erwarten, um der Wirtschaft wieder Schwung zu geben. Viele Experten sind der Meinung, dass sich unter diesen Voraussetzungen (dauerhaft höhere Inflationsraten in den USA, relativ zu anderen Märkten hohe US-Zinsen, massive steuerliche Unterstützungsleistungen der Politik, Verlage-rung vieler Produktionsstätten ausländischer Firmen in die USA) der US-Dollar sogar gut halten und wieder steigen könnte. Wenn das so käme, dann wäre das aber kontra-produktiv für das erklärte Ziel von Trump, über einen schwachen Dollar den US-Export zu stützen. Gut allerdings wiederum für die Europäer, deren Export in die USA damit wieder erleichtert und die Wirkung der US-Zölle tendenziell kompensiert wären.
Abgesehen von den ökonomischen Auswirkungen, die nicht nur negativ sind, können noch weitere ‚positive‘ Aspekte genannt werden. Zum einen ist es denkbar, dass die massiven ökonomischen Folgen der Trump‘schen Politik in den USA zu hohen Protestwellen und wirksamem Wider-stand führen. Die Börseneinbrüche verursachen schmerz-hafte Verluste für die US-Bevölkerung, deren Altersvor-sorge stark vom Aktienmarkt abhängt. Wenn sich dann noch die Konjunktur deutlich abkühlt und vor allem die Inflation in den USA merklich steigt, dann könnte der Druck auf Donald Trump so groß werden, dass er seine radikale Politik abschwächen muss.
Die Macht des Kapitalmarkts ist an dieser Stelle nicht zu unterschätzen. Zu hohe Renditen für den US-Staatshaus-halt sind wegen der massiven Verschuldung nicht zu ver-kraften. Bereits Liz Truss musste als englische Premier-ministerin bereits nach 49 Tagen zurücktreten, nachdem sie gegen den Markt versucht hatte, deutliche Steuersen-kungen finanziert nur durch höhere Verschuldung durch-zudrücken. Und die Renditen für US-Treasuries sind innerhalb eines Tages vor der gestrigen Lockerungsent-scheidung von Trump um bis zu 0,50% Prozentpunkte nach oben geschnellt (für den riesigen US-Bondmarkt sind das Welten!). Die überraschende Teilaussetzung der Zölle gestern Abend dürfte entscheidend mit auf diesen Gegen-wind zurückzuführen sein.
Auch in der europäischen Politik kann man, wenn man will, positive Auswirkungen der aktuellen globalen Unsicherheiten festmachen. Neben der durch Russland (und die Trump-USA) massiv verschlechterten Sicherheitslage müssen die Europäer jetzt auch wegen der Zoll-Bedrohungen deutlich enger zusammenrücken. Die EU-Kommission hat schon einige Maßnahmen in die Wege geleitet, um der (auch strukturellen) Schwäche der europäischen Wirtschaft entgegen zu wirken. Auch in der Zollfrage scheint es einen weitgehenden Konsens darüber zu geben, hart aber flexibel zu reagieren.
Ein großer Gewinn wäre es daneben, wenn die sich bereits über Jahre hinziehenden Verhandlungen über Handelsabkommen durch den aktuellen Druck endlich abgeschlossen werden könnten. Viele Länder und Weltregionen sitzen jetzt mit uns in einem Boot und sind an Erleichterungen im regelgebundenen Handel sehr interessiert. Mit Kanada, Südamerika (Mercusor), Indien, Indonesien oder dem Beitritt in den Handelsverbund CPTPP (Kanada, Japan, Großbritannien) etc. können wir zollreduziert mehr Handel betreiben, ohne uns gleich in die Arme von Autokraten oder China werfen zu müssen. Und die europäische Wirtschaft sollte aufgrund ihrer stabileren Rahmenbedingungen und dem freiheitlichen Leitbild auch für Unternehmensansiedlungen interessanter werden.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zur deutschen Politik. Dass sich die CDU/CSU und die SPD in ihren Koalitionsverhandlungen (zuvor auf das milliardenschwere Schuldenpaket) doch so rasch einigen konnten, hat sicher auch etwas mit dem enormen Druck zu tun, der von der globalen Situation und Trump ausgeht. Hier können wir natürlich nur hoffen, dass trotz Eile und immer noch erkennbarem Parteigeschachere gute Ansätze herauskommen, die der Wirtschaft und unserer Zukunft wirklich helfen.