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NEWSLETTER 19/2025:
Bio-Landwirtschaft und Selbstversorgung mit Lebensmitteln in Deutschland: Teil II

Der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln in Deutschland ist bei vielen Grundnahrungsmitteln (Kartoffeln, Fleisch, Milch, Getreide) recht gut. Importiert werden müssen vor allem Gemüse und Obst, häufig wegen der klimatischen Voraussetzungen. Mit dem klaren Trend zu Bio-Lebensmitteln würde man erwarten, dass auch die Landwirtschaft in Deutschland zu den größten Treibern im ökologischen Landbau gehört. Das ist aber nicht unbedingt so. Aufgrund der begrenzten (Agrar-)Fläche in Deutschland zusammen mit dem größeren Landschaftsbedarf der ökologischen Landwirtschaft und der höheren Lohnkosten für die manuell aufwändigere Bewirtschaftung muss Deutschland einen größeren Teil der nachgefragten Bio-Produkte importieren. Auch die Erwartung, dass Öko-Betriebe im Schnitt kleiner sind als die in der konventionellen Landwirtschaft, wird nicht unbedingt bestätigt. Schauen wir uns die Bio-Landwirtschaft daher genauer an.

In Deutschland werden 1,9 Mio. Hektar ökologisch bewirtschaftet, das entspricht 11,3% der gesamten Landwirtschaftsfläche. Damit liegt Deutschland zwar leicht über dem EU-Durchschnitt von 10,9% Öko-Flächenanteil. Länder wie Spanien mit 3,0 Mio. (12,2%), Frankreich mit 2,8 Mio. (9,6%) und Italien mit 2,5 Mio. Hektar (18,7%) bewirtschaften aber eine absolut größere Bio-Fläche, überwiegend auch mit einem höheren Anteil an der gesamten Agrarfläche des jeweili-gen Landes (Prozentzahl in Klammern). Spitzenreiter bei relativer Betrachtung unter den größeren Ländern ist Österreich mit 27,3% Öko-Landanbau, gefolgt von Portugal mit 21,7% und Italien mit 18,7%. Alle Zahlen gelten für das Jahr 2023 und stammen aus dem World of Organic Agriculture-Report von 2025 des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL, Frick/Schweiz.

An der gesamten ökologisch genutzten Landwirtschafts-fläche in der EU von 17,7 Mio. Hektar hat Deutschland damit nur einen Anteil von 10,7%. Das liegt natürlich auch daran, dass Deutschland ein stark besiedeltes Land ist und damit generell weniger Landwirtschafts-Ressourcen bieten kann. Von den gesamten 17,7 Mio. Hektar werden auf 44% ökologischer Ackerbau betrieben, 13% sind für Bio-Dauerkulturen wie z.B. Apfelplantagen vorgesehen und 43% stellen entsprechendes Weideland dar.

Auf der anderen Seite bieten viele europäische Länder (außerhalb der EU) zwar größere Flächen für landwirt-schaftliche Nutzung. Aufgrund traditionellerer Bewirtschaf-tungsformen und einer geringeren Ausrichtung auf explizit biologische Erzeugungsformen spielt dort die als ökolo-gisch etikettierte Landwirtschaft häufig noch eine geringere Rolle: In ganz Europa (inkl. Russland und der Türkei!) werden nur 3,9% der Landwirtschaftsfläche so bewirt-schaftet. So haben z.B. die Niederlande nur einen Öko-
Flächenanteil von 4,8%, Polen von 4,4%, Irland von 4,0%, Bulgarien von 2,9% und Serbien von 0,8%. Aber auch in UK spielt die Biolandwirtschaft mit einem Flächenanteil von 2,8% eine geringere Rolle.

Das globale Analogon und Extrem sind geografisch sehr große Länder, die zwar absolut viel ökologisch ausge-wiesene Anbaufläche aufweisen wie z.B. Indien mit 4,4 Mio. (2,5%), Argentinien mit 4,0 Mio. (3,4%), China mit 3,4 Mio. (0,7%) oder die USA mit 2,1 Mio. Hektar (0,5%). Was aber bezogen auf ihre gesamte Landwirtschaft nur relativ geringe Anteile ausmacht (Werte in Klammern). Der absolute Spitzenreiter und Ausreißer bei der Biofläche ist dagegen Australien mit sage und schreibe 53,0 Mio. Hektar. Damit steuert Australien statistisch über die Hälfte der weltweiten ökologisch genutzten Fläche bei. Allerdings gibt es in Australien keine genaue Definition und Regulierung was ‚ökologisch‘ ist. Darüber hinaus handelt es sich überwiegend um Weideland.
Quelle: Thünen-Institut, Ökolandbau in Zahlen, 24.07.2024

Daher weisen australische Farmen auch eine Durch-schnittsfläche von 3.600 Hektar aus. In den USA sind es ebenfalls überdurchschnittliche 118 Hektar pro Betrieb. Zum Vergleich: Die bewirtschaftete Fläche pro ökolo-gischen Landwirtschaftsbetrieb in der EU beträgt 40,7 Hektar. Entgegen der Erwartung sind Bio-Landbetriebe dabei nicht generell kleiner als konventionell bewirtschaft-ete: Die Agrarstrukturerhebung 2023 (siehe agrarheute, 11.04.2024) weist eine Durchschnittsfläche von Ökobe-trieben in Deutschland von 66,7 Hektar aus, gegen 65 Hektar pro Betrieb für die gesamte Landwirtschaft.

Mit Durchschnittswerten sollte man aber vorsichtig sein. Die Struktur der Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland ist extrem heterogen. So liegt die bewirtschaftete Fläche in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt bei 283 Hektar, in Niedersachsen bei 75,4 Hektar und in Bayern bzw. Baden-Württemberg um die 37 Hektar pro Betrieb. Da kann es schon zu großen Verzerrungen durch XXL-Betriebe kommen und zwischen viehhaltenden Betrieben und Ackerbau etc. mag es auch Unterschiede geben. Zusammen genommen mit der Erkenntnis des letzten Newsletters (je Ertragsmenge ist der Flächenverbrauch in 

der Bio-Landwirtschaft um ca. 25% höher als in der konventionellen) muss man sich wohl aber von der (romantischen) Vorstellung verabschieden, Biolandwirte seien überwiegend kleinbäuerliche Idealisten.

Zum Biomarkt aus Sicht der Verbraucher: In Deutschland betrug der Gesamtumsatz mit ökologischen Lebensmitteln 17,0 Mrd. Euro im Jahr 2024 (ein Plus von 5,7% zum Vorjahr). Damit bestreitet Deutschland 35% der gesamten Bio-Umsätze in der EU (zum Vergleich nochmal: an der ökologischen Landwirtschaftsfläche der EU hatte Deutschland einen Anteil von 10,7%). Wir haben damit auch den zweitgrößten Biomarkt der Welt, nach den USA mit 58,6 Mrd. Euro. Als Schlussfolgerung muss also ein überdurchschnittlicher Anteil der Bio-Erzeugnisse nach Deutschland importiert werden. Das ist in Bezug auf den Ressourcenaufwand zum Transport der Ware natürlich nicht gerade optimal. Genauere Zahlen zum Import von Bio-Produkten sind allerdings nicht verfügbar: Das Statistische Bundesamt unterscheidet in seiner Außen-handelsstatistik bei den 68,8 Mrd. in 2024 eingeführten Lebensmitteln nicht zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung.

Bezieht man den Bio-Umsatz eines Landes allerdings auf alle Einwohner, so sind das hierzulande statistisch auch nur 191 Euro, die wir im Jahr für Bio-Lebensmittel ausgeben (im EU-Schnitt: 104€/Person). Hier setzen die Schweizer mit 468 Euro, die Dänen mit 362 Euro und die Österreich mit 292 mehr in ökologischen Produkten bezogen auf die Einwohnerzahl um. In diesen Ländern machen die Öko-Umsätze auch über 10% der gesamten Umsätze mit Lebensmitteln aus. In Deutschland sind dies nur 6,3%.

Ist der Markt für biologische Landwirtschaftsprodukte in Deutschland seit der Jahrtausendwende mit jährlichen Raten bis zu plus 10% kontinuierlich stark gewachsen, so hat sich der Zuwachs in den letzten Jahren etwas abge-kühlt (im Schnitt der Jahre 2000 bis 2024 nur noch plus 3,2% p.a.). Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln sank im Jahr 2022 sogar um 3,5% zum Vorjahr. Dies hat natürlich viel

mit dem großen Inflationsschub der Jahre 2022/23 zu tun. Insbesondere die Lebensmittelpreise sind in diesen beiden Jahren zusammen um +25% gestiegen. Mit den gesun-kenen Realeinkommen und den gestiegenen Konsumen-tenpreisen, v.a. auch für Energie, wurde der Verbrauch hochpreisiger Waren eingeschränkt. Gerade Bio-Lebens-mittel waren davon betroffen, obwohl deren Preise im Vergleich zu den allgemeinen Landwirtschaftsprodukten sogar nur unterdurchschnittlich stiegen.

Daneben ist in Deutschland eine besondere Entwicklung bei der Anbieterstruktur von Bio-Lebensmitteln zu beobach-ten. Die großen Supermarktketten und Discounter haben in den letzten Jahren ihr Sortiment an biologischen Produkten stark ausgeweitet. Vor allem bei verpackter, länger halt-barer Bio-Ware. Das geht damit auch zu Lasten der Direkt-vermarkter wie Hofläden oder Bio-Märkten. Auch die Dro-geriemärkte haben zuletzt ein größeres Bio-Sortiment an verpackter Ware aufgebaut und ersetzen zum Teil die klei-nen Bio-Fachgeschäfte. Diese (inkl. der Bio-Supermärkte wie Denn’s, Alnatura etc.) haben heute nur noch einen Marktanteil von 20%. Vor 5 Jahren waren dies noch 26%.

Auf den Preisunterschied zwischen Bio-Lebensmitteln und konventionell erzeugten hat dieser Trend eine positive Wirkung. Nach einem Vergleich von 22 Grundnahrungs-mitteln des täglichen Bedarfs sind die Bio-Varianten im

Schnitt um 42 Prozent teurer als konventionelle Lebens-mittel (food-monitor, 19.12.2024). Besonders hoch ist der Preisunterschied bei Geflügel, Fleisch und Eiern. Bei vielen (Import-)Gemüsesorten ist der Preisaufschlag für Ökoware nur noch relativ gering. Mittlerweile auch für Milch. Das liegt vor allem an den größeren Marktanteilen dieser Bio-Produkte und dem verstärkten Angebot der Lebensmittel-ketten und Discounter. Neben den sinkenden Preisauf-schlägen sind die Preise für Bio-Produkte meist auch stabiler als für ihre konventionellen Pendants. Dies hängt mit den regionalen Wertschöpfungsketten, längerfristigen Verträgen und der ressourcenschonenden Kreislauf-wirtschaft zusammen, die keine teuren synthetischen Stick-stoffdünger oder Pestizide benötigt.

Insgesamt ist daher zu erwarten, dass der Trend zu Bio-Lebensmitteln weitergeht. Vielleicht nicht mehr mit Steigerungsraten von 10% im Jahr. Das Ziel der letzten (Ampel-)Bundesregierung, den Bio-Anteil an der Agrar-Anbaufläche bis 2030 auf 30% (heute 11,3%) zu steigern ist aber sicher illusorisch. Es muss schon bedacht werden, dass für den ökologischen Landbau eine deutlich größere Fläche benötigt wird. Daneben sind die Kosten für die Bio-Landwirtschaft durch den größeren Bedarf an manuellen Tätigkeiten generell höher. Den höheren Preis für Bio-Lebensmittel müssen sich die Verbraucher auch leisten können. Die Deutschen sind schon sehr preissensibel und

wollen nicht übermäßig mehr für ‚gesunde‘ Lebensmittel ausgeben. An die Einführung einer Tierwohl-Abgabe wird sich die neue Regierung nach allem Anschein auch nicht trauen.

So wird es auch dabei bleiben, dass wir einen Teil der Lebensmittel – gerade der ökologisch produzierten – aus dem Ausland beziehen werden. Neben den klimatischen Bedingungen sind hier nun mal auch die großen Lohn-unterschiede bei den arbeitsintensiven Tätigkeiten in der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Da macht es, trotz der umweltbelastenden Transportwege, häufig Sinn, die Lebensmittel ökologisch dort zu produzieren wo es sinn-voller möglich ist als im zersiedelten Deutschland. Die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung für beide Seiten sollten auch im Lebensmittelbereich weiterhin genutzt werden.

In aller Kürze:

- In Deutschland werden 1,9 Mio. Hektar ökologisch bewirtschaftet, das entspricht 11,3% der gesamten Landwirtschaftsfläche. Länder wie Spanien mit 3,0 Mio. (12,2%), Frankreich mit 2,8 Mio. (9,6%) und Italien mit 2,5 Mio. Hektar (18,7%) bewirtschaf-ten aber eine absolut größere Bio-Fläche (in Klammern: Prozentanteil an der Agrarfläche des Gesamtlandes). Spitzenreiter bei relativer Betrachtung ist Österreich mit 27,3% Öko-Landanbau, gefolgt von Portugal mit 21,7%. An der gesamten ökologisch genutzten Landwirtschaftsfläche in der EU von 17,7 Mio. Hektar hat Deutschland damit nur einen Anteil von 10,7%.

In vielen europäischen Ländern im Osten und außerhalb der EU spielt die ökologische Landwirtschaft aufgrund traditionellerer Bewirtschaftungsformen und einer mäßigen Nachfrage nach Öko-Produkten noch eine geringere Rolle. Weltweit werden in geografisch sehr großen Ländern teilweise zwar umfangreiche Anbauflächen als ökologisch ausgewiesen. Bezogen auf ihre gesamte Landwirtschaft sind das aber häufig nur kleinere Flächenanteile (Argentinien: 3,4%, Kanada: 2,3%, USA: 0,5%). Der absolute Spitzenreiter und Ausreißer ist dabei Australien mit allein 53,0 Mio. Hektar Bio-Fläche (allerdings besteht die überwiegend aus Weideland riesiger Farmen und in Australien gibt es keine genaue Definition und Regulierung was ‚ökologisch‘ ist).

Die bewirtschaftete Fläche pro ökologischen Landwirtschaftsbetrieb in der EU beträgt im Schnitt 40,7 Hektar. In den USA ist ein Bio-Betrieb zum Beispiel schon durchschnittlich 118 Hektar groß. Entgegen der Erwartung sind Bio-Landbetriebe nicht unbedingt klein: In Deutschland kommen diese auf eine Durchschnittsfläche von 66,7 Hektar, gegen 65 Hektar pro Betrieb für die gesamte Landwirtschaft. Es gibt aber sehr große Unterschiede: So liegt die bewirtschaftete Fläche in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt bei 283 Hektar und in Bayern bzw. Baden-Württemberg um die 37 Hektar pro Betrieb.

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Der Gesamtumsatz mit ökologischen Lebensmitteln betrug in Deutschland 17,0 Mrd. Euro im Jahr 2024, was 35% der gesamten Bio-Umsätze in der EU ausmacht. Wir haben damit auch den zweitgrößten Biomarkt der Welt. Ein überdurch-schnittlicher Anteil der Bio-Erzeugnisse muss also nach Deutschland importiert werden. Bezogen auf den Bio-Umsatz pro Einwohner geben wir zwar statistisch 191 Euro im Jahr für Bio-Lebensmittel aus. Hier setzen die Schweizer mit 468 Euro, die Dänen mit 362 Euro und die Österreich mit 292 mehr in ökologischen Produkten bezogen auf die Einwohnerzahl um.

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Mit dem Trend der letzten Jahre, dass Supermarktketten, Discounter und Drogeriemärkte ihr Sortiment an biologischen Produkten stark ausgeweitet haben, hat sich auch der Preisunterschied zwischen Bio-Lebensmitteln und konventionell erzeugten reduziert. Daneben sind die Preise für Bio-Produkte meist auch stabiler als für ihre konventionellen Pendants. Trotz zwischenzeitlichen Einbußen wegen des Inflationsschubes der Jahre 2022/23 wird der Biomarkt in Deutschland daher absolut und auch relativ weiter wachsen, trotz eines höheren Flächenbedarfs der ökologischen Produktionsmethoden und der höheren Kosten durch den größeren Bedarf an manuellen Tätigkeiten.

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