Die Einkommensverteilung in Deutschland wird als ungleich wahrgenommen: Das oberste Zehntel der Haushalte ver-fügt über mehr als 23 % des Gesamteinkommens, während die untersten 10 % nur 3,2 % erhalten. Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen (Maß für die Un-gleichheit: Null bei Gleichverteilung bis maximal 1,0) betrug in den 1990er Jahren um die 0,25 und ist bis 2005 merklich bis auf 0,29 gestiegen (Wirtschaftskrisen mit hoher Arbeits-losigkeit). Seither verharrt er relativ stabil zwischen 0,28 und 0,30 (bis auf die Jahre 2018 und 20 mit über 31) und liegen aktuell bei 0,295.
Deutlich ungleicher ist die Vermögensverteilung in Deutschland mit einem Gini-Koeffizienten von 0,68. Die reichsten 10% verfügen über mehr als 60% des Gesamt-vermögens. Die untere Hälfte teilt sich lediglich 1,4% des Gesamtvermögens. Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen (Ungleichheits-)Durchschnitt mit 0,61. Nur in Schweden (0,75) und Tschechien (0,72) sind die Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland.
Etwa 16,1% der Bevölkerung in Deutschland gelten als armutsgefährdet, d.h. sie haben netto als Alleinstehender im Jahr 2025 weniger zur Verfügung als 1.446 Euro im Monat (für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren sind das 3.036 Euro). Im Jahr zuvor betrug die Armutsgefährdungsquote noch 15,5%.
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- Die Lohnquote in Deutschland (Anteil der Arbeits-entgelte am Volkseinkommen) hat mit 73,4% im Jahr 2024 den höchsten Wert seit 1991 erreicht. In Schnitt der Jahre seit 2000 liegt sie nur bei 69,4%. Eine Verschiebung der Einkommen hin zu den Kapitalein-kommen ist daher nicht zu erkennen.
- Der Gini-Koeffizient im Schnitt der EU-27 Länder liegt mit 0,294 genau auf deutschem Niveau. Glei-cher ist die Einkommensverteilung z.B. in Schweden mit 0,27, ungleicher aber in vielen Ländern wie Frankreich (0,30), Spanien (0,31) oder Italien (0,32). Auch in der Schweiz mit 0,32, Großbritannien (0,33) und erst recht den USA mit 0,49 sind die Einkommen deutlich ungleicher verteilt als ins Deutschland.
- Ein Grund für hohe Vermögensungleichheit in Deutschland ist unter anderem, dass Vermögens-bestandteile wie Ansprüche aus der gesetzlichen Rente nicht berücksichtigt werden wie in Ländern mit einer hohen privaten Altersvorsorge. Bereinigt um diesen Effekt beträgt der Gini-Koeffizient in Deutsch-land unter 0,60. Dennoch ist die Substanz und Rechtfertigung für eine höhe Erbschaftssteuer oder gar (einmalige) Vermögensabgabe ohne weiteres gegeben und sollte auch unter Gerechtigkeits-aspekten unbedingt angegangen werden.
- Die Armutsquote in Deutschland bewegt sich seit Jahren seitwärts um die 15-16%. Und das trotz steigender Sozialleistungen, die seit 1990 um 328% gestiegen sind. Da sich das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum nur um 231% erhöht hat, ist die Sozialleistungsquote von 24,1 auf 31,1% gestiegen. Mit diesem Geld hätte man eigentlich mehr erreichen müssen. Im globalen Maßstab sieht man, welche Erfolge man erzielen kann: Gab es im Jahr 1990 noch 2 Milliarden Menschen (38,0% der Weltbe-völkerung) die in extremer Armut leben müssen (Weltbank, weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag in Kaufkraft umgerechnet), so waren es im Jahr 2010 nur noch 1,1 Mrd. (16,3%) und im letzten Jahr 0,7 Milliarden. Das sind 8,3% der stark gewachsenen Weltbevölkerung und damit 30 Prozentpunkte weniger als 1990.
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