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Die in den 1990er Jahren entwickelte Generationentheorie von William Strauss und Neil Howe („Generations“, 1991, „The Fourth Turning“, 1997) orientiert sich an den Lebens-phasen eines Menschen und erklärt so lange Zyklen über 80-90 Jahre einer Gesellschaft. Nach dieser Theorie er-leben viele Länder alle vier Generationen entscheidende Veränderungen mit häufig einer radikalen Transformation der gesellschaftlichen und politischen Strukturen.
Man kann diese Theorie als unwissenschaftlich bzw. esoterisch betrachten. Sie spielt aber bei den Umwäl-zungen in den USA der letzten Jahre eine große Rolle. Für Steve Bannon, Berater und kurzzeitig Chefstratege von Trump in dessen erster Amtszeit, ist sie Grundlage seiner rechtsradikalen Gesellschaftsansichten. Sie beschreibt auch recht plausibel die drei großen Generationswellen nach dem zweiten Weltkrieg. Hier nur stichpunktartig:
- die Aufbaugeneration nach dem zweiten Weltkrieg mit starken Institutionen und ausgeprägtem Sinn für Familie, Gemeinschaft und kollektiven Fortschritt (Aufstieg Amerikas zur Supermacht, Wirtschaftswunder)
- die Periode Mitte der 60er bis in die 1980er Jahre mit der Gegenbewegung zu mehr Individualismus und der Kritik an gesellschaftlichen Normen (68er-Generation)
- anschließend die Freiheits-Welle mit der Betonung der individuellen Vorteile, die durch Deregulierung zwar die Wirtschaft fördert (Globalisierung) aber auch zu großen Ungleichgewichten und Konflikten führt.
Das entscheidende ist jetzt die vierte Wendung („Turning“), die in einer krisenhaften Zuspitzung zu einer Hinwendung zu einfachen, radikalen Lösungen mit konservativer und nationalistischer Ausrichtung und dem Niederreißen alter Institutionen führt, häufig verbunden auch mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Die letzte derartige Phase machten demnach die Große Depression und der Zweite Weltkrieg aus. Strauss/Howe haben auf dieser Basis bereits in den 1990er Jahren eine Krisenphase um die Jahre 2005 bis 2025 vorausgesagt.
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