Eigentlich sind auch Aktienanlagen auf lange Sicht ‚sicher‘: Es hat in Deutschland historisch nie länger als 15 Jahre gedauert, bis eine breit gestreute Aktienanlage z.B. im DAX selbst nach einem extrem ungünstigen Einstiegszeitpunkt wieder im Plus lag. Aber darauf lässt sich der Gesetzgeber nicht ein, sondern verlangt eine explizite Kapitalgarantie, die mit teurem Eigenkapital durch die Anbieter unterlegt werden muss.
Zu Beginn war die Riester-Rente auch ohne weiteres er-folgreich was den Absatz betrifft: Bis ins Jahr 2007 wurden immerhin über 10 Millionen Verträge abgeschlossen. Der Hochpunkt wurde im Jahr 2017 mit 16,6 Mill. laufenden Verträgen erzielt. Davon waren 66% Riester-Verträge bei Versicherungen, 19% liefen über Fondsgesellschaften, 11% Prozent bei Bausparkassen und 4% bei Banken. Mit der extremen Niedrigzinsphase und der immer stärker aufkom-menden Kritik an dem Produkt, insbesondere an der Kostenbelastung, ging das Interesse an der Rieser-Rente dann aber stark zurück.
Im Jahr 2024 gab es nur noch knapp 15 Mill. laufende Verträge und es wurden gerade mal 30.400 neue Riester-Rentenversicherungen abgeschlossen. Der Rückgang bei den Versicherungsverträgen war damit auch mit minus 10,3% am größten unter den Durchführungswegen. Viele Anbieter stellten ihr Angebot auch ganz ein, da durch die niedrigen Zinsen die Beitragsgarantie wirtschaftlich nicht mehr darstellbar war.
Von den ursprünglich laufenden Verträgen wurden in der Zwischenzeit zudem bereits mehr als ein Viertel vorzeitig gekündigt. Und in den aktuellen Zahlen sind auch die Riester-Verträge enthalten, die gar nicht mehr bespart werden. So beläuft sich die Zahl der im Jahr 2024 noch geförderten Verträge gerade mal auf 10,2 Millionen (bei 9,8 Millionen geförderten Personen). Mit ein Hauptgrund hierfür sind die hohen Kosten: Eine Auswertung von Finanzwende kam 2020 zu dem Ergebnis, dass die sich bei einem durch-schnittlichen Riester-Vertrag nahezu auf ein Viertel der Bei-träge belaufen. Spitzenreiter sind hier die Versicherer mit bis zu 36-38% Kostenbelastung (Alte Leipziger, Generali, Provinzial, Stuttgarter). Die Angebote der Fondsgesell-schaften sind mit Kosten von im Schnitt knapp über 21% an den Beiträgen nur etwas günstiger. Die DWS und die Deka haben ihr Neugeschäft auch in den Jahren 2021/22 ganz eingestellt.
Noch ein paar allgemeine Zahlen für das Jahr 2023 (Bun-desministerium der Finanzen: Statistik zur privaten Alters-vorsorge, 16.05.2025): Im Schnitt wurde von den Riester-Sparern 876 Euro an eigenen Beiträgen geleistet. Vom
|
|
Staat gab es dafür Zuschüsse in diesem Jahr in Höhe von 359 Euro (127 Euro Grundzulage, 135 Euro Kinderzulage, 97 Euro Steuerentlastung, also 29,9% Zulangen auf den Eigenbeitrag). Insgesamt wurden 58,4% Frauen gefördert, davon 83% mit Kinderzulage. Unter den geförderten Per-sonen hatten 72,7% ein Jahreseinkommen bis unter 50 T€. In der Auszahlungsphase befanden sich bereits 1,17 Mill. Verträge die insgesamt 1,91 Mrd. an Leistungen erhielten, also im Schnitt 1.637 Euro im Jahr 2023. Das Verhältnis (jährlich 876€ eigene Leistungen gegen 1.637€ Auszahlun-gen bis ans Lebensebene) erscheint attraktiv, allerdings lassen sich daraus keine Schlüsse auf die individuelle Rendite ziehen. Insgesamt hat der Staat von 2002 bis 2023 die Riester-Rente mit Zuschüssen in Höhe von 63,0 Mrd. Euro gefördert (ohne Steuererleichterungen).
Jetzt aber zu meinen Erfahrungen. Ich habe im Jahr 2002 bei der Union-Investment die UniProfiRente abgeschlos-sen, ein Fondssparplan mit flexibler Aktienquote durch Anlage in einen globalen Aktienfonds. Insgesamt habe ich bis 12/2025 in den Vertrag 42.143 Euro eingezahlt, das Maximum der förderbaren Beiträge. Vom Staat kamen dazu Zulagen in Höhe von 3.221 Euro (macht nur 7,6% meines Eigenbeitrags aus, die Kinderzulage geht allein in den Riester-Vertrag meiner Frau).
Per 31.12.2025 hat sich daraus ein Fondsvermögen von 112.151 Euro entwickelt. Das sieht schon mal nach einer ordentlichen Rendite von 6,38% p.a. für mich aus (trotz der bereits enthaltenen Kosten von 1,45% p.a.). Berücksichtigt man auch die staatlichen Beiträge, so macht die reine Anlagerendite 5,93% aus: Bei einer jährlichen Inflation von 2,48% im Schnitt der Jahre 2002 bis 2025 recht ansehnlich.
Erzielt wurde diese Wertentwicklung, indem das Riester-Vermögen durchweg mit einer hohen Aktienquote investiert war (im Minimum zu 94%). Das ist natürlich der Knackpunkt der positiven Entwicklung: Wenn es zeitnah zu Beginn ei-nes Vertrages zu hohen Verlusten am Aktienmarkt kommt, so muss das Fondsmanagement das Vermögen weitge-hend in risikoarme Anlagen wie Rentenfonds umschichten, um die Kapitalgarantie aufs Vertragsende gewährleisten zu können. Damit geht ein Großteil der Renditechancen ver-loren. (Um dem zu entgehen, hat die Union im Jahr 2017 auf eigenes Risiko eine garantierte Aktienquote für die UniProfiRente von mindestens 30% eingeführt). Das konnte bei mir wohl noch gerade so vermieden werden, obwohl der Aktienfonds Anfang 2003 bis zu 14,9% an Wert eingebüßt hat. Der große Einbruch mit über 40% Verlusten in der Weltfinanzkrise kam erst 2008/09, als mein Fondsvermö-gen schon genug Reserven aufgebaut hatte, um die Ver-luste ohne Gefährdung der Kapitalgarantie abzufedern.
|
|
|
|