Fazit:
Das deutsche Gesundheitssystem ist im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht. Das hohe Ausstattungs-niveau an Versorgungsleistungen wie der im Vergleich (sehr) gute Zugang zu Ärzten, Krankenhäusern und Medi-kamenten hat zwar ihren Preis, indem in Deutschland mit am meisten für die Gesundheit ausgegeben wird. Die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung ist aber auch relativ hoch (81% der Deutschen äußern sich positiv, das ist Platz 6 unter 38 OECD-Ländern). Ganz im Gegenteil zum Beispiel mit den USA, die angesichts der höchsten Gesundheitsausgaben unter allen Ländern relativ unzufrieden mit ihrem System sind. Woran kann das liegen, dass auch Länder wie z.B. Dänemark, Japan, Belgien, die Schweiz oder Holland mit ihrer Gesundheitsversorgung in Relation zu dessen Kosten deutlich zufriedener sind als andere Länder?
Unter den hier betrachteten Faktoren lässt sich das nur mit gewissen Ausnahmen bei einzelnen Ländern erklären: Die gute Ausstattung mit Versorgungsleistungen ist auf jeden Fall ein positives Kriterium (wobei Japan relativ wenig Ärzte dafür am zweitmeisten Krankenhausbetten hat und Dänemark sowie die Niederland relativ wenig Krankenhausbetten dafür eine hohe Ärztedichte haben). Bis auf die Schweiz, welche die zweithöchsten Preise im Gesundheitswesen aufweist, spielen auch erschwingliche Kosten für die Versorgung eine wichtige Rolle für die positive Einschätzung des Gesundheitssystems. Daneben zeichnen sich die ‚positiven‘ Länder dadurch aus, dass ein hoher Anteil der Gesundheitsausgaben entweder durch den Staat oder durch Versicherungen abgedeckt sind. Hier belegt Deutschland unter 32 Ländern den zweitenhöchsten Platz.
Hohe Ausgaben für das Gesundheitswesen und gute Zufriedenheitswerte sind aber keine Garanten für die Qualität und Effizienz eines Gesundheitssystems. Deutschland kommt bei der Lebenserwartung nur auf Platz 25 von 38 Ländern. Daneben schätzen die Deutschen ihre eigene Gesundheit nur zu 64% als gut ein, sogar schlechter als der OECD-Schnitt. Deutlich besser beurteilen hier z.B. die Schweizer mit 80%, Belgier mit 75%, Holländer mit 70% und Dänen mit 68% ihre Gesundheit als gut (Ausnahme sind hier die Japaner, die trotz zweitlängster Lebenserwartung ihre eigene Gesundheit zu 14% als schlecht einschätzen).
Gemessen an diesem Kriterium wird das Gesundheitssystem damit in der Schweiz, Belgien und Dänemark sowie mit Einschränkungen in den Niederlanden und Japan nicht nur gut bewertet, sondern ist auch effizient: Die Kosten dieser Gesundheitssysteme liegen um bis zu 25% unter denen Deutschlands - bei höherer Lebenserwartung sowie Gesundheitseinschätzung und Zufriedenheit! Am ineffizientesten ist mit weitem Abstand das System in den USA.
Was können wir für Deutschland daraus lernen? Teuer scheint das deutsche Gesundheitssystem vor allem durch die freie Arztwahl, eine hohe Anzahl von Fachärzten, kaum Zuzahlungen bei Behandlungen und einer großen Anzahl von Krankenhäusern zu sein. Daneben dürfte die Begrenzung des einkommensabhängigen Beitrags zur GKV durch die Beitragsbemessungsgrenze sowie die Möglichkeit des Wechsels in die PKV dazu führen, dass Gutverdiener weniger stark zur Finanzierung herangezogen werden als in Ländern, in denen das Gesundheitssystem über allgemeine Steuereinnahmen finanziert wird. Es fällt auf, dass Länder mit einem ‚effizienten‘ System häufig komplett (z.B. Dänemark) oder zu größeren Teilen auf diesem Prinzip beruhen. Alle Einwohner tragen dabei zur Finanzierung bei und werden bei der staatlichen Versorgung gleichbehandelt. Häufig auch in einer Art Grundversorgung, die über private Zusatzversicherungen erweitert werden kann.
Daneben verlangen alle diese Länder eine gewisse Eigenbeteiligung der Patienten an den Behandlungskosten bzw. es greift ein Selbstbehalt. In Dänemark fällt noch auf, dass auf größere, spezialisierte Krankenhäuser gesetzt wird. Sowie wird Wert auf Prävention, Vorsorge und frühzeitige Erkennung gelegt. Einige dieser Faktoren werden auch in der durch die Bundesregierung bereits verabschiedeten bzw. angedachten Gesundheitsreform aufgegriffen wie z.B. Straffung und Stärkung der Krankenhäuser, Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie erste Einschränkungen bei der freien Facharztwahl. Daneben sollten aber Zuzahlungen gerade auch für größere Behandlungen noch unbedingt einbezogen werden, da dies noch am einfachsten umsetzbar erscheint. Eine Zusammenlegung der PKV und GKV sowie erst recht eine Umstellung auf eine rein steuerfinanzierte Grundversorgung scheint dagegen utopisch zu sein. Ein derartiger Systemwechsel käme auch einer Revolution gleich und ist in Deutschland kaum machbar.