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NEWSLETTER 1/2026:
In welchem Land wollen wir lieber leben? USA und Deutschland im graphischen Vergleich

Zum Auftakt des Neuen Jahres mal eine etwas andere Newsletter Form: Weniger Text dafür mehr Grafiken. Das optische macht es uns häufig leichter, Größenunterschiede wahrzunehmen. Daher habe ich mich mal an Kacheldiagrammen versucht. Verglichen habe ich Deutschland mit den USA, anhand von volkswirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen und sozialen Kenngrößen. Viel kommentieren will ich dabei nicht. Im Gesamtergebnis spricht aber einiges für Deutschland: In einer Studie von Jan Priewe, 2024, Comparing living and working conditions - Germany outperforms the United States, IMK Study Nr. 91 (erschienen auch im Wirtschaftsdienst 06/2024) wird dieser Vergleich sehr ausführlich vorgenommen. Mit einem Ergebnis von 23 zu 6 Punkten zugunsten von Deutschland!

Normiert man die verschiedenen volkswirtschaftlichen Kenngrößen auf das jeweilige BIP, so kommen die Größen-verhältnisse der ersten Abbildung heraus. Das private Geldvermögen in den USA (Faktor 4,4 zum US-BIP) ist damit in Relation zum BIP 2,1 mal so groß wie in Deutsch-land. Beim Staatsdefizit erkennt man die bekannte Relation in den USA mit 122% zum BIP (2023) zu Deutschland mit 0,64% am BIP. Überraschend dagegen die privaten Kon-sumausgaben, die sind in den USA in Relation zum BIP gerade mal 1,28 mal so groß wie in Deutschland. Das erklärt sich damit, dass das US-BIP über sechsmal so groß 

ist wie das deutsche BIP. Bei der privaten Ersparnis (Ver-hältnis 1 : 1,5 USA zu D) erkennt man schon eher das erwartete Ergebnis, dass in den USA weniger gespart statt konsumiert wird. Sehr schön wird an der Größendarstellung auch die unterschiedliche Bedeutung des Außenhandels für die beiden Länder deutlich. Die USA importieren zwar 1,25 mal so viel wie sie exportieren. Am gesamten BIP hat der US-Export aber nur einen Anteil von 9,1%. In Deutschland ist umgekehrt der Export 1,1 mal so groß wie der Import, hat aber einen Anteil von 48,2% am deutschen BIP!

Die gleichen Kenngrößen habe ich in der zweiten Abbildung auf die Bevölkerungsanzahl bezogen (jeweils in US-Dollar). Hier wird auch deutlich, dass die USA pro Kopf ein 1,5 mal so großes BIP erwirtschaften wie die Deutschen. Das Geldvermögen pro Einwohner fällt daneben mit dem Faktor 3,2 noch stärker zugunsten der USA aus. Für die US-Be-völkerung beträgt aber auch die Staatsverschuldung mit 100.000 USD pro Kopf deutlich mehr als für die Deutschen mit 34.000 USD. Hier kommt auch klar zur Geltung, dass die US-Amerikaner doppelt so viel konsumieren (und fast doppelt so viel für ihre Gesundheit ausgeben) wie die
Deutschen. Die private Ersparnis pro Kopf unterscheidet sich dagegen kaum. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Amerikaner volkswirtschaftlich im Vergleich zu ihrem BIP zwar weniger sparen und mehr pro Kopf konsumieren bzw. für das teure Gesundheitssystem ausgeben. Dass sich das aber nicht negativ auf ihre Vermögensbildung ausgewirkt hat. Das Geldvermögen ist ungleich größer als in Deutsch-land (Gründe: keine Enteignung durch Währungsreformen/ Kriege, stärker wachsende Wirtschaft, andere Vermögens-bildung zur privaten Altersvorsorge über Aktien etc.).        

Ein drittes Kacheldiagramm zur Frage des Bundeshaus-halts und wieviel davon für Sozialausgaben bzw. für die Verteidigung ausgegeben wird, hier nur in der Version pro Einwohner. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung fällt auf, dass der Bundeshaushalt in den USA einen Anteil von 22% am US-BIP hat, in Deutschland sind das nur 11% (?). Das erklärt sich dardurch, dass in Deutschland die Länder und Gemeindehaushalte noch mal das 1,5 fache des reinen Bundeshaushalts benötigen. Alle öffentlichen Haushalte zusammen (inkl. der Sozialversicherungen) machen dagegen knapp 50% des deutschen BIP aus (Staatsquote). In den USA betragen alle staatlichen Ausgaben zusammen 

nur 39% des US-BIP. Diesen Unterschied sieht man auch, wen man sich nur die staatlichen Sozialleistungen ansieht: Die machen in Deutschland 47% des Bundeshaushalts aus. In den USA sind es dagegen nur 17% des Bundesbud-gets. Die gesamten Sozialausgaben (inkl. der privaten) übersteigen dann aber in den USA mit 25.000 USD pro Kopf und Jahr die deutschen mit 17.500 USD deutlich. Das ist der Hauptunterschied der Sozialsysteme: In den USA wird viel weniger staatlich versichert bzw. vorgesorgt als privat. Im Unterschied zu den Militärausgaben, bei denen die USA pro Kopf fast genauso viel vom Bundeshaushalt ausgeben (2023) wie fürs Soziale!

Noch ein paar andere prozentuale Kenngrößen im Ver-gleich. Bei der Armutsquote und der Einkommensverteilung kommt die USA deutlich schlechter weg als Deutschland (was auch der signifikant höhere Gini-Koeffizient zur Ungleichheit des Verfügbaren Einkommens zeigt). Generell fallen die Sozialkennziffern wie zu erwarten für Deutschland merklich besser aus. Bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf geben die Amerikaner 59% mehr aus als die Deut-schen. Das ist aber nicht unbedingt ein Zeichen besserer Gesundheit(svorsorge) in den USA. Die Gesundheitskosten sind in den USA eher viel höher als in Deutschland, für Medikamente aber auch für den Arztbesuch. Die Lebens-
erwartung der Amerikaner ist trotzdem um 2 Jahre geringer 

als die der Deutschen (und in Deutschland gibt es bezogen auf die Bevölkerung 2,8 mal so viele Krankenhausbetten). Ob dies (neben der ungesünderen Ernährung) daran liegt, dass hierzulande 35% weniger im Jahr gearbeitet wird als in den Staaten? Oder auch daran, dass viele in den USA keine Krankenversicherung haben und gerade mal in 2% ihrer Arbeitszeit krankheitsbedingt fehlen können (die Deutschen bleiben in 6,8% der Arbeitstage krank zu Hause). Ob die deutlich höhere Suizid- und Mordrate in Amerika (achtmal so hoch wie in D) statistisch signifikant auch zu der geringeren Lebenserwartung dort beiträgt, habe ich nicht analysiert...

Quelle: Priewe, Jan (2024): Comparing living and working conditions - Germany outperforms the United States,
IMK Study Nr. 91
Das Gesamtergebnis ist also eindeutig. Nur beim Einkommen bzw. BIP pro Kopf, bei den Bildungsausgaben und bei den Konsummöglichkeiten liegen die USA vorne. Was nützen die höheren US-Gehälter, wenn man einen Großteil des Einkommens für teure Krankenversicherungen bzw. Gesundheitskosten, die Hochschulausbildung des Nachwuchses und qualitativ schlechtes Essen ausgeben muss, weniger Freizeit hat und am Ende auch noch früher stirbt? In der Gesamtschau gebe ich hier noch das tabellarische Ergebnis der Studie von Jan Priewe wieder, der zu einem Verhältnis von 23 zu 6 gewichteten Punkten pro Deutschland kommt. In welchem Land möchten wir lieber leben?
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