In aller Kürze:
- Die Kernfusion soll wie die Sonne durch die Verschmelzung von Wasserstoffkernen (bzw. der schwereren Wasserstoffiso-tope Deuterium und Tritium) zu Heliumkernen enorme Mengen an CO2-freier Energie erzeugen. Zudem entsteht dabei nur schwächer radioaktiver Atommüll mit Halbwertszeiten von maximal 100 Jahren und eine Kernschmelze wie bei der Atom-spaltung ist ausgeschlossen. Da es auf der Erde aber nicht möglich ist, den Druck der Sonne zu reproduzieren, muss das durch Temperaturen von bis zu 150 Millionen Grad kompensiert werden, um den Fusionsprozess in Gang zu setzen. Dies gelang im Jahr 2022 erstmals an der US-amerikanischen Forschungseinrichtung NIF. Das benötigte Kernfusionsplasma konnte in einer französischen Forschungseinrichtung mit über 22 Minuten bislang am längsten aufrecht erhalten werden.
- Trotz dieser Forschungserfolge verbrauchen die gesamten Anlagen zur Erhitzung des Plasmas und zur Zündung heute noch deutlich mehr Wärmeenergie als durch die Fusion letztendlich erzeugt wird. Von einem Strom produzierenden Kraftwerk im Regelbetrieb sind wir da noch weit entfernt: Das wird in einem aktuellen Gutachten der Akademie für Technikwissenschaften frühestens in 20 Jahren erwartet, unter massiver Beschleunigung der Umsetzungsschritte und Bündelung von Ressourcen. Da wollen wir eigentlich schon sehr weit sein mit dem Umstieg auf rein Erneuerbare Energien.
- Schub kommt in die Diskussion um die Kernfusion aber aktuell zum einen durch die Politik: Angesichts der multiplen Ener-giekrisen, hoher Energiepreise und wachsender globaler Risiken wäre eine umweltfreundliche, grundlastfähige Energiequelle äußerst willkommen, am besten weitgehend unabhängig von ausländischen Rohstoffen. So hat die Bundesregierung die Kernfusion als eine von sechs Schlüsseltechnologien definiert und will in den nächsten drei Jahren rund 2,4 Milliarden in deren weitere Erforschung stecken. Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung steht, dass in Deutschland das erste Fusionskraftwerk weltweit an den Start gehen soll.
- Der zweite Antrieb sind die weltweit mehr als 45 Start-Ups, die sich mittlerweile mit der Kernfusion beschäftigen. Mit neuen Ideen, großem Elan und mit Fokus auf umsetzbare Technologien konnten Millionenmittel von privaten Investoren angelockt werden. Start-Ups sind flexibler als große staatliche Forschungseinrichtungen und beschreiten bei Misserfolg auch schnell neue Wege. An verwertbaren Ergebnissen müssen es dann auch nicht gleich fertige Kraftwerke sein, sondern auch wichtige Fortschritte z.B. in Magnet-, Laser- oder Materialtechnologien mit vielfältigen anderen Anwendungsmöglichkeiten zählen.
- Vier erfolgversprechende Start-Ups in diesem Bereich kommen aus Deutschland: Proxima Fusion (München) und Gauss Fusion (Hanau) arbeiten mit starken Magnetfeldern um das Plasma einzuschließen. Marvel Fusion (München) und Focused Energy (Darmstadt) nutzen Lasertechnologie. Marvel will bereits Anfang der 30er Jahre einen Prototyp am Laufen haben, mit dem zum ersten Mal die Schwelle zur Energiegewinnung überschritten werden soll. Proxima plant schon konkret bis Anfang der 2030er Jahre für rund 2 Mrd. Euro einen Forschungsreaktor zur Kernfusion. Genauso zielt Focused Energy bis Mitte der 2030er Jahre auf das weltweit erste laserbasierte Fusionskraftwerk am ehemaligen Kernkraftwerksstandort in Biblis. Die Bunderegierung will mit ihrem ‚Aktionsplan Fusion‘ jetzt drei Hubs unterstützen und das Rennen um einen ersten, funktions-fähigen Prototypen in Deutschland ist eröffnet.
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