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NEWSLETTER 7/2026:
Früher war alles besser: Der Faktencheck

Wir leben in krisenhaften Zeiten mit großen Umwälzungen. Häufig werden die laufenden grund-legenden Zukunftsherausforderungen mit den fünf großen D’s beschrieben: Demografie (Überal-terung, Generationengerechtigkeit), Digitalisierung (Chancen und Risiken der KI), Diversität (Individualisierung, Migration), Dekarbonisierung (Umweltbelastung, Klimawandel) und Demo-kratie (Radikalisierung, Autoritarismus). Da erscheint die Vergangenheit oft als Hort der Stabilität und der Zufriedenheit. Woher kommt diese nostalgische Rückschau und hält sie einer kritischen Überprüfung Stand? Ich stelle den größten aktuellen Sorgen die Fakten gegenüber und plädiere für eine generell positivere Grundeinstellung für die Zukunft.

Die Vergangenheit erscheint vielen als besser und lebens-werter. In einer Studie aus dem Jahr 2018 kommt die Bertelsmann Stiftung zu dem Ergebnis, dass eine Mehrheit der europäischen Öffentlichkeit von 67 Prozent denkt, dass die Welt früher ein besserer Ort gewesen sei. Die jüngeren Befragten unter 25 Jahren sind zwar am wenigsten nostal-gisch, aber selbst unter diesen stimmt eine Mehrheit der Aussage zu, früher sei es besser gewesen. In einer YouGov-Umfrage gaben 47% der Befragten an, sie hätten lieber in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelebt. Erstaunlich, das war die Zeit des Kalten Krieges und des Nato-Doppelbeschlusses zur Aufrüstung, der Atom-katastrophe von Tschernobyl, des Waldsterbens und der Entdeckung des Ozonlochs, des Aufkommens von AIDS und der zweiten Ölkrise mit Inflationsraten bis zu 6%, einer schweren Rezession und Arbeitslosenquoten von bis zu 9% in Deutschland.

Woher kommt also dieser nostalgische Blick zurück? Zuerst einmal erinnert sich der Mensch lieber an schöne Erfah-rungen. Durch die Sehnsucht nach etwas Schönem wird die Vergangenheit kognitiv verzerrt und Negatives ausge-blendet (Rosy Retrospection). Besonders in schwierig empfundenen Zeiten wird gerne auf die vermeintlich gute alte Zeit zurückgeblickt. Das wird dann aber auch schnell von Populisten zur Agitation ausgenutzt.

In der Gegenwart werden dann vor allem negative Aspekte wahrgenommen: In der aktuellen Welt des Informations-überflusses und des Dauerbeschusses durch (soziale) Medien dringen eher die Probleme zu uns durch, die laufend wiederholt werden und die zu unserem Weltbild passen. Dadurch entsteht leicht eine große Kluft zwischen

der Realität bzw. den Fakten und unseren Wahrnehmungen und Emotionen. Zudem erscheint die heutige Welt als so komplex und widersprüchlich, dass eine Sehnsucht nach Überschaubarkeit und Sicherheit entsteht.

Da hilft es auch nicht darauf zu verweisen, dass es in der Geschichte schon immer so war, dass die aktuelle Gene-ration meinte, dass es abwärts gehe. Der Verfall der Sitten bei der Jungend war schon in der Antike legendär (heute ist die Jugend eben faul und Lifestyle-orientiert…).

Also schauen wir uns mal lieber die Fakten an zu den As-pekten, welche die Menschen heute am meisten belasten. Gemäß Umfragen zu den größten Sorgen in Deutschland gehört aktuell die Wirtschaftslage zu den Top-Befürchtun-gen, danach kommt immer noch das Themenfeld Zuwan-derung, Kriminalität und Gewalt, gefolgt von Armut, Rente und sozialer Ungerechtigkeit. Abgerutscht in der Wahrneh-mung war gerade die Inflation, genauso wie die Energie-versorgung - vor dem Iran-Krieg. Dafür sind die Sorgen bezüglichen Kriegen und der höheren Verteidigungsan-strengungen gestiegen. Die Themen Klima und Umwelt-schutz haben dagegen klar an Bedeutung verloren.      

Ich versuche den größten Belastungsthemen direkt wich-tige Fakten gegenüberzustellen. Um nicht auszuufern bleibt es häufig bei wenigen Daten. Dabei will ich zukünftige Herausforderungen nicht kleinreden, sondern mehr den Blick auf das bereits erreichte richten. Einige Themen werde ich sicher noch in späteren Ausgaben kritischer behandeln. Die wirtschaftliche Situation klammere ich zudem hier mal aus, da ich die schon in vielen Newslettern ausführlich behandelt habe.

Krisen und Kriege
In der Wahrnehmung vieler leben wir in einem Zeitalter zunehmender Konflikte und Krisen. Im Bereich der Gesund-heit sind wir durch die Corona-Pandemie besonders sensi-bilisiert. Aber auch bezüglich Allergien und psychischer Erkrankungen scheinen die Belastungen erheblich zuge-nommen zu haben. Daneben kommen die kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmend näher. In Europa haben wir abgesehen von den Balkankriegen 1991 bis 2001 seit dem zweiten Weltkrieg keine größeren Konflikte mehr erlebt. Das hat sich mit dem Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 geändert. Dazu kommen jetzt der Kriege im Gaza-Streifen, im Libanon und im Iran. Aber auch der Bürgerkrieg in Syrien, die Konflikte in der Subsahara (Sudan, Somalia, Nigeria, Mali) oder Drogenkriege in Mexiko und Kolumbien dominieren die Medien.

Durch die heutigen technischen Kommunikationsmöglich-keiten werden wir ohne Zeitverzögerung mit allen Krisen und Konflikten weltweit konfrontiert. Die mediale Berichter-stattung hat hier drastisch zugenommen. Alles Spektaku-läre und besonders Schlimme wird in den Vordergrund gestellt. Durch die ständige Präsenz der negativen Nach-richten scheinen wir in einer Welt der "Dauerkrise" zu leben. Dies führt bei vielen Menschen zu einer Überforde-rung, bis zu einer bewussten Vermeidung der Informations-aufnahme. Dadurch wird aber die Gefahr einer verzerrten Wahrnehmung bzw. des Aufsitzens auf bewussten Falsch-meldungen und Propaganda größer.

  • Die Anzahl der kriegerischen Konflikte hat in der Welt über die letzten Jahrhunderte klar zugenommen. In Europa ist Zahl der Konflikte und Kriege dagegen tendenziell von über 100 im gesamten 19. Jahrhun-dert zurückgegangen. Global stieg die Konflikt-häufigkeit seit dem zweiten Weltkrieg allerdings auf bis zu 50 im Jahr (!) stark an. Nur in der Periode nach Ende des Kalten Krieges bis etwa 2013 wurde die Welt vorrübergehend etwas friedlicher. Aktuell sind die kriegerischen Auseinandersetzungen aber wieder auf einem Höhepunkt mit über 60 im Jahr gestiegen. Bezieht man dagegen die Anzahl der Konflikte auf die Größe der Weltbevölkerung, so ergibt sich ein fallender Trend.
  • Zugenommen haben dabei v.a. die innerstaatlichen Konflikte und in den letzten 10 Jahren vor allem jene, in die sich Externe erst eingemischt haben. Daneben sind Kriege in den letzten Jahren zerstörerischer geworden. Die Zahl der Opfer durch kriegerische Auseinandersetzungen erreichte 2022 und 2023 den höchsten Stand seit 30 Jahren. Daneben hat die Gewalt gegen Zivilisten deutlich zugenommen.
  • Im Bereich der Gesundheit bzw. von Pandemien täuscht dagegen die Wahrnehmung. Die Anzahl der Todesfälle durch Pandemien ist stark zurückgegan-gen. Fielen der Spanischen Grippe von 1918-20 noch 50-100 Millionen Menschen zum Opfer, so gab es bisher bis zu 50 Millionen AIDS-Opfer (2,1 Mill. Im Jahr 2004 bis heute nur noch 0,6 Mill. Im Jahr). Bei der Covid- Pandemie geht man von etwa 7 Mill. Todesfällen aus.
  • Der medizinische Fortschritt ist so groß (Antibiotika, Impfungen), dass z.B. die weltweite Kindersterblich-keitsrate (Anteil der Kinder die vor ihrem 5. Geburts-tag sterben) von 59% im Jahr 1900 auf 20% im Jahr 1958 auf heute unter 4% gefallen ist. In Deutschland beträgt die Kindersterblichkeitsrate zuletzt nur noch 0,4 Prozent.
Migration, Stadtbild-Debatte, Kriminalität
Das Thema Migration und Asyl wurde gemäß Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen in den Jahren 2014 bis 2019 und im Jahr 2024 von den Deutschen als das kritischste angesehen. Gemäß einer Umfrage aus 2025 fühlt sich nur noch jeder Zweite in Deutschland sehr oder eher sicher.

Dem Staat entstehen durch Asylsuchende und die spätere Integration hohe Kosten. Im Jahr 2024 waren das 24,2 Mrd. für den Bund (inkl. Fluchtursachenbekämpfung) und 6,7 Mrd. für die Kommunen, wobei davon ein Teil vom Bund kommt. Zum Vergleich: In den Jahren 2016 bis 2021 waren das beim Bund knapp über 20 Mrd., im Hochpunkt 29,7 Mrd. im Jahr 2023. Rund 40% der Kommunen fühlen sich bei der Flüchtlingsaufnahme überlastet, während 58% die Lage als gerade noch machbar einstufen.

Daneben wird eine zunehmende Aggressivität und Radikali-sierung in der Gesellschaft konstatiert. Die Gewaltbereit-schaft im Alltag und die gesellschaftliche Polarisierung nehmen zu. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten hat in Deutschland mit über 84.000 Fällen in 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Der Anteil der Menschen, die für rechtsextreme Ideologien offen sind, ist zwischen 2021 und 2025 von 21,8 auf 29,6% gestiegen.

  • Weit über die Hälfte der Deutschen beurteilen das Zusammenleben und die Integration von Migranten als positiv: Das SVR-Integrationsbarometer liegt im Jahr 2024 bei 66,3, noch über dem Wert aus 2015 mit 65,4 (2017/18: 63,8, 2020/21: 66,5, 2022: 68,5)
  • Durch die zunehmende Überalterung fehlen Arbeits-kräfte die Steuern zahlen und die Sozialversicherun-gen finanzieren. Zuwanderer können diese Lücke schließen, z.B. in der Pflege und in der Gastronomie. Eine jährliche Nettozuwanderung von 300.000 bis 350.00 Personen ist notwendig, um den zu erwar-tenden Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft zu decken.
  • In einer Studie aus dem Jahr 2025 hat der Wirt-schaftsweise Martin Werding ermittelt, dass der wirtschaftliche Nutzen von Migration deren Kosten übersteigt. Auf Dauer bringt jeder Zuwanderer dem Staat im Saldo 7.100 Euro mehr im Jahr durch Steuern und Sozialbeiträge ein, als die anfänglichen Belastungen und Sozialkosten.
  • Das in der ‚Stadtbild‘-Debatte verwendete Umfrage-ergebnis, dass sich 74% aller Frauen in ihrer eige-nen Nachbarschaft nicht sicher fühlen, stammt in Wahrheit aus dem Jahr 1974. In einer aktuellen Umfrage aus dem letzten Jahr fühlen sich dagegen knapp 80% der Befragten im öffentlichen Raum ihrer Wohngegend sicher. Selbst nachts fühlen sich 44% der Frauen sicher.
  • Die tatsächliche Kriminalitätsrate sinkt in Deutsch-land. Wurden im Jahr 2015 noch 7.797 Straftaten pro 100.000 Einwohner polizeilich erfasst, so waren es 2024 mit 6.995 zehn Prozent weniger. Interessant sind die Jahre 2014 bis 2017, in denen die Kriminali-tätsfurcht um 50% stieg, auch im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle. Die tatsächlichen Straftaten nahmen aber in 2017 im Vergleich zum Vorjahr in allen Bereichen stark ab. Das subjektive Sicherheits-empfinden der Bevölkerung hängt damit mehr von der allgemeinen Stimmung und der öffentlichen Berichterstattung ab als von den Fakten. Die Mord-rate z.B. ist in den USA mit ca. 5,76 Fällen pro 100.000 Einwohner um mehr als 6x höher als in Deutschland.

Inflation: Verteuerung von Lebensmitteln, Energie und Mieten

Nach dem großen Inflationsschub von 2021/22, als die Verbraucherpreise in Deutschland um bis zu 8,8% zu Vorjahr gestiegen sind, hat sich die Inflationsrate zwar wieder auf um die 2% eingependelt. Dennoch spüren die Verbraucher immer noch eine hohe Teuerung, v.a. bei häufig nachgefragten Gütern wie Lebensmitteln (siehe Newsletter 25/2025). Die Lebensmittelpreise sind auch tatsächlich seit 2020 bis heute um 37% gestiegen. Der Preisindex für Wohnen, Wasser und Heizung hat sich in diesem Zeitraum dagegen nur um 17,8% erhöht. Von den Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland macht dieser Bereich den Löwenanteil von ca. 38% aus. Für Verkehr werden ca. 12% des Haushaltsbudgets aus-gegeben.

So sorgen sich die Menschen auch vor allem um die Kosten für die Miete bzw. für den Hausbau. Während der Mietindex des Statistischen Bundesamtes seit 2020 nur um 9,7% gestiegen ist, haben sich die Angebotsmieten für die Neuvermietung in diesem Zeitraum um über 25% erhöht. Der Baupreisindex für Wohngebäude ist sogar seit 2020 um 46,2% gestiegen. Damit ist Neubau so teuer geworden, dass im Jahr 2024 nur 252.000 neue Wohnungen fertig-gestellt wurden (im Jahr 2020 waren das noch 306.000 Einheiten). Der Mangel an neuem Wohnraum treibt damit die Mietpreise weiter in die Höhe.

  • Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sind im Zeitraum von 2020 bis 2025 um 29,3% gestiegen. Das ist mehr als die Verbraucherpreis-inflation von 21,9% in diesem Zeitraum. Über alle Güter hinweg haben die Verbraucher damit heute eine höhere Kaufkraft als vor dem Inflationsschub.
  • Verbraucher in Deutschland müssen heute mit 15% von ihrem Einkommen am wenigsten für Lebens-mittel ausgeben, verglichen mit anderen EU-Staaten. Grund dafür sind die hohen Einkommen und das immer noch relativ günstige Preisniveau für Lebens-mittel. Dieses liegt z.B. in der Schweiz um 57% höher als in Deutschland, in Dänemark um 16%, in Frankreich und Österreich um 8% und in Italien noch um 1% über dem deutschen.
  • Auf lange Sicht sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit 1991 um 108% gestiegen, fürs Wohnen inkl. Heinzen um 114%. Dagegen für Ver-kehrsausgaben um 129%. Deutlich weniger erhöht haben sich die Kosten für Freizeit und Unterhaltung mit 49%. Das verfügbare Einkommen ist dagegen in diesem Zeitraum um 175% gestiegen. So müssen Verbraucher seit dem Jahr 2000 nur noch konstant um die 15% ihrer gesamten Konsumausgaben für Lebensmittel aufwenden. Im Jahr 1970 waren das noch 25% ihres Budgets, in 1950 sogar 44%.
  • Der Anteil der reinen Wohnkosten am verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte beträgt heute 24,5%. Das sind weniger als im Jahr 2008 mit 31,8%. Damals musste von den Konsumausgaben mit 25% mehr für Verkehr und Freizeit aufgewendet werden als heute mit 20%.
  • Im Schnitt der Jahr 2001 bis 2025 wurden auch nur 251.000 Wohnungen fertiggestellt, also gar nicht mehr als im Jahr 2024. Nur im Boom 2017 bis 2023 waren es knapp 300.000. Die Zahl der Baugenehmi-gungen hat im Jahr 2025 zum ersten Mal seit 2021 wieder um 10,8% zum Vorjahr zugenommen. Das könnte zumindest ein Hoffnungsschimmer sein, dass wieder mehr Wohnungen gebaut werden. Mehr zur Entwicklung der Hauspreise im Newsletter 24/2025.
Klimawandel, Umweltkatastrophen
Das Thema Umwelt und Klimawandel wurde in den Jahren 2020 bis 2023 von den Deutschen als das größte Problem angesehen. Mittlerweile ist es aber in der Bedeutung stark hinter die aktuellen Kriegsgefahren und die wirtschaftliche Schwäche zurückgefallen.     

Dennoch stellt der Klimawandel unverändert eine akute und weitreichende Bedrohung dar, die bereits jetzt spürbar ist und die Lebensgrundlagen weltweit gefährdet. Die Erder-wärmung führt zu einer Zunahme von Extremwetterereig-nissen, wirtschaftlichen Schäden und sozialen Konflikten. Durch Extremwetter wie Dürren, Hitze und Überschwem-mungen können Ernten vernichten werden und Nahrungs-mittelpreise explodieren. Daneben könnten große Teile der derzeit verfügbaren Ackerbauflächen unbrauchbar werden. Bis 2050 könnte die Zahl der Hungernden um 20 % stei-gen, wobei besonders Regionen in Afrika und Asien betroffen sind. 

Durch die aktuellen Energieengpässe und drastisch gestiegenen Preise werden wie fossile Kapazitäten (wie Kohlekraftwerke) aber länger genutzt oder reaktiviert und die Kernkrafttechnologie erlebt eine Renaissance. Daneben stellt die Verfügbarkeit spezieller Rohstoffe ein erhebliches Hindernis für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien und die Energiewende dar. Besonders bei kritischen Mineralien und Metallen drohen Engpässe, die Produktion, Infrastruktur und E-Mobilität verlangsamen.

  • Auch wenn es großer weiterer Anstrengungen bedarf: Deutschland hat seine Treibhausgas-Emissionen seit 1990 um fast die Hälfte gesenkt. Damit wurde laut Agora Energiewende das Klimaziel 2025 erreicht. Bis ins Jahr 2030 sollen die Treibhaus-gase um 65% im Vergleich zu 1990 reduziert werden.
  • Trotz dichter Besiedlung und intensiver landwirt-schaftlicher Nutzung gelten in Deutschland 65,3% der Fläche als natürlicher Lebensraum (Wälder, Gras-/Buschland, Torfgebiete, Quelle: Our World in Data). Im Jahr 1900 waren das nur 41%. Weltweit sind derzeit etwa 17 Prozent der Landfläche als geschützte Naturgebiete ausgewiesen. Bei den Weltmeeren sind es über 8 Prozent.
  • Die Luftverschmutzung ist immer noch eine der weltweit führenden Todesursachen und verursachte im Jahr 2021 rund 8,1 Millionen vorzeitige Todesfälle. Die Todesrate pro 100.000 Menschen hat sich aber von 180 im Jahr 1990 auf heute nur noch 92 halbiert.
  • Die Anzahl der weltweiten Katastrophen (Hochwas-ser, Erdbeben, Stürme, Hitzewellen, Waldbrände) hat sich entgegen dem Eindruck in den letzten Jahren nicht erhöht: Seit dem Jahr 2000 schwankt die Zahl zwischen 350 und 400, im Jahr 2023 waren es 398. Im Zeitraum 2000–2019 forderten Katastrophen 1,23 Millionen Menschenleben. Die Zahl der Todesopfer durch Naturkatastrophen ist trotz steigender Häufig-keit von Extremwetterereignissen langfristig stark gesunken, um über 97 % in den letzten 100 Jahren. Gründe hierfür sind bessere Vorhersagen und Früh-warnsysteme, Bauweisen und Kommunikation.
  • Auch im Bereich der Landwirtschaft hat es epochale Fortschritte gegeben. Mit ergiebigeren und wider-standsfähigen Nutzpflanzen v.a. Getreidesorten, neuen Düngemethoden und Pflanzenschutzmitteln konnte der Ernteertrag verdrei- bis vervierfacht werden. Trotz Verdopplung der Weltbevölkerung in den letzten 50 Jahren wurde den Anteil der unter-ernähren Menschen von ca. 65% im Jahr 1950 auf unter 10% in den letzten Jahren gedrückt.
Gerechtigkeit, Ungleichheit, weltweite Armut
Die Einkommensverteilung in Deutschland wird als ungleich wahrgenommen: Das oberste Zehntel der Haushalte ver-fügt über mehr als 23 % des Gesamteinkommens, während die untersten 10 % nur 3,2 % erhalten. Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen (Maß für die Un-gleichheit: Null bei Gleichverteilung bis maximal 1,0) betrug in den 1990er Jahren um die 0,25 und ist bis 2005 merklich bis auf 0,29 gestiegen (Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeits-losigkeit). Seither verharrt er relativ stabil zwischen 0,28 und 0,30 (bis auf die Jahre 2018 und 20 mit über 31) und liegen aktuell bei 0,295.

Deutlich ungleicher ist die Vermögensverteilung in Deutschland mit einem Gini-Koeffizienten von 0,68. Die reichsten 10% verfügen über mehr als 60% des Gesamt-vermögens. Die untere Hälfte teilt sich lediglich 1,4% des Gesamtvermögens. Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen (Ungleichheits-)Durchschnitt mit 0,61. Nur in Schweden (0,75) und Tschechien (0,72) sind die Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland.      

Etwa 16,1% der Bevölkerung in Deutschland gelten als armutsgefährdet, d.h. sie haben netto als Alleinstehender im Jahr 2025 weniger zur Verfügung als 1.446 Euro im Monat (für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren sind das 3.036 Euro). Im Jahr zuvor betrug die Armutsgefährdungsquote noch 15,5%.

  • Die Lohnquote in Deutschland (Anteil der Arbeits-entgelte am Volkseinkommen) hat mit 73,4% im Jahr 2024 den höchsten Wert seit 1991 erreicht. In Schnitt der Jahre seit 2000 liegt sie nur bei 69,4%. Eine Verschiebung der Einkommen hin zu den Kapitalein-kommen ist daher nicht zu erkennen.
  • Der Gini-Koeffizient im Schnitt der EU-27 Länder liegt mit 0,294 genau auf deutschem Niveau. Glei-cher ist die Einkommensverteilung z.B. in Schweden mit 0,27, ungleicher aber in vielen Ländern wie Frankreich (0,30), Spanien (0,31) oder Italien (0,32). Auch in der Schweiz mit 0,32, Großbritannien (0,33) und erst recht den USA mit 0,49 sind die Einkommen deutlich ungleicher verteilt als ins Deutschland.
  • Ein Grund für hohe Vermögensungleichheit in Deutschland ist unter anderem, dass Vermögens-bestandteile wie Ansprüche aus der gesetzlichen Rente nicht berücksichtigt werden wie in Ländern mit einer hohen privaten Altersvorsorge. Bereinigt um diesen Effekt beträgt der Gini-Koeffizient in Deutsch-land unter 0,60. Dennoch ist die Substanz und Rechtfertigung für eine höhe Erbschaftssteuer oder gar (einmalige) Vermögensabgabe ohne weiteres gegeben und sollte auch unter Gerechtigkeits-aspekten unbedingt angegangen werden.
  • Die Armutsquote in Deutschland bewegt sich seit Jahren seitwärts um die 15-16%. Und das trotz steigender Sozialleistungen, die seit 1990 um 328% gestiegen sind. Da sich das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum nur um 231% erhöht hat, ist die Sozialleistungsquote von 24,1 auf 31,1% gestiegen. Mit diesem Geld hätte man eigentlich mehr erreichen müssen. Im globalen Maßstab sieht man, welche Erfolge man erzielen kann: Gab es im Jahr 1990 noch 2 Milliarden Menschen (38,0% der Weltbe-völkerung) die in extremer Armut leben müssen (Weltbank, weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag in Kaufkraft umgerechnet), so waren es im Jahr 2010 nur noch 1,1 Mrd. (16,3%) und im letzten Jahr 0,7 Milliarden. Das sind 8,3% der stark gewachsenen Weltbevölkerung und damit 30 Prozentpunkte weniger als 1990.
Fazit:

Insgesamt betrachtet hat die Welt trotz der vielen Krisen und Rückschläge im Vergleich zu vergangenen Zeiten enorme Fortschritte gemacht. So ist unsere Lebenserwartung heute zum Beispiel doppelt so hoch wie vor 150 Jahren. Dass wir älter werden hat viele Gründe: Menschen können sich besser ernähren, der Arbeitsschutz ist sehr viel besser geworden, die Arbeitszeit hat sich in den letzten 100 Jahren halbiert und die Bildung hat sich deutlich verbessert. Und natürlich ist der medizinische Fortschritt enorm. Daneben können heute vier von fünf Menschen auf der Welt lesen und schreiben. Die Alphabetisierungsrate beträgt im globalen Mittel 85%, 1960 lag sie noch bei 60%.

Nicht zu vergessen, dass es dabei heute über 8 Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Die Weltbevölkerung hat sich seit 1950 mehr als verdreifacht. Die Anzahl der unterernährten Menschen betrug im Jahr 1950 mit etwa 1,6 Milliarden nahezu 70% der damaligen Weltbevölkerung! Heute sind es immer noch 673 Millionen, was aber nur noch 8% der Menschen entspricht. Die Kindersterblichkeit war daneben 1950 fünfmal so hoch wie heute.

Objektiv betrachtet leben wir in einer viel besseren Welt als zu jeden anderen Zeitpunkt der Geschichte. Auch bei Themen die noch nicht zufriedenstellend gelöst sind wie z.B. die Gleichstellung gab es große Fortschritte. So durften Frauen in Deutschland bis in die 1970er Jahre ohne Erlaubnis des Ehemannes kein eigenes Konto eröffnen oder arbeiten. Heute sind 77% der Frauen erwerbstätig und 55% der Abiturienten sind weiblich. Auch beim Umweltschutz sind die bereits erzielten Fortschritte erheblich: In Europa konnten die Treibhausgasemissionen seit 1990 und 37% gesenkt werden und weltweit wurden 2024 bereits 40% der wachsenden Stromnachfrage aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen.

Friedlicher scheinen die Menschen zwar nicht zu werden und auch unsere Freiheit und liberale Demokratie muss verteidigt werden. Ein positiver Blick auf die Zukunft ist dennoch gerechtfertigt. In allen Bereichen werden so rasant Fortschritte erzielt, dass viele Probleme gelöst werden können. Zum Glück ist der Mensch so erfindungsreich und innovativ. Eine optimistische Grundeinstellung ist auch gut für die eigene Gesundheit. In einer Studie die im Januar in Nature Medicine erschienen ist wird gezeigt, dass positive Erwartungen nicht nur die Motivation erhöhen. Sie stärken auch die Immunabwehr deutlich messbar. Also sind wir bitte etwas positiver.

Hinweise: 

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