Was bleibt als Fazit und als Positives?
Aus der Sicht der Immobilienkäufer für eigene Wohnzwecke zunächst einmal die Erkenntnis, dass jährliche Steigerungen der Hauspreise von über 6% nicht ‚normal‘ sind. Über die letzten 50 Jahre hinweg betrug die Immobilienverteuerung nur 2,5% p.a. im gesamtdeutschen Schnitt (in Ballungszentren sicher z.T. höher, dafür niedriger in ärmeren Landregionen). Das liegt kaum über der allgemeinen Inflationsrate. Da die Löhne und Gehälter bzw. die Verfügbaren Einkommen der Privaten aber stärker steigen, ist die Erschwinglichkeit von Wohneigentum heute sogar besser als im gesamten Zeitraum von 1975 bis 2003 (und besser als in den Jahren 2018-2023).
Für die nächste Zeit ist auch kaum mit einem erneuten starken Anstieg der Immobilienpreise zu rechnen. Die Sondersituation der Nullzinsen wird wohl so schnell nicht wiederkommen. Auch die Bevölkerungsentwicklung dürfte eher nach unten gerichtet sein. Das Statistische Bundesamt rechnet in einer mittleren Variante mit einer leichten Abnahme der Einwohnerzahl bis 2070 um 6,7%, was im Mittel einem jährlichen Rückgang um 0,15% entspricht, in der Grafik rot angedeutet. Die Wohnbaupreise in Deutschland sind auch gar nicht so prohibitiv hoch wie vielfach unterstellt. Während die realen Immobilienpreise in Deutschland seit 1970 um 30% gestiegen sind, lag der Anstieg der realen Preise in anderen Ländern bei weit über 100%, siehe Newsletter 05/2024.
Damit zur Anlegersicht und dem Ausgangspunkt meiner Betrachtungen. Ein realer Preiszuwachs von im Schnitt 0,14% p.a. ist erst mal keine besonders hohe Rendite, gerade im Vergleich zu Aktien die nach Abzug der Inflation seit 1975 um +4,6% pro Jahr zugelegt haben. Natürlich ist hier das unterschiedliche Risiko bzw. die höhere Preisvolatilität bei Aktien zu berücksichtigen. Der Rückgang der Immobilienpreise um 12,9% in den letzten Jahren ist aber auch nicht gerade gering. Allein auf (hohe) Wertsteigerungen zu spekulieren ist daher sicher nicht sinnvoll.
Viel wichtiger sind bei Immobilienanlagen die erzielbaren (Netto-)Renditen aus der Vermietung. Sind hier brutto 4-6% p.a. möglich je nach Art des Gebäudes, so müssen die Kosten der Verwaltung und Instandhaltung von 2-3% berücksichtigt werden. Offene Immobilienfonds erzielen (inkl. Wertsteigerungen) im langjährigen Schnitt um die 3% Rendite nach Verwaltungsgebühren von 0,5 bis 1,5%. Das liegt also insgesamt auch kaum über der Inflationsrate. Bei der Selbstverwaltung einer Immobilie sollten damit Renditen im langjährigen Mittel von netto 4,0 bis 5,0% inklusive moderater Wertsteigerungen drin sein. Das ist schon ganz vernünftig. Allerdings kommt es natürlich bei Immobilieninvestments besonders auf die Wahl des Objekts zur Kapitalanlage an, mit allen Chancen und Risiken. Daneben ist auch ein langer Atem erforderlich, um mögliche langanhaltende Baissephasen aussitzen zu können.
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