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NEWSLETTER 4/2025:
Deutschland hat fiskalischen Spielraum für die dringend erforderlichen Zukunftsinvestitionen

Eines der wichtigsten aktuellen Themen, deren Bearbeitung leider ein paar Zeilen mehr benötigt, ist die Frage wie der Staat die dringend erforderlichen Investitionen in die Zukunft Deutschlands finanzieren soll. Über die Notwendigkeit der Aufnahme weiterer Staatschulden und die Aussetzung bzw. Reform der Schuldenbremse wird in letzter Zeit eine erbitterte Diskussion geführt, die letzten Endes zum Platzen der Ampelregierung geführt hat. Gleichzeitig steigt in anderen Ländern wie Frankreich und den USA die Staatsverschuldung erheblich. Ist es da sinnvoll, weiterhin einen restriktiven Kurs bei den deutschen Staatsfinanzern zu fahren?

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Zahlen bitte! Nr. 4
Der Blick auf die Höhe der Staatsverschuldung der G7-Länder in Relation zu dem jeweiligen BIP zeigt ein frappierendes Auseinanderlaufen. Deutschland liegt mit einer Schuldenstandquote von 63% weit unter den Werten der anderen großen Industriestaaten. Japan mit Staatsschulden von 251% in Relation zur Wirtschafts-leistung sticht da heraus, ist aber auch ein Sonderfall: Die japanischen Staatsschulden werden zu etwa 90% von Inländern gehalten, davon allein über die Hälfte von der japanischen Notenbank. Da die Zinsen in Japan über Dekaden sehr niedrig waren und die Verbraucher an die Stabilität ihrer Währung glaubten und eifrig sparten, ist die hohe Staatsverschuldung bis heute kein Problem. Die Finanzierung der Staatsschulden durch die Druckerpresse der Notenbank ist aber nicht ohne Risiko und das japanische Modell kaum auf andere Länder übertragbar.
Daneben sind die Vereinigten Staaten ein besonderer Fall. Betrug die Schuldenstandquote in der 2000er Dekade noch im Schnitt 65% so ist die US-Staatsverschuldung im Zuge der Finanzkrise 2008/09 und der Corona-Bekämpfungs-maßnahmen sprunghaft auf über 100% angestiegen: Unterstützt auch durch die amerikanische Notenbank, die fleißig Staatsschuldentitel zur Stützung der Wirtschaft und Absenkung der Kreditzinsen aufkaufte und damit die Schuldenaufnahme erleichterte. Daneben trieb Donald Trump in seiner ersten Amtsperiode die Staatsschulden durch massive Steuersenkungen in die Höhe und stellt für seine zweite Amtszeit weitere Konjunkturimpulse zu Lasten des Staatshaushalts in Aussicht. Erwartet wird daher ein US-Defizit von 130-140% in Relation zum BIP bis ins Jahr 2029 (und damit „italienische Verhältnisse“). 

Das ist aber für die Vereinigten Staaten solange kein größeres Problem, bis an der Stärke der US-Wirtschaft und der Dominanz des US-Dollars keine Zweifel aufkommen. Bisher fließen immer zuverlässig große Anlagebeträge aus dem Ausland in die USA die das Staatsdefizit zu tragbaren Zinsen zu finanzieren erlauben und der Dollarkurs wird durch die systematische internationale Nachfrage anhaltend gestützt. Bleibt das Vertrauen in die Stabilität  

der Vereinigten Staaten erhalten (woran erste Zweifel erlaubt sind) und die Marktzinsen auf einem vernünftigen Niveau, so kann auch das hohe Staatsdefizit im Fall der USA weiterhin finanziert werden.

Auch in anderen G7-Staaten ist die Staatsschuldenquote in den letzten Jahren deutlich gestiegen. So in Frankreich von 94% im Schnitt der 2010er Dekade auf aktuell 112% und in Großbritannien von 85% in den 2010er-Jahren bis auf 102% in 2024. In beiden Ländern wird ein weiterer Anstieg auf 124% bzw. 108% bis 2029 erwartet. In Deutschland ist die Schuldenstandquote, trotz des vorübergehenden Anstiegs während der Corona-Stützungsmaßnahmen auf 69%, heute mit 63% wieder deutlich unter den Werten der 2010er-Krisenjahre von bis zu über 80%. Deutschland konnte sich dem Trend einer immer höheren Staatsver-schuldung in den letzten Jahren also erfolgreich entziehen. In der Projektion des Finanzministeriums aus dem April 2024 könnte die deutsche Staatsschuldenquote sogar in den kommenden Jahren weiter in Richtung des Maastricht-Kriteriums von 60% zurückgehen. Auch der IWF erwartet für das Jahr 2029 einen Staatsschuldenstand von nur 58% für Deutschland.

Quelle: Bundesfinanzministerium, Entwicklung der öffentlichen Finanzen, 15.07.2024

Bei der Festlegung der Schuldenobergrenze auf 60% im Maastrichter Vertrag zur Wirtschafts- und Währungsunion in Europa im Jahr 1992 orientierte man sich einfach am Durchschnitt der damals beteiligten EU-Länder. Die USA kamen 1992 auf eine Schuldenquote von 69%, Frankreich auf 41% und Großbritannien nur auf 33%. Eine wissen-schaftlich begründete Obergrenze für die Staatsver-schuldung gab es weder damals noch heute. Im Jahr 2010 erschien allerdings eine vielfach zitierte empirische Studie von Reinhart/Rogoff, dass Schuldenquoten über 90% schädlich für das Wirtschafswachstum seien. Diese Studie hatte erheblichen Einfluss auf die weltweite Diskussion um eine angemessene Fiskalpolitik, bis sich im Jahr 2023 herausstellte, dass sich die Wissenschaftler verrechnet hatten (das ist kein Witz)!

Was ist also so schlecht bzw. schädlich an (zu) hoher Staatsverschuldung? Eine große Nachfrage des Staates nach Kapital lässt zunächst einmal deren Preis, den Zins, tendenziell steigen. Unter Umständen werden auch private Kreditnehmer und Unternehmen verdrängt, was den Investitionen und damit der Konjunktur schaden kann. Mit steigenden Zinsen und höherer Verschuldung wird auch der Schuldendienst für den Staat teurer, d.h. immer größere Anteile des Staatshaushalts werden für Zinszahlungen benötigt und verringern das Potenzial für die eigentlichen Staatsausgaben bzw. in kommenden Krisen ausreichend gegensteuern zu können. So ist z.B. der Anteil des Schuldendienstes am US-Haushalt (Zinslastquote) von 8,3% im Jahr 2020 auf 12,7% in 2024 gestiegen – das ist ein höherer Anteil als für die gesamten Militärausgaben. In Deutschland verharrt die Zinslastquote dagegen seit mehreren Jahren deutlich unter 2%, nachdem sie in den 1990er Jahren zum Beispiel zwischen 3 und 4% lag.

Steigen die Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftskraft zu stark an (z.B. in Zeiten von explodierenden Staatsaus-gaben im Zuge von Kriegen etc.) kann auch das Vertrauen in eine gesamte Volkswirtschaft bzw. Währung verloren gehen. Der Staat kann sich dann häufig nur noch über eine ‚Weginflationierung‘ der Schulden zu retten versuchen, was letztendlich in einem Staatsbankrott münden kann. Aber auch ohne Hyperinflation und Währungsschnitt muss ge-fragt werden, wie die Schulden in Zukunft regulär zurück-gezahlt werden können. Solange auslaufende Schulden-titel immer wieder durch neue Schuldenaufnahme zu 

tragfähigen Zinsen ersetzt werden können, kommt es nicht zum Schwur. Da dies aber unsicher ist kann es zu einer hohen Belastung der Zukunft durch Einschränkung des Handlungsspielraums späterer Generationen kommen.

Allerdings ist in der Regel gar nicht die Staatsverschuldung an sich das Problem, entscheidend ist vielmehr wofür das Geld ausgegeben wird. Ein Großteil der Staatsausgaben fließt in (Konsum-)Ausgaben die keine dauerhaften Werte schaffen wie die allgemeine Verwaltung, die Transfer-leistungen, die Gewährleistung der Sicherheit, der öffentlichen Ordnung und Gesundheit. Auf der anderen Seite schaffen öffentliche Investitionen auch Vermögens-werte mit einem anhaltenden Nutzen, wie z.B. Ausgaben für Infrastruktur, Bildungseinrichtungen, Versorgungsnetze etc.. Eine Verschuldung zu Investitionszwecken in dauer-hafte öffentliche Güte kann also sinnvoll sein. So wurde früher über die sogenannte „goldene Regel der Finanz-politik“ begründet, dass eine Schuldenaufnahme in Höhe der Staatsinvestitionen gerechtfertigt sei.

Aber was sind sinnvolle öffentliche Investitionen? Gehört die Verteidigung dazu, dann kann das berühmte Sonder-vermögen Bundeswehr in der Tat auch so bezeichnet werden, da den Ausgaben auch der Wert der Landes-sicherheit gegenübersteht. Und Bildungsausgaben gehören doch unbestritten auch zu den Zukunftsinvestitionen. Oder Ausgaben für den Klimaschutz und die Transformation, die den zukünftigen Generationen bessere Lebensgrundlagen sichern sollen…

Man erkennt schon, dass die Gleichung gute Verschuldung nur für Zukunftsinvestitionen zwar richtig, aber in der Praxis schwer anzuwenden bzw. zu kontrollieren ist. Politiker neigen nun mal dazu, alle möglichen Wohltaten als Investi-tionen zu bezeichnen um den fiskalischen Spielraum immer weiter auszudehnen. Daher wurde die berühmte Schulden-bremse in Deutschland erfunden, die 2009 von der dama-ligen Großen Koalition mit 2/3-Mehrheit ins Grundgesetzt geschrieben wurde. Die gesetzte Obergrenze für die strukturelle Neuverschuldung des Bundes auf 0,35% des deutschen BIP – abgesehen von Krisensituationen – ist allerdings genauso ‚willkürlich‘ wie die Maastricht-Kriterien:  Sie läuft bei normalen Inflationsraten um die 2% und schon moderatem Wirtschaftswachstum darauf hinaus, dass der Stand der Staatsverschuldung laufend sinkt.

Quelle: Agenda Austria, 28.02.2024 

Der Bund erzielte dann in den Jahren 2014 bis 2019 in wirtschaftlich guten Jahren sogar Haushaltsüberschüsse, die den Schuldenstand wie oben dargestellt tatsächlich absenkten. Stark mitgeholfen in diesem Zeitraum haben natürlich auch die historisch niedrigen Zinsen für die Emission neuer Staatsanleihen. Rückblickend wurde diese Periode damit auch nicht ausreichend genutzt, um dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur, zur Bekämpfung des Klimawandels und generell in die Zukunft Deutschlands zu finanzieren - mit einem Zinsaufwand von teilweise unter Null! Nicht umsonst werden diese Zeiten der Merkel-Regierung aus heutiger Sicht häufig als ‚verschenkte Jahre‘ angesehen.

Die Schuldenbremse kann für die mangelnden Investitionen in dieser Zeit nicht direkt verantwortlich gemacht werden, eher schon das Bestreben nach der „schwarzen Null“ in den Zeiten der Großen Koalition bis zum Ausbruch der Corona-Krise. Dennoch muss heute gefragt werden, ob die vor 15 Jahren gewählten Parameter noch in die heutige Landschaft passen. Das Maastricht-Kriterium für den Staatsschuldenstand auf europäischer Ebene scheint angesichts der eher weiter steigenden Schulden großer europäischer Länder um uns herum kaum mehr realistisch. Und in Deutschland hat sich angesichts der Defizite in Infrastruktur und Bildung, der Herausforderungen des Klimawandels und der strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft ein enormer Investitionsbedarf aufgebaut. Mit den akuten Konflikten und Kriegen in unserer Nachbarschaft kommen die deutlich höheren Belastungen aus den Ausgaben für die Landesverteidigung, aber auch die innere Sicherheit und für die Bewältigung des Flüchtlingsstroms nach Europa noch hinzu.

Nicht verwunderlich und auch von überragender Bedeutung ist daher die Diskussion um die Schuldenbremse und die Notwendigkeit der Aufnahme neuer Schulden zur Bewäl-tigung dieser Herausforderungen. Eine Schuldenbremse
an sich hat ohne Zweifel ihre positiven Aspekte, die Politik zu disziplinieren und die Staatsfinanzen langfristig in Ordnung zu halten. Die aktuellen Vorgaben sind aber nach Meinung auch vieler Wissenschaftler und Institutionen zu restriktiv und sollten zumindest moderat an die neuen Bedingungen angepasst werden.

Konkrete Vorschläge hierzu sind zum Beispiel von der Deutschen Bundesbank, dem Sachverständigenrat und von verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten sowie dem  

IWF gemacht worden. Zumindest sollten konjunkturelle Schwächephasen und Krisensituationen über einen mehrjährigen Horizont bekämpft werden können sowie der aktuelle Staatsschuldenstand und v.a. die Zinslastquote mit in die Festlegung des zugelassenen Verschuldungs-spielraums einfließen. Umso unverständlicher, dass weder die Ampelregierung noch die Union jetzt zusammen mit Rot-Grün die Mehrheitsverhältnisse im Deutschen Bundes-tag genutzt haben, um eine gewisse Öffnung der Schulden-bremse zu beschließen. Die Parteien werden es noch bitter bereuen, wenn die erforderliche 2/3-Mehrheit im deutschen Bundestag nach der Wahl im Februar verloren gehen sollte.

Ein weiterer Aspekt der im europäischen und weltweiten Kontext nicht vernachlässigt werden darf: Wenn alle um uns herum sich weiter verschulden und wir über die Massen im Staatshaushalt sparen, dann finanzieren wir die Schulden der anderen indirekt mit. Die europäische Währung ist nicht zuletzt deshalb stabil, weil Deutschland als Stabilitätsanker im Euro-System fungiert. Das hat natürlich ihren Wert, führt aber dazu, dass andere weniger stabilitätsorientierte Länder sich zu einem geringerem Zinsniveau weiter verschulden können als ohne den Euro und dass das tendenziell dadurch höhere Inflationsniveau die Schuldenrückzahlung erleichtert. Uns kostet das aber Wohlstand und Zukunftssicherheit, da die notwendigen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft und staatlichen Investitionen z.B. in die Transformation nicht in aus-reichendem Maß getätigt werden.

Gerade für die Deutschen sind Staatsverschuldung und zu hohe Inflationsraten sehr sensible Themen. Aber ange-sichts des großen Investitionsstaus, der vor uns liegenden massiven Herausforderungen und der generell höheren Staatsverschuldungsquoten um uns herum können und müssen wieder mehr in die Zukunft unseres Landes investieren – auch um den Preis einer wieder etwas höheren Staatsverschuldung. Sehen wir es doch als große Chance an, das vorhandene Potenzial aus dem relativ geringem Ist-Schuldenstand zu nutzen, jetzt wo es dringend erforderlich ist. Damit kann für die zukünftigen Generationen eher mehr Positives getan werden, wenn zusätzliche Mittel – am sinnvollsten durch klare definierte neue Sondervermögen - zielgerichtet in die großen Herausforderungen investiert werden. Gerne begrenzt durch eine weiterentwickelte Schuldenbremse, um ausgabefreudige Politiker dauerhaft einzubremsen.

In aller Kürze:
  • Deutschland liegt mit einer Schuldenstandquote von 63% weit unter den Werten der anderen großen Industriestaaten. Japan mit Staatsschulden von 251% in Relation zur Wirtschaftsleistung ist dabei ein Sonderfall. Bedenklich aber v.a. die USA mit in den letzten 15 Jahren stark steigenden Staatsschulden, die sich in den nächsten Jahren italienischen Verhältnissen mit einer Quote um die 130-140% zu nähern drohen. Und Frankreich liegt auch bereits bei einer Schuldenquote von 112% mit deutlich steigender Tendenz. In Deutschland konnte die Schuldenstandquote dagegen in den wirtschaftlich guten Zeiten der ersten Jahre der Großen Koalition sowie nach den Corona-Verwerfungen sogar reduziert werden und nähert sich zunehmend dem Maastricht-Kriterium von 60%.

  • Unstrittig hat eine überbordende Staatsverschuldung schädliche Auswirkungen auf die Stabilität einer Wirtschaft und einer Währung: Eine hohe Nachfrage des Staates nach Kapital lässt das Zinsniveau steigen, was Investitionen sowie den Schuldendienst für den Staat verteuert. So gehen z.B. in den USA bereits 12,7% des gesamten Staatshaushalts für Zinszahlungen auf die aufgenommenen Mittel drauf (die deutsche Zinslastquote verharrt seit mehreren Jahren deutlich unter 2%). Bei einer zu hohen Belastung und immer weiter steigender Verschuldung allein um auslaufende Staatsschuldentitel laufend teurer zu ersetzen, kann es zu einer bedenklichen Geldentwertung bis hin zu einem kompletten Vertrauensverlust in einen Staat bzw. einer Währung kommen.

  • Eine wissenschaftlich begründete Obergrenze für die Staatsverschuldung gibt es allerdings nicht. Einigkeit besteht zwar darin, dass öffentliche Investitionen mit anhaltendem Nutzen, wie z.B. Ausgaben für Infrastruktur oder Bildungseinrichtungen, eine Schuldenaufnahme rechtfertigen. Aber was sind sinnvolle öffentliche Investitionen, gehört auch die Verteidigung dazu, oder generell Bildungsausgaben und Ausgaben für den Klimaschutz? Aus diesem Grund heraus wurde in Deutschland im Jahr 2009 die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse ersonnen. Diese setzt aber so enge Grenzen, dass sie im Normalfall eine laufend rückläufige Staatsschuldenquote bewirkt. So wurden dann auch die wirtschaftlich guten Zeiten sehr geringer bzw. negativer Zinsen vor der Corona-Krise aus heutiger Sicht viel zu wenig für eine staatliche Schuldenaufnahme genutzt, die dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur, die Transformation und generell in die Zukunft Deutschlands ermöglicht hätte.

  • Angesichts des entstandenen Investitionsstaus und der enormen Herausforderungen z.B. aus dem Klimawandel und mit den neuen Sicherheitsbedrohungen aus dem Ukraine-Krieg etc. wird in Deutschland erbittert darüber diskutiert, ob hierfür eine erhöhte Schuldenaufnahme gerechtfertigt ist. Die meisten Wissenschaftler und Institutionen wie die Bundesbank oder der Sachverständigenrat sind sich darin einig, dass eine moderate Erhöhung des Schuldenspielraums erforderlich ist und dafür auch die Schuldenbremse flexibilisiert werden sollte. Diese Einsicht wird leider (noch) nicht von der Union und erst recht nicht von der FDP geteilt und damit das Risiko nicht ausreichender Mehrheiten für Grundgesetzänderungen im nächsten Bundestag eingegangen.

  • Mit der weiter steigenden Verschuldung vieler Länder um uns herum laufen wir mit unserer strikten Stabilitätsorientierung auch zunehmend Gefahr die Dummen zu sein: Wir finanzieren die hohe Verschuldung dieser Länder bereits indirekt mit, da alle Euro-Länder von den geringeren Marktzinsen mit Deutschland als Stabilitätsanker profitieren. Uns kostet das aber Wohlstand und Zukunftssicherheit, die notwendigen Maßnahmen dadurch nicht in ausreichendem Maß tätigen zu können. Wir sollten das vorhandene Potenzial aus dem relativ geringem Ist-Schuldenstand daher als Chance begreifen und nutzen, jetzt wo es dringend erforderlich ist. Damit kann für die zukünftigen Generationen eher mehr Positives getan werden, wenn zusätzliche Mittel – am sinnvollsten durch klare definierte neue Sondervermögen - zielgerichtet in die großen Herausforderungen investiert werden.
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