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NEWSLETTER 5/2025:
Die Lebensqualität in Deutschland im weltweiten Ranking

Die globale Crowdsourcing-Datenbank Numbeo ist nach eigenen Angaben die größte Plattform mit von Nutzern bereitgestellten Daten über Städte und Länder weltweit. Eingeliefert und ausgewertet werden aktuelle und zeitnahe Informationen über Lebensbedingungen wie z.B. Kaufkraft, Lebenshaltungskosten, Hauspreise, Gesundheitsversorgung, Verkehr, Sicherheit und Umweltverschmutzung. Hieraus lassen sich interessante Schlüsse über die Lebensqualität in Deutschland im weltweiten Vergleich ziehen. Rankings sind doch immer spannend, oder?

Die Crowdsourcing-Plattform Numbeo wurde 2009 vom einem ehemaligen Google-Mitarbeiter in Serbien ge-gründet, um es Privatleuten und Unternehmen zu ermög-lichen, aktuelle Informationen über die Lebenshaltungs-kosten zwischen Ländern und Städten auszutauschen und für fundiertere Entscheidungen einzusetzen. So werden
auf der Homepage derzeit die Verarbeitung von 9,3 Millionen Preisdaten von 832 Tausend Nutzern angegeben, die das Unternehmen mit Daten aus Unternehmens- und Regierungswebsites kombiniert. Nach eigenen Angaben
ist Numbeo die größte Sammlung mit nutzergenerierten Daten über Städte in der Welt und vollkommen regierungs-unabhängig.

Natürlich gibt es auch Schwächen bezüglich der Aussage-kraft von umfragebasierten Indexwerten. Insbesondere die Ergebnisse zur Kriminalität wurden von Wissenschaftlern und von den Medien als unzuverlässig und manchmal irreführend kritisiert. Klar, dass Meldungen wie ‚gefähr-

lichste Stadt‘ (aktuell in Europa: Marseille vor Coventry
und Birmingham/England, weltweit: Pretoria/Südafrika vor Caracas/Venezuela) in der Presse ausgiebig aufgebauscht und diskutiert werden. Dennoch bietet Numbeo eine gute, da aktuelle und einheitliche Vergleichsbasis und kommt gegenüber anderen Studien zur Lebensqualität in Städten zu ähnlichen und plausiblen Ergebnissen.  

Zudem werden auch ökonomische Aspekte wie Kaufkraft, Hauspreise und Lebenshaltungskosten in das Ranking mit einbezogen und die Daten außerdem auf Länderebene ausgewertet. So wird ein umfassender Lebensqualitäts-index ermittelt, der aus acht Komponenten von Unter-indizes zusammengesetzt ist: Kaufkraft, Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Lebenshaltungskosten, Verhältnis von Immobilienpreisen zum Einkommen, Pendelzeit im Verkehr, Umweltverschmutzung und Klima. Diesen Index zur Lebensqualität schauen wir uns im Folgenden mit den aktuellen Daten für einen Ländervergleich genauer an.

Die Auswertung zeigt Luxemburg auf dem ersten Platz mit 220,1 Indexpunkten gefolgt von den Niederlanden im Vergleich mit insgesamt 88 Ländern weltweit (auf dem letzten Platz ist Nigeria mit 21,1 Indexpunkten). Nach den skandinavischen Ländern und der Schweiz sowie Österreich und Australien folgt Deutschland auf Platz 14 mit 190,2 Punkten. Eine Auswahl von Industriestaaten bis zum 46. Platz ist in der Abbildung wiedergegeben, der Indexmittelwert dieser Auswahl beläuft sich auf 183,9 Punkte. Ganz hinten rangieren damit hier Kanada, Frankreich, Italien und Griechen-land.

Interessant natürlich v.a. die Teilkomponenten. Farblich dargestellt sind jeweils deutliche Überschreitungen (aufsteigende Grüntöne) und Unterschreitungen (aufsteigend bis zum rot) in Relation zur Spannweite aller 88 Werte des jeweiligen Teilindizes. Über-schreitung/Unterschreitung ist hier bezüglich der Wirkungsrichtung des jeweiligen Indizes im Sinne seines Beitrags zu einer höheren Lebensqualität gemeint. So wird die Teilkomponente Lebenshaltungs-kosten (mit negativer Wirkungsrichtung zur Lebens-qualität) bei der Schweiz mit der höchsten Rot-Farbe gekennzeichnet, da diese besonders hohe Ausprägung für einen ausgeprägt negativen Beitrag zum Lebens-standard steht. Das Extrem auf der anderen Seite ist die höchste Grün-Kennzeichnung der besonders hohen Kaufkraft in Luxemburg oder des positiven Umwelt-zustands Finnlands.

Bei den bezüglich ihrer Lebensqualität besonders hoch gerankten Ländern fallen die weit verbreiteten grün gekennzeichneten positiven Merkmale Sicherheit und Gesundheitsversorgung und hellgrün ausgeprägt die Umweltverschmutzung sowie die Pendelzeit auf. Auf der anderen Seite sind es v.a. die Lebenshaltungs-kosten, die in allen aufgeführten Ländern (bis auf Portugal) eher neutral oder negativ zur Lebensqualität in Relation zur Ausprägung aller 88 häufig günstigeren Länder beitragen. Besonders natürlich in den teuren Ländern Schweiz, Norwegen und Dänemark.

Die positive Farb-Kennzeichnung vieler Werte des Teilindizes Hauspreise in Relation zum Einkommen ist sicher erst einmal erstaunlich. Es erklärt sich aber mit der sehr hohen Spannweite aller 88 Länder in diesem Teilindex. Es gibt also eine ganze Reihe von Ländern
in denen die Erschwinglichkeit von Wohneigentum deutlich schlechter ist als in den dargestellten (west-lichen) Ländern. Das erklärt sich weniger mit dem Preisniveau für Immobilien, als vielmehr mit dem deutlich höheren Einkommen in den Industrieländern. Schon ein interessanter Befund, angesichts der viel-

fach beklagten hohen Kaufpreise für Wohneigentum
bei uns (vgl. hierzu auch den Newsletter 05/2024).

Damit sind wir bei Deutschland, das gerade auch in dieser Komponente nicht so schlecht abschneidet: teurer bei den Hauspreisen im Vergleich zum Einkommen sind u.a. Italien, Kanada, Frankreich, die Schweiz, Österreich, Griechenland und Portugal. Besonders gut kommen hier die USA mit ihren sehr hohen Einkommen weg. Ansonsten zeigt Deutschland nur noch in der Pendelzeit eine (leicht) positive Aus-prägung. Ansonsten bewegen sich die Bewertungen in den Teilkomponenten alle nahe des Mittelwerts im neutralen Bereich. Deutschland ist demnach so aus-geglichen wie kein anderes Land bezüglich dieser acht Merkmale der Lebensqualität – natürlich auf einem relativ hohen Niveau, um insgesamt auf Platz 14 zu kommen.

Noch ein Blick auf die unteres Tabellenhälfte. Diese Länder ziehen einige negative Ausprägungen v.a. in den Teilindizes Kaufkraft, Sicherheit und Gesundheits-versorgung nach unten. Kanada und UK sind daneben noch etwas teurer in der Lebenshaltung als der Schnitt und Italien fällt mit einem negativem Umweltranking auf. Noch ein Wort zum Klimaindex: Dessen Aus-prägungen sind zumindest mir am wenigsten ein-gängig: wärmere Länder scheinen hier besser bewer-tet zu werden, am schlechtesten in meiner Auswahl Kanada (insgesamt schneidet hier Kuweit am schlech-testen ab, am besten Venezuela?). Aber diese Kompo-nente ist in meiner Auswahl von Staaten mit eher gemäßigtem Klima wenig diskriminierend bzgl. der Lebensbedingungen und daher nicht so relevant.

Insgesamt sind die Ergebnisse, gerade in Bezug auf die Teilkomponenten, ziemlich plausibel. Die skandinavischen Länder schneiden (trotz höherer Lebenshaltungskosten) neben den Spitzenreitern Luxemburg und den Niederlanden insgesamt bezüglich der Lebensqualität besonders gut ab. Durch die Ein-beziehung der ökonomischen Komponenten wie der Kaufkraft, der Lebenshaltungskosten und der Haus-preise neben den in Ländervergleichen häufig vor-kommenden Faktoren wie kulturelles und Bildungs-Angebot, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Sicherheit etc., ergibt sich hier ein etwas differenzier-teres Bild z.B. der südeuropäischen Länder am unteren Ende meiner Auswahl. UK kommt noch ganz gut weg, z.B. im Vergleich zu Irland mit der dort schlechteren Gesundheitsversorgung. Frankreich schneidet v.a. wegen Sicherheitseinschränkungen überraschend schlechter ab und auch das Ranking von Kanada hätte ich besser erwartet (teuer, negatives Klima).

Quelle der Daten zum Glücksindex: World Happiness Report 2024

Neben diesem interessanten Lebensqualitäts-Ranking gibt es noch eine Reihe anderer Ländervergleiche, häufig fokussiert allein auf wirtschaftliche Gegeben-heiten wie Wirtschaftskraft, Konkurrenzfähigkeit und Einkommen. Zum Abgleich mit dem objektiveren Lebensqualitätsindex bietet sich aber das subjektive Befinden der Menschen in den jeweiligen Ländern an. Der World Happiness Report 2024 der Vereinten Nationen bietet hier eine interessante Bewertung der Zufriedenheit der Menschen in 143 Ländern weltweit. Am glücklichsten sind demnach die Finnen mit einem Indexwert von 7.741, gefolgt von Dänemark mit 7.583 Punkten. Die niedrigste Glücksbewertung in meiner Länderauswahl bekommt Griechenland mit Platz 64 

und 5.934 Punkten (weltweit am Schluss liegt Afgha-nistan mit 1.721 Punkten). Deutschland kommt in diesem World Happiness-Index auf Platz 24 mit 6.719 Punkten.

Stellt man die beiden Rankings (objektivere) Lebens-qualität und (subjektivere) Zufriedenheit gegenüber, so erhält man die in der zweiten Abbildung wiedergege-bene Beziehung für die von mir betrachteten Länder. Der Zusammenhang ist eindeutig (Korrelation von 0,73). Spannend natürlich eher die Abweichungen von der Regressionsgeraden. Unterhalb der Linie befinden sich Länder die im Vergleich zu den erhobenen Lebensbedingungen unglücklicher sind als sie es in Relation zur gemessenen Beziehung aller ausge-wählten Länder sein müssten.

Hier stechen Portugal (nur Platz 55 im Glücksranking) und Japan (Platz 51 im Glücksranking) hervor. Auch
die Spanier scheinen weniger zufrieden zu sein. Ein etwas überraschendes Ergebnis für die europäischen Südländer: Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 2010er Jahre im Zuge der Staatschulden- und Euro-Krise mit hoher Arbeitslosigkeit scheint hier weiter zu wirken. Die Erholung in Griechenland hat die Stimmung dagegen wohl schon wieder etwas verbessert.

Auf der anderen Seite die ‚glücklicheren‘ Länder in Relation zu ihren relativen Lebensbedingungen. Hier befinden sich erwartungsgemäß die skandinavischen Länder, aber auch Belgien (?), Kanada und Irland.         

Ein abschließendes Wort zu Deutschland. Die USA ganz knapp, ansonsten deutlicher UK, Tschechien, Irland, Belgien und am meisten Kanada haben sich mit ihrem Glücksempfinden im Vergleich zum Numbeo-Rang vor uns geschoben. Kein Land konnten wir in meiner Auswahl bzgl. ihrer relativen Zufriedenheit überholen. Das bedeutet also, nicht ganz unerwartet, dass die Deutschen nicht gerade zu den Menschen mit einem ausgeprägten Optimismus gehören. Ganz im Sinne meines Newsletters heißt das zusammen-fassend: Unsere Lebensbedingungen sind gar nicht so schlecht, wir haben in keinem Kriterium des Lebens-qualitätsindizes eine negative Ausprägung im Vergleich zur Peergroup. Damit könnten und sollten wir eigentlich zufriedener sein und mit höheren Konsumausgaben unsere Wirtschaft stützen. Mehr Zuversicht bitte!    

Eigentlich wollte ich hier bereits auch auf die Ergeb-nisse des Lebensqualitätsindex auf Städteebene eingehen. Das kommt angesichts der Textlänge dann eben in der nächsten Newsletter-Ausgabe.  

In aller Kürze:
  • Die Crowdsourcing-Plattform Numbeo ist nach eigenen Angaben die größte Datensammlung mit von Nutzern generierten Daten über die Lebensbedingungen in Städten und Ländern weltweit. Neben aktuellen Informationen über die Lebenshaltungskosten werden Daten zur Kaufkraft, Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Verkehr, Hauspreisen im Verhältnis zum Einkommen, Umweltverschmutzung und Klima erhoben, mit öffentlichen Daten kombiniert und zu einem Index zur Lebensqualität aggregiert. Auf diese Weise wird ein umfassendes Bild über die gegenwärtigen Lebensbedingungen in 88 Ländern und 263 Städten ermittelt.
  • Die Auswertung auf Länderebene zeigt Luxemburg auf dem ersten Platz gefolgt von den Niederlanden, Dänemark und der Schweiz. Insgesamt liegen alle skandinavischen Länder recht weit vorn. Deutschland folgt nach Australien auf Platz 14, noch vor den USA und Japan. UK kommt mit Platz 24 noch ganz gut weg. In meiner Auswahl von Industriestaaten ganz hinten rangieren Kanada, Frankreich, Italien (Platz 40) und Griechenland (Platz 46). Überrascht hat mich hier v.a. Kanada mit Platz 29 (teuer, negativer eingeschätztes Klima).
  • Interessant dabei v.a. die Ausprägungen in den acht Teilkomponenten des Lebensqualitäts-Index. Hier stechen z.B. die hohe Kaufkraft in Luxemburg und der positive Umweltzustand in Finnland hervor. Daneben fallen die weit verbreiteten positiven Merkmale Sicherheit und Gesundheitsversorgung bei den hoch gerankten Ländern auf. Auf der negativen Seite sind signifikant die höchsten Lebenshaltungskosten weltweit in der Schweiz sowie deutliche Abweichungen nach unten bzgl. der Kaufkraft in Portugal und Griechenland, in der Sicherheit in Frankreich, in der Gesundheitsversorgung in Irland und in der Umweltverschmutzung in Italien.
  • Überraschend das überdurchschnittlich gute Abschneiden aller dargestellten Industriestaaten beim Kriterium Hauspreise zum Einkommen. Aufgrund der deutlich höheren Einkommen in diesen Ländern ist die Erschwinglichkeit von Wohneigentum – trotz der vielfach beklagten hohen Kaufpreise – immer noch deutlich besser als in vielen ärmeren Ländern weltweit (vgl. Newsletter 05/2024).
  • Deutschland weist in allen Lebensqualitäts-Teilkomponenten eine ziemlich ausgeglichene Bewertung auf, neben der leicht positiv ausgeprägten Pendelzeit werden keine ausgeprägten Stärken oder Schwächen ausgewiesen – natürlich auf einem relativ hohen Niveau. Der Vergleich dieses (objektiveren) Lebensqualitätsrankings mit dem (subjektiveren) Glücksindex der UN zeigt aber, dass die Deutschen angesichts der tatsächlichen Lebensbedingungen eigentlich zufriedener sein müssten. Hier könnten sie sich ein Beispiel an den skandinavischen Ländern, aber auch Belgien, Kanada und Irland nehmen, deren Bewohner relativ ‚glücklicher‘ sind als es ihrem Ranking nach Lebensqualität entsprechen würde. Mehr Zuversicht bitte!
Hinweise: 

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