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NEWSLETTER 6/2025:
Die Lebensqualität deutscher Städte im weltweiten Ranking

In der letzten Newsletter-Ausgabe habe ich bereits den Lebensqualitätsindex der globalen Crowdsourcing-Datenbank Numbeo auf Länderebene vorgestellt. Deutschland zeichnet sich hier auf Platz 14 von 88 Ländern weltweit durch ein relativ ausgeglichenes Ergebnis aus, ohne große Stärken oder Schwächen in allen acht Teilkomponenten, aber auf relativ hohem Niveau. Im Vergleich zum subjektiveren Ranking Deutschlands im UN-Glücksindex zeigte sich allerdings, dass die Deutschen mit den ermittelten Lebensbedingungen eigentlich zufriedener sein müssten. In dieser Newsletter-Ausgabe nehme ich mir nun die Numbeo-Ergebnisse auf Städteebene vor.

Die Crowdsourcing-Plattform Numbeo ist nach eigenen Angaben die größte Sammlung mit von Nutzern generier-ten Daten über die Lebensbedingungen in Städten und Ländern weltweit. Neben aktuellen Informationen über die Lebenshaltungskosten werden Daten zur Kaufkraft, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Verkehr, den Haus-preisen im Verhältnis zum Einkommen, Umweltver-schmutzung und Klima erhoben, mit öffentlichen Daten kombiniert und zu einem Index zur Lebensqualität aggre-giert. Auf diese Weise wird ein umfassendes Bild über die gegenwärtigen Lebensbedingungen in 88 Ländern und 263 Städten ermittelt. Nach den Länderrankings schauen wir uns jetzt die Städterankings an.

Die Tabelle mit einer Auswahl von größeren Städten in Industrieländern zeigt Den Haag auf dem ersten Platz mit 

229,0 Indexpunkten gefolgt von der Stadt Luxemburg, Basel und Kopenhagen. Auf den ersten Plätzen liegen interessanterweise nur europäische Städte aus den Niederlanden, der Schweiz und Dänemark. Als bekanntere nichteuropäische Stadt kommt Brisbane/Australien erst auf Platz 14. Noch vor den Städten in Deutschland rangieren Helsinki, Valencia, Zürich, Seattle/USA, Wien und Melbourne/Australien. Dann kommen aber geballt die hiesigen Städte mit Frankfurt a.M. an der Spitze auf dem guten 29. Platz und dann von Platz 41 bis 51 die Städte Stuttgart, München, Düsseldorf, Nürnberg und Hamburg. Schon etwas dahinter und nach der Hauptstädten Norwegens, Spaniens und Schwedens rangiert Köln auf Platz 85 und Berlin auf 91. Platz (bereits unter der Indexbewertung für das Land Deutschland).
Hierfür nun die Erläuterung zur Farbunterlegungen in der Tabelle: Die Grüntöne stehen für eine höhere ermittelte Lebensqualität der Stadt als für das Sitzland, in Abstufungen von 3,5 bis 6,5% (hellgrün-beige), bis 10% (hellgrün), bis 15% (grasgrün) und über 15% (dunkelgrün) des Indexwerts für das Land. Als Bei-spiele sind hier die bessere Bewertung der Lebens-bedingungen in Den Haag im Vergleich zu den Nieder-landen oder von Valencia zu ganz Spanien zu nennen. Auch ist ein relativ höheres Ranking von Brisbane, Seattle, Edinburgh oder Calgary zu beobachten, die alle deutlich besser abschneiden als das jeweilige Land. Auf der anderen Seite stehen die Markierungen in aufsteigenden Rottönen für eine unterdurchschnitt-liche Bewertung der Stadt im Vergleich zum Land, bis auf Unterschreitungen von mehr als 20% (volles Rot).

Stockholm auf Platz 72 ist die erste Stadt mit einer höheren Abweichung zur Länderbewertung nach unten, noch deutlicher in San Francisco, Barcelona, Paris, London und v.a. New York. Es fällt auf, dass es sich hierbei um die großen westlichen Metropolen handelt, für die eine schlechtere Lebensqualität bescheinigt wird als für das jeweilige Land. Sie liegen damit auch am Ende meiner Städteauswahl bis auf Platz 199 für Athen mit 126,2 Indexpunkten (auf dem letzten Platz 263 landet Lagos/Nigeria mit 15,9 Punkten). Die Indexwerte für die ausgewählten Städte korrelieren insgesamt mit 

dem Indexwert des jeweiligen Landes mit dem hohen Wert von 0,88.  

Hier sind jetzt auch die acht Teilkomponenten beson-ders interessant aus denen sich der Numbeo-Lebens-qualitätsindex zusammensetzt. Bei den schlechter be-werteten Großstädten fallen besonders hohe negative Abweichungen vom Landeswert in den Kategorien Sicherheit, Lebenshaltungskosten, Immobilienpreise, Pendelzeit und Umweltzustand auf. Das ist natürlich nur plausibel. Im unteren Teil der Tabelle können auf der anderen Seite Städte wie San Francisco mit einer (relativ) guten Klimabewertung und besseren Kaufkraft als im Landesschnitt punkten. Für Toronto wird dane-ben eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Sicherheit ermittelt als für Kanada insgesamt und für Dublin sprechen u.a. günstigere Lebenshaltungskosten und eine etwas kürzere Pendelzeit.

Bei den ‚Extremwerten‘ in den Index-Komponenten in der oberen Tabellenhälfte fallen auf der negativen Seite v.a. die Pendelzeiten in Seattle, Zürich, Melbourne und Nürnberg (hier auch die Gesundheitsversorgung?) auf. Die Hauspreise sind in München besonders hoch und die Sicherheit in Frankfurt weit unter dem Landes-schnitt. Dagegen punkten München, Edinburgh und Brisbane mit der Sicherheit, Seattle mit der Kaufkraft und Edinburgh zusätzlich noch mit dem Umweltzu-stand.

Auch bei den deutschen Städten gibt es bei den ver-schiedenen Lebensqualitäts-Merkmalen damit einige signifikante Abweichungen vom jeweiligen Landeswert nach beiden Richtungen (auf Landesebene waren die Teilkomponenten ja ziemlich ausgeglichen). Umso bemerkenswerter ist, dass der aggregierte Lebens-qualitätsindex für die deutschen Städte relativ eng beieinander liegt. Frankfurt schneidet hier – etwas überraschend – trotz höherer Lebenshaltungskosten und der schlechteren Sicherheitsbewertung besonders gut ab, bedingt durch eine überdurchschnittliche Kaufkraft, Gesundheitsversorgung und die relativ geringe Pendelzeit. Kein Vergleich zu den amerika-nischen Städten mit einer enormen Streuung der insgesamt 37 US-Vertreter in der Gesamtauswertung von Platz 13 (Boise/Idaho, nicht in meiner Auswahl) bis zum Schlusslicht New York mit Platz 190. Auch hier zeigt sich die USA als Land der Extreme.

An dieser Stelle bietet sich noch ein Blick auf die weltweiten Städterankings anderer Studien an. Wikipedia listet hier inkl. Numbeo sechs verschiedene Anbieter mit den aktuellen Ergebnissen auf
(https://en.wikipedia.org/wiki/City_quality_of_life_indices) u.a. von Economist Intelligence Unit mit 140 Städten, von Mercer’s mit 241 Städten und dem ‚Happy City Index‘ mit 250 Städten). Nicht alle stellen die Ranking-plätze aller Städte kostenfrei zur Verfügung. Aber ich habe versucht die verfügbaren Ergebnisse so zu aggre-gieren, dass für alle von mir über Numbeo ausgewer-tete Städte ein durchschnittliches Ranking der fünf anderen Anbieter gegenübergestellt werden kann. In diesen Ansätzen wird i.d.R. vor allem Wert auf das soziale, kulturelle und Bildungs-Angebot, auf die Infrastruktur, öffentliche Verwaltung, Gesundheitsver-sorgung und Sicherheit, sowie auf Klima bzw. Umwelt-fragen gelegt.

Den ersten Platz im Schnitt der fünf anderen Ranking-ansätze belegt Wien, das bei Numbeo erst an 27.
Stelle der (von den Bewohnern?) selbst abgegebenen Ranking-Daten kommt. Auf Platz 2 und 3 folgen Zürich und Kopenhagen (für das Numbeo-erstplatzierte Den Haag gibt es nur von 2 der 5 Studien überhaupt Daten). München kommt in den Alternativ-Städterankings schon auf Platz sechs. Daran wird nicht zuletzt deutlich, dass in diesen Studien weniger ökonomische Ein-schränkungen bei Kaufkraft, Lebenshaltungskosten oder Immobilienpreisen wie bei Numbeo zum Tragen kommen. Daher erreichen (teure) Großstädte wie Tokio (Platz 12), Paris (Platz 22) und London (Platz 25) auch bei den anderen Rankingansätzen bessere Platzie-rungen als bei Numbeo. Hierzu gehören auch Köln mit Platz 16 und Berlin mit Platz 21.

Bei Numbeo dagegen kommen v.a. kleinere Metropolen wie Edinburgh, Stuttgart, Valencia, Düsseldorf, Ham-burg aber auch Prag, Madrid oder Barcelona besser weg. Der Korrelationskoeffizient zwischen den Rang-plätzen nach Numbeo zu den Plätzen im Schnitt der fünf anderen Anbieter beträgt 0,53. Es ergeben sich also durchaus abweichende Ergebnisse. Am nächsten zusammen liegt Numbeo noch mit dem Mercer’s Quality of Living Ranking.

Ich halte den crowdsourcing-basierten Ansatz von Numbeo jedenfalls für sehr interessant. Nicht nur wegen der Transparenz durch die Bereitstellung aller Ergebnisse auch der Teilkomponenten, des breiteren Spektrums der acht Kategorien sowie der Einbeziehung aktueller Datenpunkte einer großen Zahl direkt Betroffener. Er hätte daher nach m.E. eine größere Bekanntschaft und Verbreitung verdient.

In aller Kürze:
  • Die Crowdsourcing-Plattform Numbeo ist nach eigenen Angaben die größte Datensammlung mit von Nutzern generierten Daten über die Lebensbedingungen in Städten und Ländern weltweit. Neben aktuellen Informationen über die Lebenshaltungskosten werden Daten zur Kaufkraft, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Verkehr, den Hauspreisen im Verhältnis zum Einkommen, Umweltverschmutzung und Klima erhoben, mit öffentlichen Daten kombiniert und zu einem Index zur Lebensqualität aggregiert. Auf diese Weise wird ein umfassendes Bild über die gegenwärtigen Lebensbedingungen in 88 Ländern und 263 Städten ermittelt.
  • Die Auswertung einer Auswahl von größeren Städten in Industrieländern zeigt Den Haag auf dem ersten Platz, gefolgt von der Stadt Luxemburg. Auf den ersten Plätzen danach liegen interessanterweise nur europäische Städte aus der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark bis zum Platz 12 (Amsterdam). Danach kommen immerhin sechs deutsche Städte mit Frankfurt an der Spitze (Platz 29, direkt nach Melbourne und Wien) und dann von Platz 41 bis 51 Stuttgart, München, Düsseldorf, Nürnberg und Hamburg. Schon etwas dahinter und nach der Hauptstädten Norwegens, Spaniens und Schwedens rangiert Köln auf Platz 85 und Berlin auf Platz 91 (mit einem Indexwert schon unter der Länderbewertung für Deutschland). Weiter hinten finden sich viele große westliche Metropolen wie Tokio, Rom (Platz 162), Paris (176.), London (185.) und New York (190.), deren alle eine schlechtere Lebensqualität bescheinigt wird als für das jeweilige Land.
  • Interessant dabei die Ausprägungen in den acht Teilkomponenten des Städterankings im Vergleich zum jeweiligen Wert für das Land. Hohe negative Abweichungen fallen hier bei den Großstädten v.a. in den Kategorien Sicherheit, Lebenshaltungskosten, Immobilienpreise, Pendelzeit und Umweltzustand auf. In Deutschland sind v.a. die Hauspreise in München besonders hoch und die Sicherheit in Frankfurt unter dem Landesschnitt. Trotz einiger signifikanter Abweichungen nach oben oder unten überrascht, dass der aggregierte Lebensqualitätsindex für die deutschen Städte relativ eng beieinander liegt – bei einem Feld von 263 Städten weltweit! Frankfurt schneidet insgesamt – etwas überraschend – trotz relativ hoher Lebenshaltungspreise und der schlechteren Sicherheitsbewertung besonders gut ab, bedingt durch eine überdurchschnittliche Kaufkraft, Gesundheitsversorgung und die relativ geringe Pendelzeit.
  • Ein Vergleich der Numbeo-Rankings mit fünf weiteren weltweiten Städterankings anderer Studien zeigt doch einige abweichende Einstufungen. In diesen Studien wird i.d.R. mehr Wert soziale, kulturelle und Bildungs-Angebote sowie individuelle Wohlfühl-Indikatoren gelegt, weniger auf ökonomische Engpässe bei Kaufkraft, Lebenshaltungskosten oder Immobilienpreisen wie bei Numbeo. Damit schneiden (teure) Großstädte wie Tokio, Paris  und London, aber auch München, Berlin und Wien bei diesen Rankingansätzen besser ab. Bei Numbeo werden dagegen v.a. kleinere Metropolen wie Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg aber auch Prag und Barcelona höher gerankt. Mit der crowdsourcing-basierten Datenbasis sowie der Transparenz und Breite der Lebensqualitäts-Merkmale stellt Numbeo einen nach m.E. sehr interessanten Ansatz dar, der eine größere Bekanntschaft und Verbreitung verdient hätte
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