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NEWSLETTER 17/2025:
Homeoffice: Positive Errungenschaft bleibt uns erhalten – unter gewissen Voraussetzungen

Eine der unbestritten positiven Folgen der Corona-Pandemie ist die deutlich gestiegene Bedeutung des Homeoffice. Ohne das erzwungene Realexperiment der großflächigen Verlagerung von Arbeiten nach Zuhause wäre es nie zu der weiten Ausbreitung und Akzeptanz für Homeoffice-Tätigkeiten gekommen. Ob die Wirtschaftlichkeit der Arbeitnehmer unter dieser Tendenz leidet oder die Produktivität sogar steigt ist strittig. Die ohne Zweifel vorhandenen Vorteile sind dabei sicherlich an ein paar Voraussetzungen geknüpft. Für die Gesellschaft ergibt sich zumindest ein gewisses Konfliktpotenzial, da vor allem Büro/Dienstleistungstätigkeiten homeoffice-tauglich sind.

Quelle: Oliver Falck, ifo-Instituit, auf LinkedIn gepostet

Zunächst ein paar Daten. Nach dem sprunghaften Anstieg der Homeoffice-Quote in Folge der Corona-Lockdowns hält sich der Anteil der zumindest teilweise im Homeoffice tätigen Beschäftigten auf einem deutlich erhöhten Niveau. Obwohl einige Unternehmen in letzter Zeit wieder zu einer restriktiveren Handhabung der Homeoffice-Möglichkeiten übergehen, verharrt diese Quote ziemlich stabil bei rund 25% (ifo-Umfrage unter 9.000 Unternehmen). Auch die jüngsten Zahlen des ifo-Instituts aus dem März 2025 zeigen eine Homeoffice-Quote von 24,5% der Beschäftigten (zum Vergleich: im August 2024 lag dieser Wert bei 23,4%). Ein großflächiges Zurückdrängen des Homeoffice ist wohl unwahrscheinlich.

Bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) liegt der Anteil mit 20,5% allerdings deutlich niedriger als in großen Unternehmen mit 32,1%. Daneben arbeiten Dienstleister am häufigsten von zu Hause aus (34,3%). In der Industrie sind es nur 16,9%, im Handel 12,5%. Schlusslicht ist die Baubranche mit 4,6%. Eine Differenzierung nach Einzel-branchen zeigt auch die Auswertung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2023. Danach ist Homeoffice bei IT-Dienstleistungen, in der Unternehmensverwaltung, bei Versicherungen und in der Forschung&Entwicklung am verbreitetsten. In Berufszweigen die mit dem Transfer von Wissen, Kreativität in der Gruppe und mit sozialen Aspekten etc. zu tun haben bzw. direkt in der Produktion oder im Handwerk angesiedelt sind, ist Homeoffice dagegen weniger ausgeprägt bzw. häufig gar nicht möglich.

Auch im internationalen Vergleich ist die Homeoffice-Quote in Deutschland relativ hoch. Eine Veröffentlichung des ifo-Instituts vom 02.05.2025 zeigt, dass Arbeitsnehmer mit Hochschulabschluss in Deutschland durchschnittlich an 1,6 Tagen pro Woche von zu Hause arbeiten. Der globale Durchschnitt beträgt 1,2 Tage pro Woche bei Vollzeitbe-schäftigten. In der EU wird unter den Akademikern lediglich in Finnland mehr von zuhause aus gearbeitet (1,7 Tage pro Woche). Weltweit am weitesten verbreitet ist Homeoffice in Kanada (1,9 Tage) und in UK (1,8 Tage). In den USA und Indien arbeiten die Menschen ebenfalls an 1,6 Tagen von zu Hause. Am wenigsten verbreitet ist das Homeoffice z.B. in Japan (0,7 Tage) und China sowie Griechenland (je 0,6 Tage).

Aus Sicht der Arbeitnehmer bietet das Homeoffice große Vorteile, vor allem in Bezug auf den Wegfall des Pendel-weges zur Arbeitsstätte sowie einer verbesserten Work-Life-Balance mit der variableren Gestaltung der Arbeits-zeiten. So ist es nicht verwunderlich, dass flexible Arbeits-modelle in Zeiten des Fachkräftemangels die Entscheidung für ein Unternehmen wesentlich positiv beeinflussen können. Laut einer PwC-Studie aus dem Jahr 2023 spielen Homeoffice-Möglichkeiten bei der Arbeitgeberwahl für 39% der Befragten eine entscheidende Rolle, für 43% ist sie noch wichtig aber nicht entscheidend. Nur für 18% spielt das Homeoffice gar keine Rolle (diese Antwort kam im Jahr 2021 noch von 33%).

 
Darauf haben natürlich auch die Arbeitgeber reagiert. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wertet fortlaufend aus, in wieviel Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland Homeoffice-Angebote gemacht werden: Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren das nur 3,7% der Online-Stelleninserate. Dieser Anteil ist im Jahr 2023 auf 17,6% gestiegen und dürfte für 2024 bereits um die 20% liegen. Ein weiteres Ergebnis der Studienautoren: Je höher die Qualifikation, desto größer sind die Chancen auf Homeoffice. Für hochkomplexe Expertentätigkeiten, die ein Diplom oder einen Master erfordern, stieg das Angebot besonders stark von 6,6% (2019) auf 31,9% in 2023.

Dies ist für die Hochqualifizierten und für die auf Büro-tätigkeiten ausgerichteten Angestellten sicher eine positive Entwicklung. Für die in Industrie, Handwerk und Handel direkt mit der Produktion, manuellen Tätigkeiten oder der Kundenberatung vor Ort Beschäftigten, können von dem Trend zum Homeoffice kaum profitieren. Auch die Berufe in Erziehung, Unterricht und im Gesundheitsbereich, die einen direkten Kontakt mit Menschen voraussetzen, sind hier im Nachteil. Geringfügig Beschäftigte sind generell von diesem Wandel der Arbeitswelt kaum tangiert. Auch Angestellten in kleineren Unternehmen können vielfach weniger Home-office-Angebote gemacht werden. Es besteht hier also die Gefahr einer (weiteren) Spaltung der Gesellschaft.


Für diejenigen, die Homeoffice aber nutzen können bieten sich klare Vorteile. In der bereits oben zitierten Studie von PwC geben 71% der Befragten von 125 verschiedenen Arbeitsgebern an, eine erhöhte Lebensqualität durch die variable Nutzung von Homeoffice zu haben. Mit 63% nennen als den größten Vorteil von Homeoffice die Erspar-nis von Zeit und Kosten beim Weg zur Arbeit. Hervorge-hoben werden auch die bessere Work-Life-Balance und die flexiblere Gestaltung des Arbeitstages, verbunden mit einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade bei jüngeren Beschäftigten und solchen mit Kindern werden daher Homeoffice-Möglichkeiten besonders geschätzt. Allerdings kann es dabei auch zu einer Verstärkung der tradierten Arbeitsteilung kommen: Mütter die zuhause arbeiten bringen mehr Zeit für die Sorgearbeit auf als Männer. Allerdings zeigen Daten aus Amerika, dass es nach der Corona-Pandemie zu einem höheren Beschäf-tigungszuwachs bei Frauen als bei Männern gekommen ist, das ist erst einmal positiv.  

Weitere Vorteile für die Gesellschaft können Umweltas-pekte wegen der geringeren Reisetätigkeiten sein (auch in 

Quelle: Home sweet Homoffice, PwC, August 2023

Verbindung mit weniger Dienstreisen, da Kundengespräche verstärkt über Videokonferenzen, Chats etc. auch remote von zu Hause aus durchführbar sind). Daneben kann die Wohnraumsituation in Großstädten tendenziell entlastet werden, wenn auch weiter entfernt liegende Wohnorte zusammen mit Homeofficearbeit möglich werden. Tenden-ziell sind auch positive Einflüsse auf die Gesundheit (Stressreduktion, Infektionsprävention) und damit weniger Krankheitstage denkbar (Arbeiten von zu Hause aus bei leichten Erkrankungen).

Für Arbeitsgeber ist ein Vorteil darin zu sehen, dass weniger Bürofläche benötigt wird und die verkleinerte Fläche auch mehr für attraktive Kommunikationszonen genutzt werden können. Gemäß Umfragen unter Arbeit-gebern werden im Schnitt nur 45% der bereitstehenden Büroflächen genutzt, in Spitzenzeiten steigt die Auslastung auf 63%. Daher werden verstärkt Desk-Sharing-Ansätze eingeführt, in denen die Arbeitnehmer keinen festen Arbeitsplatz haben. Dies kann bei guter Planung und Umsetzung auch der Kommunikation und der funktions-übergreifenden Zusammenarbeit förderlich sein.

Kommen wir zur Gretchenfrage, wie sich Homeoffice auf die Produktivität der Arbeitnehmer auswirkt. Mit dem Corona-Lockdown und dem anfänglichen Homeoffice-Zwang gab es viele Bedenken, dass die Produktivität dadurch beeinträchtigt sein könnte. Die Studien die dies empirisch untersuchen wollen stehen vor dem Problem, dass Produktivität häufig nicht klar bzw. unterschiedlich gemessen wird, die Einschätzung vielmehr auf subjektive Wahrnehmungen und Erfahrungen beruht. In einer Meta-auswertung von 12 wissenschaftlichen Studien sowie weiteren Publikationen zu diesem Thema vom Juli 2204 kommt das Institut für angewandte Arbeitswissenschaften ifaa, Düsseldorf daher auch zu keinem eindeutigen Ergeb-nis. Die mehr auf Umfragen beruhenden Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass in der Mehrzahl eher von einer Produktivitätssteigerung im Homeoffice ausgegangen wird.

Nach der bereits mehrfach zitierten PwC-Studie aus 2023 schätzen 54% der Arbeitgeber ihre Angestellten im Home-office als produktiver und 40% mindestens gleich produktiv ein (nur 6% als unproduktiver). Das ist auch eine deutliche Steigerung zu den Umfrageergebnissen aus 2020, in denen nur 37% eine höhere Produktivität sahen, dagegen genau-so viele 37% ein geringere. Für mich am überraschendsten aber das Umfrageergebnis aus Sicht der Mitarbeiter: Selbst halten sich 41% zwar auch mehrheitlich für produktiver bzw. 32% als gleich produktiv. Das ist aber deutlich weniger als die Meinung zu ihrer Homeoffice-Produktivität aus Arbeitgebersicht. Möglicherweise spielen hier neben der eigentlichen Produktivität auch weitere Aspekte eine Rolle, die die positive Einschätzung eintrüben.

Angestellte im Homeoffice berichten häufig von einer schlechteren Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Wird auf der einen Seite die Flexibilität geschätzt, so kommt es nicht selten im Ergebnis netto zu einer längeren Arbeitszeit als im Büro: Allein durch den Wegfall der Pendelzeiten und auch mit dem Willen noch schnell etwas erledigt zu be-kommen, auch am Abend (und damit ggf. schlechter los-lassen zu können). Aus der PwC-Befragung geht wiederum hervor, dass bei den Gründen für eine geringere Produkti-vität im Homeoffice an erster Stelle die Ablenkung in der häuslichen Umgebung und an zweiter Stelle die häuslichen und familiären Pflichten genannt werden. Dies kann dazu führen, die eigene Produktivität subjektiv und bezogen auf die unscharfe/längere Arbeitszeit als geringer empfunden wird als vom Vorgesetzten wahrgenommen.

An weiteren negativen Punkten von Homeoffice spielen daneben die sozialen Aspekte eine große Rolle. Durch den fehlenden direkten Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen kann es zu einem mangelnden Informationsaustausch und zu einer schlechteren Zusammenarbeit kommen. Teamgeist und kreative Ideen entstehen meist nur über den direkten Austausch. Daneben haben die vielen auch zufälligen Kontakte im Büro und in der Kaffeeecke eine

wichtige Funktion beim Knüpfen von Netzwerken und für neue Impulse. Gerade der Nachwuchs ist darauf angewiesen, von den Erfahrungen dienstälterer Mitarbeiter/innen zu profitieren. Diese müssen regelmäßig und zuverlässig vor Ort sein, um ein ausreichendes Kennenlernen und eine adäquate Ausbildung zu gewährleisten.

Auch bezüglich der Wahrnehmung durch den Arbeitsgeber können durch reine Homeoffice-Tätigkeiten Nachteile entstehen. Wer kaum präsent ist, wird vom Vorgesetzten ggf. nicht ausreichend wertgeschätzt und kann so Karriere-nachteile haben. Gemäß den vorliegenden Studien ist die Gefahr, durch Homeoffice Nachteile in der Leistungsfähig-keit, der Motivation und Arbeitszufriedenheit zu erfahren am größten, wenn zu 100% von zu Haus gearbeitet wird. Hier tun sich die Mitarbeiter/innen keinen Gefallen. Diese Erkenntnis ist aber auch durch den Ist-Zustand und den Wunsch der Arbeitnehmer gedeckt: Von den von PwC befragten Unternehmen haben insgesamt 78% angegeben, dass ihre Mitarbeiter/innen 2-3 Tage die Woche Homeoffice nutzen (im Durchschnitt 2,3 Tage). Und in Umfragen bevorzugen auch die Befragten selber 2-3 Tage pro Woche von zuhause aus arbeiten zu können (bei den 30- bis 39-Jährigen bevorzugen 45% dieses Homeoffice-Modell).

So ist es dieses hybride Arbeitszeitmodell, einige Tage im Büro zu sein und einige Tage von zu Hause aus zu arbeiten, welches die größten Chancen auf hohe Produk-tivität und zufriedene Mitarbeiter hat. Allerdings ist das auch nicht unbesehen die beste Lösung für alle Tätigkeiten und Menschentypen. Die Fähigkeit effektiv im Homeoffice arbeiten zu können hat auch etwas mit Selbstorganisation und der Beurteilungsmöglichkeit zu tun, in welchem Setting welche Aufgaben am besten erledigt werden können. Kann ich auf einen ausreichend abgegrenzten Arbeitsplatz zurückgreifen, kann ich die Arbeit ohne weiteren Input von zu Haus aus vollständig erledigen, wie stark werde ich dort abgelenkt, kann ich am Abend genug entspannen? Daneben sind die technische Ausstattung zu Hause und ausreichende Schulungsangebote hochrelevant. Hier sind 

die Unternehmen gefordert, durch gute Unterstützung die Grundlage für erfolgreiche Homeofficearbeit zu schaffen.

Eine weitere Voraussetzung sind die Einstellung und Managementfähigkeiten des Vorgesetzten. Hier sind Vertrauen, regelmäßige physische Feedback-Gespräche, den Teamgeist fördernde Gruppenmeetings etc. erforder-lich. Aber auch die Qualitätskontrolle und gleichwertige Anerkennung der in Homeoffice geleiteten Arbeit sind wichtig. Nach meiner Meinung sollte eine Führungskraft – neben der eigenen Nutzung des Homeoffice, um Erfah-rungen aus erster Hand zu haben – für den direkten Kontakt mehrheitlich im Büro ansprechbar sein. Daneben ist eine moderne Unternehmenskultur wichtig, die den Mitarbeitern erst Selbständigkeit, Verantwortung und Flexibilität ermöglicht.

Das hybride Arbeitsmodell mit 2-3 Homeofficetagen in der Woche kann damit für beide Seiten Vorteile haben. Eine gewisse Verbindlichkeit und Planbarkeit muss dabei aber gegeben sein. Es sollten immer genug Kollegen/-innen im Büro anzutreffen sein, damit es sich ‚lohnt‘ für den direkten Kontakt ins Unternehmen zu kommen. Auch für regel-mäßige Gruppenmeetings ist es wichtig, dass (fast) alle anwesend sind: Hybride Meetings sind nach aller Erfahrung wenig sinnvoll. Entweder sind alle Teilnehmer remote dabei oder für wichtige Themen sollte die physische Präsenz immer vorgezogen werden.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Möglichkeit flexibel von zu Hause aus arbeiten zu können eine große Errungenschaft. Werden Rahmenbedingungen und die Erwartungen konkret vom Unternehmen geschaffen und kommuniziert, so ist es auch nicht entscheidend, ob mit detaillierten Richtlinien die Homeoffice-Zeiten vorgegeben werden oder ob es teamindividuelle Vereinbarungen gibt. Die Tendenz von Unternehmen mit grundsätzlich home-office-tauglichen Tätigkeiten, ihre Mitarbeiter/-innen wieder (fast) ganz in die Präsenz zurück zu beordern, wird hier möglichweise zu Problemen bei der Mitarbeiterbeschaffung führen. Das Homeoffice ist gekommen und zu bleiben.

In aller Kürze:

Nach dem sprunghaften Anstieg der Homeoffice-Quote in Folge der Corona-Lockdowns hält sich der Anteil der im Homeoffice tätigen Beschäftigten relativ stabil auf einem deutlich erhöhten Niveau um die 25% - etwas geringer bei kleineren und mittleren Unternehmen, deutlich höher in großen Firmen. Daneben arbeiten Dienstleister mit 34,3% am häufigsten von zu Hause aus (IT-Tätigkeiten, Unternehmensverwaltung, Versicherungen, Forschung&Entwicklung). In der Industrie sind es nur 16,9%, im Einzelhandel 8,3% und im Gesundheitswesen 6,4%. Auch im internationalen Vergleich ist die Homeoffice-Quote in Deutschland relativ hoch. Arbeitsnehmer mit Hochschulabschluss in Deutschland arbeiten durchschnittlich an 1,6 Tagen in der Woche von zu Hause, der globale Durchschnitt beträgt hier 1,2 Tage pro Woche.

Aus Sicht der Arbeitnehmer bietet das Homeoffice große Vorteile, vor allem in Bezug auf den Wegfall des Pendelweges zur Arbeitsstätte sowie einer verbesserten Work-Life-Balance mit der variableren Gestaltung der Arbeitszeiten. Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist gerade bei jüngeren Beschäftigten und solchen mit Kindern ein wichtiger Faktor. Weitere Vorteile für die Gesellschaft können Umweltaspekte sein, eine gewisse Entlastung des Wohnraumengpasses in Großstädten und ggf. weniger Krankheitstage. Für Arbeitsgeber ist daneben ein Vorteil darin zu sehen, dass weniger Bürofläche benötigt wird und die verkleinerte Fläche auch mehr für attraktive Kommunikationszonen genutzt werden können.

Bezüglich der Frage wie sich Homeoffice auf die Produktivität der Arbeitnehmer auswirkt, gibt es zwar keine eindeutigen wissenschaftlichen Ergebnisse. Die mehr auf subjektive Wahrnehmungen und Erfahrungen beruhenden Umfragen deuten aber darauf hin, dass eher von einer Produktivitätssteigerung auszugehen ist. So schätzen 54% der Arbeitsgeber nach einer PwC-Studie ihre Angestellten im Homeoffice als produktiver ein. Selbst halten sich 41% der Mitarbeiter dagegen zu Hause für produktiver. Die geringere Einschätzung hat sicher auch mit anderen, eher negativen Aspekten von Homeoffice zu tun: schlechtere Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, netto wohl eher längere Arbeitszeit als im Büro, Ablenkung in der häuslichen Umgebung, fehlender direkter Kontakt zu Kollegen/-innen, schlechtere Zusammenarbeit, evtl. geringere Wertschätzung durch den Vorgesetzten und damit Karrierenachteile.

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Aus diesen Gründen bevorzugen die meisten Arbeitsnehmer/-innen eine hybride Tätigkeit mit 2-3 Homeoffice-Tagen die Woche. Die Arbeitsgeber mit grundsätzlich homeoffice-tauglichen Tätigkeiten haben sich auch mehrheitlich darauf eingestellt. Das Angebot von flexiblen Arbeitsmodellen kann in Zeiten des Fachkräftemangels die Entscheidung für ein Unternehmen wesentlich positiv beeinflussen: Homeoffice-Möglichkeiten spielen bei der Arbeitgeberwahl für 39% der Befragten eine entscheidende Rolle. In Online-Stellenanzeigen gerade für Hochschulabsolventen ist das Angebot von Homeoffice stark von 6,6% (2019) auf 31,9% in 2023 gestiegen.

Das hybride Arbeitsmodell ist daher auch bei gegenläufigen Tendenzen einiger Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Bei einer gewissen Verbindlichkeit und Planbarkeit der Anwesenheit, geeigneten Rahmenbedingungen (Technik, häusliches Umfeld), Selbstorganisations-Fähigkeit und der entsprechenden Führungskultur (Vertrauen, enge Kontakthaltung, Unterstützung der Selbständigkeit) kann Homeoffice von im Schnitt 2-3 Tagen pro Woche für beide Seiten vorteilhaft sein. Gerade für den Teamgeist, das Knüpfen von Netzwerken sowie für die Bedürfnisse von Nachwuchskräften ist es entscheidend, dass ausreichend Kollegen/-innen und erst recht die/der Vorgesetzte regelmäßig vor Ort sind. Das gilt insbesondere für Teamsitzungen, die für wichtige Themen immer in physischer Präsenz abgehalten werden sollten.

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