In aller Kürze
- Die offizielle Inflationsmessung erfolgt über die Preisbeobachtung für einen repräsentativen Warenkorb, der aktuell 600 Güterarten umfasst. Darin haben z.B. Nahrungsmittel ein Gewicht von 11,9% und fürs Wohnen inkl. Wasser, Strom und Heizung werden im Schnitt 25,9% des Budgets benötigt. Bei langlebigen Gütern müssen aber auch Qualitätsverbesserungen berücksichtig werden, da man für den gleichen Preis über die Zeit hinweg häufig höherwertigere Güter kaufen kann. Das gilt umgekehrt für die in letzter Zeit in Mode gekommene Shrinkflation, bei der bei gleichbleibenden Preisen die Füllmenge von Produkten reduziert wird, was einer Preiserhöhung gleichkommt.
- Preisveränderungen wirken sich auf verschiedene Bevölkerungsgruppen allerdings unterschiedlich aus. So müssen Personen mit geringen Einkommen i.d.R. deutlich mehr von ihrem Budget für Lebensmittel ausgeben. Sie nehmen daher Preissteigerungen in diesem Bereich höher wahr, wie sie sich mit einer Verteuerung um 37,5% seit 2020 bei Nahrungsmitteln gezeigt haben. Die subjektive Wahrnehmung der Inflation übersteigt auch in der Regel die offiziell gemessene. Das liegt zum einen an der höheren Preissensitivität gerade der häufig gekauften Verbrauchsgüter. Zum anderen ist es ein generelles psychologisches Phänomen, dass sich negative Aspekte (Preiserhöhungen) stärker einprägen als positive. Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die gefühlte Inflationsrate die amtlichen Werte im Mittel um die 4 % übersteigt.
- Das Instituts der Deutschen Wirtschaft ermittelte sogar in einer Umfrage eine geschätzte Inflation für 2024 von 15,3% (Median 10,0%), während die tatsächliche Jahresteuerung nur bei 2,2% lag. Da die Ursache hierfür sicher in der Nachwirkung der massiven Inflationsschübe der Jahre 2022/23 liegt, beschäftigt sich der Newsletter mit der zeitlichen Dimension der Inflationsmessung. Die offizielle Inflationsrate bezieht sich immer auf die Preisveränderung über ein Jahr. Daher fallen Erhöhungen des Preisniveaus aus der Messung heraus, die über ein Jahr zurückliegen. Die Verbraucher werden die Inflation aber wohl eher daran messen, wie hoch die heutigen Preise im Vergleich zu den Preisen in einem gewissen Zeitraum der Vergangenheit sind, an den ich mich gut erinnern kann.
- Mit der Hypothese, dass es sich hierbei um einen Horizont von 3-5 Jahren handeln könnte, modelliert der Artikel eine Art realistische Inflationswahrnehmung, der sich bei der Frage der Abweichung von der tatsächlich gemessenen an Umfragen der Bundesbank orientiert. Dabei werden derzeit um die 3% Inflation antizipiert. Phasen mit höherer Geldentwertung wirken damit in der Inflationswahrnehmung länger nach. Auch wurde durchweg immer eine gewisse Teuerung gesehen, auch in Zeiten negativer Inflationsraten. Mit diesem Ergebnis sollte die gefühlte Inflation weiter in Richtung auf das geldpolitische Ziel von 2% zurückgehen. Mit der damit geringer werdenden Verunsicherung in der Bevölkerung und der mit tiefen Zinsen abnehmenden Sparneigung könnte der Konsum der Verbraucher angeregt und die Wirtschaft gestützt werden.
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