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NEWSLETTER 26/2025:

Der digitale Euro soll kommen, mit einigem Bauchgrimmen

Der EU-Rat hat diese Woche den Weg für die Einführung des digitalen Euro im Jahr 2029 frei gemacht. Die Trilog-Verhandlungen mit dem EU-Parlament müssen aber noch geführt und die finalen Entscheidungen getroffen werden, damit die EZB das Pilotprojekt starten kann. Für den digitalen Euro (eEuro) soll dann wie für das Bargeld ein Annahmezwang eingeführt, das Bargeld aber nicht ersetzt werden. Das befürchten allerdings Kritiker des Vorhabens. Sie warnen vor einer totalen Überwachungsmöglichkeit durch die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Banken dagegen sorgen sich um die hohen Sichteinlagen der Kunden, mit denen sie einen guten Teil ihrer derzeitigen Zinsmarge verdienen. Diese könnten in direkte Guthaben bei der Zentralbank abwandern. Daher soll das eEuro-Wallet auch auf voraussichtlich 3 T€ begrenzt werden. Was spricht also für die Einführung des digitalen Euro und was soll damit bezweckt werden?

Der digitale Euro (eEuro) ist ein von der EZB im Jahr 2021 beschlossenes Projekt zur möglichen Einführung eines direkt bei der Notenbank geführten Zentralbankgeldes. Es soll eine kostenfreie Zahlungsmöglichkeit bieten, die sowohl online als auch offline funktioniert. Wie für das Euro-Bargeld soll ein Annahmezwang gelten, der digitale Euro damit quasi als Zwilling des Bargelds fungieren, ohne es zu ersetzen. Die Hauptmotivation hinter dem Vorhaben liegt in der Befürchtung, dass durch die mannigfaltigen Ansätze zur Schaffung von privatem Geld (z.B. das gescheiterte Libra-Projekt von Facebook oder die bereits vielfältig entstandenen Kryptowährungen und Stablecoins), die Wirksamkeit der Geldpolitik und das alleinige Geld-ausgabemonopol bedroht sein könnte. Zudem besteht die politische Zielsetzung, gegen die großen und dominieren-den Zahlungssysteme aus Amerika (Paypal, US-Kredit-kartenfirmen) eine europäische Alternative zu schaffen.

Zunächst muss der eEuro von den anderen digitalen Geldformen abgegrenzt werden. Bereits heute besteht mit dem elektronischen Giralgeld eine Form von digitalem Zahlungsmittel. Über die Guthaben auf unseren Girokonten über 1,8 Billionen Euro im 2. Quartal 2025 können wir laufend verfügen und mit ihnen jederzeit unsere Forderun-gen per Überweisung begleichen. Das Bargeld der privaten Haushalte in Deutschland betrug dagegen zum gleichen Zeitpunkt ‚nur‘ 493 Mrd. Euro. Das verfügbare Geld ist daher schon heute mehr als das reine Bargeld: Im gesam-ten Eurosystem beträgt die Geldmenge 11,0 Billionen Euro in der Abgrenzung M1, bestehend aus 1,5 Bill. Bargeld und 9,4 Bill. täglich fälligen Einlagen. Das Giralgeld entsteht und wird nur unter Einbeziehung des Banksystems nutzbar. Erst durch Abhebung kann es in Bargeld umgewandelt werden. 

Der geplante digitale Euro soll dagegen direkt ohne Mitwirkung von Banken nutzbar sein.

Obwohl das Libra-Projekt von Facebook zur Schaffung eines privaten Zahlungsmittels gescheitet ist, sind in den letzten Jahren zahlreiche Formen von digitalem Pseudo-geld geschaffen worden. Zunächst einmal die geschätzt über 20.000 Kryptowährungen mit seinem wichtigsten Vertreter dem Bitcoin. Diese vollkommen private ‚Währung‘ wird über komplizierte Computerberechnungen erzeugt (‚geschürft‘) und ist im Gesamtvolumen strikt auf 21 Mill. begrenzt. Durch diese Knappheitseigenschaft soll eine gewisse Wertstabilität gewährleistet und eine Alternative zum staatlichen ‚Fiat‘-Geldsystem geschaffen werden (lat. fiat = ‚es werde‘, für staatlich geschaffenes Geld ohne Deckung durch einen physischen Rohstoff wie z.B. Gold).

Für den ursprünglich bezweckten Zahlungsverkehr hat sich der Bitcoin allerdings als nicht geeignet erwiesen. Dafür sind die Transaktionskosten und der umweltbelastende Stromverbrauch viel zu hoch. Daneben schwankt der Wert des Bitcoins enorm. Betrug der Bitcoin-Kurs am 01.01.2020 um die 7.000 USD so lag er im November 2021 schon bei über 67.000 USD, um dann erst wieder auf 20.000 USD zurückzufallen. Zum bisherigen Höchstkurs am 06.10.2025 bei 125.000 USD entspricht das einer Marktkapitalisierung der maximalen Bitcoin-Menge von 2,6 Billionen USD (zum Vergleich: das gesamte auf der Welt derzeit verfügbare Gold hat einen derzeitigen Marktwert von über 30 Bill. USD). Daher wird der Bitcoin heute auch eher als Anlage-form gesehen, die zwar stark im Wert schwankt, aber aufgrund ihrer künstlichen Knappheit zur Werterhaltung als Goldersatz dient – sofern genug Menschen daran glauben.

Eine andere Form von digitalem Geldersatz sind Stable-coins (der Libra sollte auch so etwas werden). Stablecoins sind digitale Zahlungsmittel die eine klassische Währung wie den US-Dollar eins zu eins nachbilden und technisch über eine Blockchain fälschungssicher sein sollen. Um diese Bindung zu gewährleisten, halten die Herausgeber des Stablecoin den Basiswert in ‚sicheren‘ Assets, z.B. in Form von USD-Staatsanleihen. Das birgt dann aber immer auch das Risiko, dass die Deckung durch Wertverluste nicht mehr ganz ausreicht. So ist z.B. der Herausgeber Luna mit seinem Stablecoin Terra 2022 pleite gegangen. Das kann heute trotz jüngster Regulierung in den USA durch den Genius-Act wieder passieren, wenn der Markt für US-Staatsanleihen unter Druck gerät. Dennoch boomen Stablecoins v.a. in den USA, wo jetzt auch Handelsfirmen wie Amazon und Walmart ihren eigenen Coin herausgeben wollen.

Der Nutzen von Stablecoins liegt in seiner einfachen Ver-wendung und Programmierbarkeit im digitalen Zahlungs-verkehr, z.B. auch im Tausch mit Kryptowährungen. Der Grund warum die US-Regierung Stablecoins oder auch generell Kryptowährungen unterstützen ist aber ein ande-rer. Durch die erzwungene Deckung durch Staatsanleihen bewirken Stablecoins nichts anderes als unkontrollierte Geldschöpfung durch die Hintertür. Werden Stablecoins zunehmend im Zahlungsverkehr eingesetzt, so müssen die Herausgeber immer mehr US-Staatsanleihen kaufen und erhöhen damit die Geldmenge. So wird das Verbot der direkten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse elegant ausgehebelt (und die Macht der FED nebenbei beschnit-ten). Die europäische Zentralbank hat sich daher auch klar gegen Stablecoins ausgesprochen. Der andere Grund für die Unterstützung der Trump-Regierung ist der, dass sich privat mit der Herausgabe eigener Trump-Kryptos und Stablecoins gut Geld verdienen lässt...

Durch diese Abgrenzung wird schon deutlich, dass der ge-plante digitale Euro vor allem auch als Abwehr der Gefah-ren einer Flut an privaten Digitalwährungen intendiert ist.

Auf Basis eines ersten Konzepts erhielt die EZB von der EU-Kommission im Jahr 2023 den Auftrag für eine eEuro-Vorbereitungsphase. Diese ist jetzt abgeschlossen und es wurde der Entwurf für ein Regelwerk zum digitalen Euro ausgearbeitet und bereits Anbieter für erste technische Realisierungen ausgewählt. Sofern die entsprechenden Gesetze vom EU-Parlament in 2026 beschlossen werden, ist eine flächendeckende Einführung des eEuros im Jahr 2029 geplant. Es regen sich aber gerade von EU-Parla-mentariern auch Bedenken bezüglich des Vorhabens.

Von der EZB ist geplant, dass die Bürger zum ersten Mal direkt bei der Zentralbank Guthaben in Form des eEuros unterhalten können. Das bringt natürlich einen erheblichen Aufwand für die EZB mit sich. Mit diesem Guthaben sollen die Verbraucher online aber auch offline direkt bezahlen können. Das soll von Seiten der EZB weder dem Käufer noch dem Händler etwas kosten. Für diesen besteht aller-dings Annahmezwang, d.h. der eEuro ist dem Bargeld gleichgestellt. Für den Verbraucher soll es dagegen keine Vorgaben geben, er kann weiterhin auch mit Bargeld oder mit elektronischem Giralgeld bezahlen.

Der Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ist auch in Deutschland eindeutig: Im Jahr 2024 wurden nur noch 33,8% der Umsätze im stationären Handel bar getätigt und 6,2% per Lastschrift. Der Rest erfolgte unbar über Girokarte (41,5%) oder Kredit-/Debitkarte (15,2%). Bei der techni-schen Abwicklung der unbaren Bezahlprozesse wird bereits bei 12,9% der Transaktionen die mobile Variante mit Smart-phone z.B. über Apple Pay oder Google Pay eingesetzt. Im Online Handel dominiert dagegen Paypal mit einem Markt-anteil von 28,5% in 2024, noch vor dem Kauf auf Rechnung mit 25,8%, der Lastschrift mit 17,3% und der Kreditkarte mit 12,3%. Das Ziel der EZB, den Zahlungsverkehr einfacher und kostengünstiger zu machen, erfolgt damit offensichtlich auch vor dem Hintergrund des Wettbewerbsdrucks der großen, überwiegend US-amerikanischen Zahlungsver-kehrsanbieter und Kreditkartenunternehmen. Die strate-gische Autonomie von Europa soll daher mit dem eEuro gestärkt werden.

Ein weiteres Ziel der EZB/EU besteht darin, den digitalen Zahlungsverkehr auch Menschen mit schwacher Bonität zugänglich zu machen, die z.B. kein Bankkonto haben. Aus diesem Grund wird auch eine Wallet-Lösung aus Guthaben direkt bei der Zentralbank vorgeschlagen, die unabhängig von Banken aufgeladen werden kann. Das macht das Verfahren aber umständlich (die Ansätze von Banken mit aufladbaren Geldkarten wurden nie richtig angenommen). Einfacher wäre die direkte Verbindung mit dem Girokonto, indem im Bezahlvorgang mit dem eEuro unmittelbar eine Verrechnung mit dem Bankguthaben erfolgt.

Damit ist der entscheidende Punkt angesprochen, der am meisten aus Sicht der Finanzmarktstabilität für Kritik am eEuro-Projekt sorgt. Da die Verbraucher ihr Wallet bei der EZB vorab aufladen müssen, fürchten die Banken einen Abzug hoher Summen an Sichteinlagen bei ihnen. Gerade in Krisenzeiten könnten viele in das vermeintlich sicherste digitale Zentralbankgeld umschichten (zumal das Konto bei der Zentralbank ja kostenlos sein soll) und damit die Liqui-dität der Geschäftsbanken gefährden. Um dieses Risiko zu begrenzen ist auch eine Halteobergrenze für das Zentral-bankguthaben der Privaten für den eEuro vorgesehen, diskutiert werden bis zu 3.000 EUR.

Selbst mit dieser Obergrenze kommen Studien zu dem Ergebnis, dass die zu erwartenden Umschichtungen im gesamten Euro-Gebiet einen Umfang von über 1 Billion Euro ausmachen könnten. Das hätte erhebliche Auswir-kungen auf die Geschäftsbanken, die damit einen Teil ihrer kostengünstigen (i.d.R. zu Null verzinsten) Refinanzie-

rungsquelle verlieren würden und damit Ertragseinbußen von geschätzt um die 40 Mrd. zu verzeichnen hätten. Ordnungspolitisch ist das schon auch bedenklich, dass die Zentralbank den Banken auf diese Weise Konkurrenz machen und damit deren Rolle als Intermediäre beschnei-den würde. Die Banken verweisen daneben auf die hohen technischen Kosten einer eEuro-Einführung und auf ihr privatwirtschaftliches WERO-Projekt, das im E-Commerce endlich den Durchbruch bringen soll. Allerdings machen bei WERO bislang nur Banken aus 5 EU-Ländern mit.

Brauchen wie also überhaupt den digitalen Euro und würde er von den Verbrauchern auch genutzt, wenn es bereits genügend Angebote im elektronischen Zahlungsverkehr gibt und mit WERO bald noch eine dazu kommt? Die Bundesbank hat hierzu im letzten Jahr eine forsa-Umfrage beauftragt mit dem Ergebnis, dass sich die Hälfte der Befragten grundsätzlich vorstellen kann, einen digitalen Euro als zusätzliche Bezahloption zu nutzen. Mehr als drei Viertel der Befragten war aber bei der Verwendung des eEuro der Schutz ihrer Privatsphäre besonders wichtig. So befürworten auch 59% die geplante Offline-Version.

Entscheidend für die Befragten war daneben (72 Prozent), dass der digitale Euro mehr Unabhängigkeit von den welt-politischen Ereignissen und ausländischen Zahlungsver-kehrsanbietern bringen sollte. Im Handel auf der anderen Seite wäre der digitale Euro wohl sehr beliebt: Gemäß einer bitkom-Umfrage sprechen sich 8 von 10 Unternehmen für seine Einführung aus, vor allem aus Kostengründen und um sich unabhängiger von US-Anbietern zu machen.

Dieses Stimmungsbild zeigt eindeutig worum es hier geht. Die Privaten befürchten vor allem, dass der digitale Euro der erste Schritt zur Abschaffung des Bargelds sein könnte, das für Unabhängigkeit und Anonymität steht („Bargeld ist geprägte Freiheit“). Auch wenn das Bargeld nach allen Be-kundungen weiter bestehen bleiben soll, könnte es schon dazu kommen, dass Händler es gar nicht mehr annehmen wollen: Das Handling mit Bargeld würde für sie deutlich teurer als das elektronische Bezahlen mit dem eEuro.

Daneben stellt der digitale Zahlungsverkehr natürlich ein Einfallstor für die mögliche flächendeckende Überwachung der Bürger dar (dass China einer der Vorreiter bei der Ein-führung einer digitalen Währung ist, trägt sicher nicht zur Vertrauensbildung bei). Hier unternimmt die EZB in ihren Planungen alles, um diese Möglichkeit auszuschließen. So soll ihr z.B. kein Zugriff auf die persönlichen Transaktions-daten möglich sein. Im Vergleich zu derzeitigen Zahlungs-verkehrssystemen gibt es auch keine anderen Datener-fordernisse. Bei Offline-Zahlungen mit dem eEuro soll der Grund der Zahlung nicht ersichtlich sein. Der eEuro soll auch grundsätzlich nicht programmierbar sein.

Kritik entzündet sich daneben daran, dass durch den digi-talen Euro leichter Negativzinsen durchzusetzen wären. Mit der Bargeldhaltung statt (negativ verzinster) Bankeinlagen lassen sich Negativzinsen umgehen. Solange diese mög-lich ist, sollten erweiterte Möglichkeiten der Geldpolitik mit dem eEuro begrenzt sein. Zumal Negativzinsen den abso-luten ökonomischen Ausnahmezustand darstellen, in dem wir eh andere Probleme haben sollten. Dennoch eignet sich das eEuro-Projekt natürlich hervorragend für Verschwö-rungstheorien, um Angst vor dem übergriffigen Staat zu machen, der den Bürgern das Bargeld wegnehmen will (interessanterweise verfängt dies in Deutschland beson-ders stark, in Skandinavischen Ländern ist z.B. das Bargeld von sich aus komplett aus der Mode gekommen, ohne jegliche staatliche Vorgabe).

Was bleibt also als Fazit? Als Nutzen des digitalen Euro für den Verbraucher sind vor allem anzusehen, überall im Euro-Gebiet kostengünstig bezahlen zu können und im eCommerce den ausländischen Tech-Konzernen nicht seine Daten überlassen zu müssen. Das ist aber für so ein 

weitreichendes Projekt eher dünn, da nur ein weiteres digitales Bezahlsystem hinzukommt, das womöglich sogar im praktischen Einsatz durch die Notwendigkeit des vor-herigen Aufladens und der Halteobergrenze kundenun-freundlich ist. Für die Wirtschaft und den Handel dürfte der eEuro dagegen Vorteile bringen, erst recht wenn ein elektronischer B2B-Zahlungsverkehr zwischen den Unter-nehmen ohne Betragsbegrenzung und international den Bezahlvorgang zukünftig kostengünstig automatisiert. Das entscheidende ist aber etwas anderes: Wir beklagen uns über die Dominanz der US-amerikanischen Kreditkarten- und Zahlungsverkehrsfirmen. Schon heute geben wir hier alle möglichen Daten für ein bequemes Bezahlen preis. Auch meine Bank weiß anhand meines Girokontos bestens über meine Finanzen und Präferenzen Bescheid.

Hier sollten wir einem staatlich regulierten Ansatz mit transparenten Datenschutzbestimmungen deutlich mehr Vertrauen schenken als privaten Tech-Firmen. Unser Geld ist ein so wichtiges Gut, dass wir die eigene Währung vor der Bedrohung durch immer neue Pseudo-Währungen und der Abhängigkeit vom US-Dollar via Stablecoins wirksam schützen sollten. Das geht im elektronischen Zeitalter wohl nur, indem wir eine eigene paneuropäische Lösung für den digitalen Zahlungsverkehr schaffen. Die privaten Initiativen der europäischen Banken waren bislang wenig erfolgreich, so dass hier nicht weiter zugewartet werden kann. Die Einwände der Banken beziehen sich vor allem auf Kosten-argumente, da Teile ihres Ertragspotenzials im Zahlungs-verkehr bedroht sind.

Die akademische Kritik bezüglich der Einschränkung der Intermediationsfunktion von Banken ist zwar richtig. Es geht hier aber um eine größere Herausforderung. Wenn Europa eigenständiger werden und mehr geopolitisches Gewicht bekommen soll, dann ist ein gemeinsames Projekt zur Stärkung des Euros unumgänglich. Die kritische Diskussion über den eEuro kann helfen, dass die Ausgestaltung ver-bessert und Nachteile abgeschwächt werden. Aber interes-sengetriebene Einwände (von Banken) und ordnungs-politische Bedenken sollten hier den populistischen Stim-men nicht noch Unterstützung geben: Wir brauchen endlich eine starke europäische Antwort zur Eindämmung der Dominanz und Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Konzernen im Zahlungsverkehr.

In aller Kürze:

Der Zahlungsverkehr wird immer digitaler. Im stationären Handel werden nur noch 33,8% der Umsätze bar getätigt. Im eCommerce werden die Käufe noch zu 25,8% über Rechnung bzw. 17,3% per Lastschrift über Banken bezahlt. Der überwiegende Teil läuft aber über Giro- oder Kreditkarten bzw. im Online-Handel über den Marktführer Paypal. Die Dominanz und Abhängigkeit von (US-amerikanischen) Zahlungsverkehrs- und Kreditkartenfirmen ist der Politik und der EZB zunehmend ein Dorn im Auge. Diese sieht sich auch mit der Flut an geschätzt über 20.000 Krypto-währungen einer Konkurrenz durch vielfältige Formen von digitalem Pseudogeld gegenüber. Auch wenn sich diese neuen Geldformen bislang weniger für den Bezahlvorgang eignen, wird Geldpolitik insbesondere durch die v.a. an den US-Dollar gebundenen Stablecoins beeinträchtigt: Indem diese zur Deckung große Mengen an Staatsanleihen kaufen (müssen), kommt es zu einer unkontrollierten Geldschöpfung und zur indirekten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse.

Die EZB hat daher bereits im Jahr 2021 ein Projekt zur möglichen Einführung eines digitalen Euros (eEuro) aufge-setzt, um diesen Tendenzen etwas entgegenzusetzen. Die Vorbereitungsphase in nun abgeschlossen und es liegt an der Politik in Europa, die Beschlüsse zur Einführung des eEuros zu fassen. Im Jahr 2029 könnte es soweit sein, dass die Verbraucher mit einem direkt bei der Notenbank geführten Zentralbankgeldkonto eine Alternative zum Bargeld und zum Giralgeld auf ihrem Bankkonto hätten. Diese soll eine europaweit einheitliche und kostengünstige Zahlungs-möglichkeit bieten, die sowohl online als auch offline funktioniert. Das Bargeld soll damit nicht ersetzt werden. Zudem soll es eine Obergrenze von z.B. 3.000 Euro für das Halten des eEuros bei der EZB geben, damit die Banken nicht zu viel Einlagen von Privatkunden verlieren.

- Kritiker wenden ein, dass es schon genug digitale Zahlungsmöglichkeiten gibt und europäische Banken aus fünf Ländern gerade dabei sind, mit WERO eine neue europäische Alternative zu schaffen. Verwiesen wird dabei auch auf die hohen Kosten der Einführung eines digitalen Euros und auf ordnungspolitische Argumente, dass den Geschäfts-banken mit dem eEuro von der Zentralbank Konkurrenz gemacht würde. Von Seiten der Verbraucher werden vor allem Bedenken bezüglich ihrer Privatsphäre geäußert. Die Unabhängigkeit und Anonymität von Bargeld werden als sehr wichtig angesehen. Von Populisten wird daneben im digitalen Euro bereits das Einfallstor für die flächen-deckende Überwachung der Bürger gesehen.

Die EZB trägt diesen Einwänden Rechnung, in dem sie darauf verweist, dass die Verwendung des Bargelds nicht eingeschränkt werden und ihr kein Zugriff auf die persönlichen Transaktionsdaten möglich sein soll. Bei Offline-Zahlungen mit dem eEuro werde der Grund der Zahlung nicht ersichtlich sein. Im Unterschied zu den Daten, die wir bereits heute bereitwillig den Banken und den US-amerikanischen Tech-Firmen für ein bequemes Bezahlen preis-geben, ist ein staatlich regulierter Ansatz mit transparenten Datenschutzbestimmungen schon als besser anzusehen.

- Daran wird klar das Hauptmotiv für das eEuro-Projekt deutlich. Es zielt vor allem auf die strategische Autonomie Europas und auf den Schutz der eigenen Währung vor der Bedrohung durch immer neue Pseudo-Währungen. Das geht im elektronischen Zeitalter wohl nur, indem wir eine eigene paneuropäische Lösung für den digitalen Zahlungs-verkehr schaffen. Die privaten Initiativen der europäischen Banken waren bislang wenig erfolgreich, so dass hier nicht weiter zugewartet werden kann. Die kritische Diskussion über den eEuro sollte helfen, dass die Ausgestaltung ver-bessert und Nachteile abgeschwächt werden. Aber das Ziel einer starken europäischen Antwort zur Eindämmung der Dominanz und Abhängigkeit von US-amerikanischen Firmen im Zahlungsverkehr ist zu unterstützen.

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