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hinausgehen, ist natürlich offen. Das hieße, dass bereits heute durch den Haushalt gedeckte Ausgaben (nachträg-lich) in den Schuldentopf verschoben würden. Das ist natürlich eine berechtigte Sorge der Kritiker. Die volle Schuldenfinanzierung der 2% des BIPs in den folgenden Jahren ist damit aber eine eher konservative Annahme. Sie ist auch nicht konform mit den europäischen Notfallklau-seln, die nur 1,5% zusätzliche Verteidigungsausgaben ohne Anrechnung auf die europäischen Schuldenregeln erlauben – und das auch nur auf 4 Jahre.
In den Hochrechnungen werden aber volle 2% als zusätz-liche Schulden unterstellt, was bei einem BIP im Jahr 2024 von 4.305,3 Mrd. Euro einer Schuldenbelastung von 86,1 Mrd. entspricht. Um dies für die nächsten Jahre hoch-rechnen zu können, ist noch eine Annahme für das jährliche BIP-Wachstum von nominal z.B. 2,5% erforderlich, was im 10. Jahr einer Schuldenbelastung von 110,2 Mrd. entsprechen würde. In Summe wären das ca. 950 Mrd. neue Schulden.
Um diese großen Zahlen besser bewerten zu können folgende Gegenüberstellungen. Inkl. des Sondervermögens Bundeswehr hat Deutschland im Jahr 2024 für die Ver-teidigung 90,6 Mrd. ausgegeben (2,1% des BIPs). Wird dieser Wert auf 3% des BIP gesteigert, so wären das heute 129,2 Mrd. Verteidigungsausgaben, was bezogen auf den öffentlichen Gesamthaushalt von Deutschland einem Anteil von 4,4% entsprechen würde. Zwei Vergleichszahlen aus der Vergangenheit: Im Jahr 2021% betrugen die deutschen Militärausgaben am Gesamthaushalt 2,1%, allerdings im Jahr 1991 auch bereits 3,9%. In den USA werden dagegen heute 7,9% des Staatshaushalts fürs Militär ausgegeben und im Kriegsland Russland an die 40%.
Eine weitere Einordnung: Die gesamte Ukrainehilfe, die Deutschland seit Kriegsausbruch geleistet hat, beläuft sich auf 14,6 Mrd. im jährlichen Schnitt, davon 9,3 Mrd. an Militärhilfe. Gesamt-Europa hat der Ukraine in diesem Zeitraum jährlich 44 Mrd. EUR bereitgestellt, die USA 38 Mrd. EUR. Man erkennt den großen Spielraum der die angenommenen jährlichen Verteidigungsausgaben von 129 Mrd. eröffnen. Ob es im Laufe der Zeit bei diesen hohen Ausgaben bleiben muss und die Verschuldung wirklich fast 1 Bill. EUR auf Sicht von 10 Jahren erreicht, halte ich zumindest für etwas zu pessimistisch.
Die Rechnung für das Sondervermögen ist dagegen einfach, die Zahl 500 Mrd. entsprechen bei linearer Ver-teilung auf die 12 Jahre einem jährlichen Verschuldungs-potenzial von 41,7 Mrd. Aber hier gilt erst recht, dass Obergrenze nicht gleich tatsächlich realisierbaren Investi-tionen entsprechen. Seit Jahren erleben wir ja, dass öffentliche Mittel gar nicht abgerufen werden, da Planungs-kapazitäten fehlen und sich Genehmigungsverfahren häufig über mehrere Jahre hinziehen. Ob die Kapazitäten in der Wirtschaft für einen derartigen Auftragsschub überhaupt zur Verfügung stehen oder geschaffen werden können (Stichwort: Fachkräftemangel) ist daneben offen. Hier besteht vielmehr die Gefahr, dass sich die höhere Staatsnachfrage bei knappem Angebot in steigenden Preisen niederschlägt, also erst mal die Inflation anheizt.
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