch noch auf Platz 6 von 35 Ländern.

Interessant wird es jetzt, wenn die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung betrachtet wird. Hier belegt Deutschland einen doch überraschend guten sechsten Platz: 81% der Deutschen sind zufrieden mit ihrem Ge-sundheitssystem, nur in der Schweiz, Belgien, Dänemark, Luxemburg und den Niederlanden urteilt die Bevölkerung besser. Schlechter bewerten die Amerikaner, Briten, Franzosen und v.a. die Italiener und Griechen. Die oben beschriebene gute Versorgung, hohe Abdeckung der Arzt- und Krankenhauskosten durch die Krankenkassen, die große Anzahl an Fachärzten (77% aller Ärzte sind Spezialisten, im OECD-Schnitt sind das nur 65%) und das erträgliche Preisniveau in Deutschland scheinen sich positiv auf die hiesigen Zufriedenheitswerte auszuwirken.

Daten-Quelle: OECD Health at al Glance 2025

Werden aber auch gute Ergebnisse bei der tatsächlichen Gesundheit erzielt und die hohen Mittel effizient eingesetzt? Bezüglich der Lebenserwartung als Gütekriterium liegen die Deutschen nur im Mittelfeld genau auf OECD-Schnitt. Deutlich älter werden die Schweizer, Japaner, Spanier, Italiener und Franzosen, aber auch Holländer und Dänen. Diese Länder haben interessanterweise auch den gering-sten Anteil an Übergewichtigen und Fettleibingen (hier schneiden die USA am schlechtesten ab). Diese Ver-haltensfaktoren scheinen wichtiger zu sein als die Qualität und die Finanzausstattung eines auf Behandlung statt Vor-beugung ausgerichteten Gesundheitssystems.

Auch die subjektive Einschätzung der eigenen Gesundheit entspricht nicht unbedingt den harten Fakten: Hier beur-teilen sich die Amerikaner trotz schlechter Lebenserwartung mit am besten (zu 85%). Gerade umgekehrt die Japaner. Auch die Deutschen schätzen ihre Gesundheit nur zu 64% als gut ein, nur Platz 29 von 38 Ländern. Fun Fact am Rande: Die Selbsteinschätzung korreliert stark negativ mit der Anzahl der Krankenhausbetten, d.h. viele Betten führen statistisch zu einer schlechteren Gesundheitsmeinung von sich selber (Angebot schafft sich Nachfrage, indem [zu] häufig operiert wird, obwohl das gar nicht nötig ist …) oder umgekehrt: weil sich viele kränker fühlen als sie sind 

werden mehr Krankenhausbetten vorgehalten als nötig. Dieses Phänomen ist statistisch v.a. in Japan, Korea und Deutschland zu beobachten…

So korreliert die tatsächliche Lebenserwartung auch nur zu 0,43 mit den Ausgaben für das Gesundheitssystem pro Kopf der Bevölkerung eines Landes. Besonders schlecht und damit ineffizient sind hier die USA, siehe Grafik unten. Aber auch Deutschland schneidet in dieser Beziehung unterdurchschnittlich ab. Besonders viel scheinen die europäischen Südländer, Japan und die Schweiz bezüglich ihrer Gesundheit aus den eingesetzten Mitteln herauszu-holen bzw. führen an sich ein gesünderes Leben. Auch die harten Daten wie Anzahl der Ärzte und Krankenhausbetten erklären die Lebenserwartung kaum (Korrelation nur von 0,33 bzw. nur 0,10).

Bei der subjektiven Einschätzung der eigenen Gesundheit bzw. der Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem spielen die finanziellen Input-Faktoren schon eine größere Rolle: Die Ausgaben für das Gesundheitssystem korrelieren mit 0,62 relativ hoch mit den Zufriedenheitswerten (ohne die USA sogar mit 0,71). Und die eigene Gesundheitsein-schätzung lässt sich ebenfalls noch am besten mit dem finanziellen Input erklären, weniger (oder sogar invers, siehe oben) mit dem Angebot.

Ein Aspekt wurde noch nicht beleuchtet: Die Art der Finan-zierung des Gesundheitssystems. Hier gibt es grundsätz-lich drei verschiedene Grundformen. Ein überwiegend staatliches Gesundheitssystem haben z.B. die skandina-vischen Länder, UK, Spanien oder Italien, in denen die Versorgung großenteils aus allgemeinen Steuern bezahlt wird. Jeder trägt also genauso wie sein Steueranteil zur Gesundheitsfinanzierung bei. Im umgekehrten System überwiegt die rein private Finanzierung, so z.B. in den USA, der Schweiz aber auch in Indien oder China. Der Staat sorgt hier nur für eine Grundversorgung. In Kontinental-europa wie auch in Deutschland ist dagegen das System einer Versicherungspflicht bei öffentlich-rechtlichen Krankenkassen verbreitet. Die Kassenbeiträge werden überwiegend durch Sozialabgaben von abhängig Be-schäftigten und deren Arbeitsgebern bezahlt. Daneben gibt es auch private Versicherungsalternativen für bestimmte (vermögendere) Bevölkerungsgruppen.

Hat das Ausmaß der staatlichen Gesundheitsfinanzierung einen Einfluss auf die Qualität bzw. Effizienz der Gesund-heitsversorgung? Der Anteil der Gesundheitsausgaben aus öffentlichen Mitteln an den gesamten Gesundheitskosten schwankt erheblich zwischen 33% (Schweiz) und 86% 
(Luxemburg, Schweden und Japan). Deutschland liegt hier mit 79% auf Platz 12 von 48 Ländern ebenfalls relativ hoch. Dieser Anteil korreliert kaum mit der Lebenserwartung als Gütekriterium, aber deutlich mit den Gesundheitsausgaben pro Einwohner (Korr = 0,62), wenn man die USA und die Schweiz außenvor lässt. Eine höhere Korrelation der Zufriedenheit mit dem Gesundheitswesen zum Anteil der staatlichen Gesundheitsfinanzierung erhält man ebenfalls mit 0,50 nur unter Ausschluss der USA und der Schweiz. Hier lässt sich eine deutlichere Beziehung mit dem Anteil der durch den Staat oder Versicherungsleistungen gedeckten Ausgaben an den gesamten Gesundheitskosten erkennen, siehe untere Grafik.

Zu interpretieren ließen sich diese Ergebnisse, dass hohe Gesundheitsausgaben häufig (ohne die USA und die Schweiz) mit einem hohen Anteil des Staates am Gesund-heitssystem einhergehen, was nicht für dessen Effizienz spricht. Daneben erhöht sich die Zufriedenheit - neben dem Ausmaß des staatlichen Finanzierungsanteils - vor allem dann, wenn die Gesundheitsausgaben durch gesetzliche oder private Versicherungen abgedeckt sind. Dies ist in Deutschland zu 86% der Fall, dem zweithöchsten Wert unter allen OECD-Ländern.
Fazit:

Das deutsche Gesundheitssystem ist im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht. Das hohe Ausstattungs-niveau an Versorgungsleistungen wie der im Vergleich (sehr) gute Zugang zu Ärzten, Krankenhäusern und Medi-kamenten hat zwar ihren Preis, indem in Deutschland mit am meisten für die Gesundheit ausgegeben wird. Die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung ist aber auch relativ hoch (81% der Deutschen äußern sich positiv, das ist Platz 6 unter 38 OECD-Ländern). Ganz im Gegenteil zum Beispiel mit den USA, die angesichts der höchsten Gesundheitsausgaben unter allen Ländern relativ unzufrieden mit ihrem System sind. Woran kann das liegen, dass auch Länder wie z.B. Dänemark, Japan, Belgien, die Schweiz oder Holland mit ihrer Gesundheitsversorgung in Relation zu dessen Kosten deutlich zufriedener sind als andere Länder?

Unter den hier betrachteten Faktoren lässt sich das nur mit gewissen Ausnahmen bei einzelnen Ländern erklären: Die gute Ausstattung mit Versorgungsleistungen ist auf jeden Fall ein positives Kriterium (wobei Japan relativ wenig Ärzte dafür am zweitmeisten Krankenhausbetten hat und Dänemark sowie die Niederland relativ wenig Krankenhausbetten dafür eine hohe Ärztedichte haben). Bis auf die Schweiz, welche die zweithöchsten Preise im Gesundheitswesen aufweist, spielen auch erschwingliche Kosten für die Versorgung eine wichtige Rolle für die positive Einschätzung des Gesundheitssystems. Daneben zeichnen sich die ‚positiven‘ Länder dadurch aus, dass ein hoher Anteil der Gesundheitsausgaben entweder durch den Staat oder durch Versicherungen abgedeckt sind. Hier belegt Deutschland unter 32 Ländern den zweitenhöchsten Platz.

Hohe Ausgaben für das Gesundheitswesen und gute Zufriedenheitswerte sind aber keine Garanten für die Qualität und Effizienz eines Gesundheitssystems. Deutschland kommt bei der Lebenserwartung nur auf Platz 25 von 38 Ländern. Daneben schätzen die Deutschen ihre eigene Gesundheit nur zu 64% als gut ein, sogar schlechter als der OECD-Schnitt. Deutlich besser beurteilen hier z.B. die Schweizer mit 80%, Belgier mit 75%, Holländer mit 70% und Dänen mit 68% ihre Gesundheit als gut (Ausnahme sind hier die Japaner, die trotz zweitlängster Lebenserwartung ihre eigene Gesundheit zu 14% als schlecht einschätzen).

Gemessen an diesem Kriterium wird das Gesundheitssystem damit in der Schweiz, Belgien und Dänemark sowie mit Einschränkungen in den Niederlanden und Japan nicht nur gut bewertet, sondern ist auch effizient: Die Kosten dieser Gesundheitssysteme liegen um bis zu 25% unter denen Deutschlands - bei höherer Lebenserwartung sowie Gesundheitseinschätzung und Zufriedenheit! Am ineffizientesten ist mit weitem Abstand das System in den USA.

Was können wir für Deutschland daraus lernen? Teuer scheint das deutsche Gesundheitssystem vor allem durch die freie Arztwahl, eine hohe Anzahl von Fachärzten, kaum Zuzahlungen bei Behandlungen und einer großen Anzahl von Krankenhäusern zu sein. Daneben dürfte die Begrenzung des einkommensabhängigen Beitrags zur GKV durch die Beitragsbemessungsgrenze sowie die Möglichkeit des Wechsels in die PKV dazu führen, dass Gutverdiener weniger stark zur Finanzierung herangezogen werden als in Ländern, in denen das Gesundheitssystem über allgemeine Steuereinnahmen finanziert wird. Es fällt auf, dass Länder mit einem ‚effizienten‘ System häufig komplett (z.B. Dänemark) oder zu größeren Teilen auf diesem Prinzip beruhen. Alle Einwohner tragen dabei zur Finanzierung bei und werden bei der staatlichen Versorgung gleichbehandelt. Häufig auch in einer Art Grundversorgung, die über private Zusatzversicherungen erweitert werden kann.

Daneben verlangen alle diese Länder eine gewisse Eigenbeteiligung der Patienten an den Behandlungskosten bzw. es greift ein Selbstbehalt. In Dänemark fällt noch auf, dass auf größere, spezialisierte Krankenhäuser gesetzt wird. Sowie wird Wert auf Prävention, Vorsorge und frühzeitige Erkennung gelegt. Einige dieser Faktoren werden auch in der durch die Bundesregierung bereits verabschiedeten bzw. angedachten Gesundheitsreform aufgegriffen wie z.B. Straffung und Stärkung der Krankenhäuser, Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie erste Einschränkungen bei der freien Facharztwahl. Daneben sollten aber Zuzahlungen gerade auch für größere Behandlungen noch unbedingt einbezogen werden, da dies noch am einfachsten umsetzbar erscheint. Eine Zusammenlegung der PKV und GKV sowie erst recht eine Umstellung auf eine rein steuerfinanzierte Grundversorgung scheint dagegen utopisch zu sein. Ein derartiger Systemwechsel käme auch einer Revolution gleich und ist in Deutschland kaum machbar.  

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