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NEWSLETTER 3/2025:
Was hat Deutschland vom Euro und von der Europäischen Union?

Deutschland ist nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU der mit Abstand größte Nettozahler in den EU-Haushalt. Im Jahr 2023 betrug das buchhalterische Defizit 17,4 Mrd. Euro (2022 waren es noch 19,7 Mrd.). Erst deutlich dahinter mit 9 Mrd. Euro folgte als nächster Nettozahler Frankreich. Kann man die Vor- und Nachteile der europäischen Gemeinschaft nur am rechnerischen Saldo der Einzahlungen und der direkt erhaltenen Leistungen aus dem EU-Haushalt festmachen?

Zunächst erhält Deutschland natürlich wie alle an-
deren Länder nach definierten Kriterien auch Rückflüsse aus den Förderprogrammen der EU. Im Jahr 2023 waren dies Leistungen in Höhe von 10,2 Mrd. für die deutsche Landwirtschaft und aus dem Kohäsionsfonds. Von letzterem profitieren struktur-schwächere Regionen in Deutschland, etwa in den ostdeutschen Bundesländern. Und von jedem Euro, den Deutschland in den Topf zur gemeinsamen Agrar-politik einzahlt, fließen 49 Cent als Förderung für die heimische Landwirtschaft zurück.   

Bezieht man die Nettozahlung an die EU auf die Einwohnerzahl, so liegt gar nicht Deutschland mit 206 Euro pro Kopf im Jahr 2023 vorne, sondern Irland mit 236 Euro/Kopf. Auch ein anderes Bild zeigt sich in Relation zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, wenn man die Nettozahlungen an den EU-Haushalt mit dem Extrahaushalt der im Rahmen der Next Generation
EU aufgenommenen Schulden zusammenzählt. Die höchsten Nettozahlungen leisteten demnach mit
knapp 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE)

die Niederlande, Irland und dann erst Deutschland.
Je Einwohner und in Prozent zum BNE profitierten dagegen in den letzten Jahren insbesondere die baltischen Staaten und die Balkanländer von den Finanztransfers der EU.

Über die reinen Nettozahlungen/-transfers hinaus müssen natürlich die gesamten Vorteile bzw. Belas-tungen aus dem EU-Zusammenschluss betrachtet werden. Verschiedene wissenschaftliche Studien
haben schon vor Jahren gezeigt, dass Deutschland wirtschaftlich ein großer Profiteur des EU-Binnen-marktes ist. Gemäß einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2019 profitieren die Deutschen von allen europäischen Staaten mit 1.046 Euro Mehreinkom-
men pro Jahr am meisten. Im Falle einer Auflösung
der EU würde das BIP um 5,2% zurückgehen, wie Forscher des ifo-Instituts 2023 gezeigt haben. Und auch bezüglich des EURO kommt eine cep-Studie zu dessen 20-jährigem Jubiläum zu dem Ergebnis, dass Deutschland am meisten von der Euro-Einführung profitiert hat, von 1999 bis 2017 in Höhe von 1,9 Billionen Euro oder rund 23.000 Euro je Einwohner.

Woher kommen diese überaus positiven Ergebnisse
für uns? Hier muss man sich vor allem gegenwärti-
gen, dass Deutschland nicht nur ein Exportland ist, sondern der Hauptteil der gesamten Ausfuhren auch mit 54,2% im Jahr 2023 in die anderen 26 Mitglied-staaten der EU gehen. Zählt man ganz Europa zusammen (Großbritannien war ja zumindest mal in
der EU) so gehen sogar 67,8% unserer Exporte in diese Nah-Region. Die USA nehmen 10,1% unserer gesamten Exporte ab und 6,2% gehen nach China. Diese Zahlen relativieren etwas den Eindruck, unser Wohl und Wehe als Exportnation hinge allein von
China und den USA ab.

Nein, die europäische Gemeinschaft ist viel wichtiger für uns. Dem europäischen Binnenmarkt haben sich
ja auch noch weitere Länder wie Island, Norwegen
und die Schweiz angeschlossen – dem größten barrierefreien und integrierten Wirtschaftsraum der
Welt mit mehr als 500 Millionen Bürgerinnen und Bürgern (ohne UK-Einwohner gerechnet). Sie ziehen alle den Vorteil aus dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen. Innerhalb
der EU bestehen keine Zollschranken oder sonstigen Hindernisse. Die Harmonisierung durch Richtlinien
und Normen erlaubt es den Unternehmen einheitlich
für den gesamten riesigen Markt zu produzieren. Zusätzlich wirkt sich die gemeinsame Währung positiv auf den freien Warenverkehr aus. Vor der Einführung des EURO behinderten noch Unsicherheiten aus Wechselkursschwankungen den Handel.

So werden heute Waren und Dienstleistungen in der EU im Gesamtwert von 17 Billionen Euro produziert. Davon steuert Deutschland ein BSP von 4,1 Billionen
in 2023 bei. In Relation zur Wirtschaftsleistung der gesamten Welt wäre das für Deutschland allein

gerade mal ein Anteil von 4,3%. Diese zeigt die große wirtschaftliche und damit auch politische Bedeutung des europäischen Zusammenschlusses. Die vereinig-
te EU kommt auf einen Anteil am Welthandel von 16,1% im Jahr 2023 (mit UK kämen noch 4,3% dazu). Die USA steuern dagegen ‚nur‘ 13,5% zum Welthan-
del bei, China auch nicht mehr, sondern prozentual
den gleichen Wert.

Gerade Deutschland profitiert mit seinem besonders hohen Exportanteil überproportional vom Europäi-schen Binnenmarkt. Die Exportquote der Ausfuhren
am deutschen BIP betrugen 48% im Jahr 2023. Zum Vergleich betrug die Exportquote von Spanien 39%, von Italien 35% und von Frankreich 34%. Was uns derzeit natürlich auch Probleme bereitet, da die Glo-balisierung durch die vielfachen protektionistischen Tendenzen zurückgedrängt wird und China wirt-schaftlich schwächelt. Aber gerade da hilft uns auch, dass viele europäische Absatzländer und v.a. die
USA besser dastehen. Nicht umsonst erreicht der deutsche Aktienmarkt trotz wirtschaftlicher Stagnation in Deutschland Höchststände.

Weltbruttoinlandsprodukt in Milliarden US-Dollar, nach Regionen und Staaten 1992 und 2022 

Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Online-Datenbank: UNCTADstat (11/2023)

Die positiven Effekte für Deutschland haben auch viel mit der Einführung des EURO als gemeinsame Währung zu tun. Die EZB hat ihre Geldpolitik nur
noch an den wirtschaftlichen Gegebenheiten und der Inflation von ganz Europa auszurichten. In Folge der Finanz- und Staatsschuldenkrise in den 2010er
Jahren musste die EZB einen sehr aggressiven Kurs fahren und die Zinsen sehr weit bis in Negative
senken, um die Wirtschaft und einige Euro-Länder
zu stabilisieren. Die Bundesbank für sich allein hätte mit Blick auf die deutsche Wirtschaft die Zinsen wohl nicht so weit abgesenkt (die US-amerikanische Notenbank FED blieb immer im positiven Leitzins-bereich).

Die EZB-Politik hat der Wirtschaft damit direkt mit den extrem niedrigen Finanzierungszinsen geholfen. Daneben aber auch den EURO-Wechselkurs ge-
drückt. Genau davon haben die deutschen Exporte zusätzlich profitiert, da die Unternehmen ihre Waren
im Ausland außerhalb des Euro-Raums günstiger absetzen konnten.

Das geschieht derzeit wieder: Mit der weiterhin
starken US-Wirtschaft und den erwarteten Impulsen durch die Trump-Regierung wird der US-Dollar
stärker. Größere Gefahren aus einer importierten Inflation gehen davon derzeit nicht aus. Im Gegenteil kann die EZB nach Überwindung des enormen Inflationsschubs der letzten Jahre die Leitzinsen deutlicher absenken als die US-Notenbank. Alles positive Impulse für die deutsche Wirtschaft.

Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion ist damit entgegen aller kritischer Stimmen ein großer Erfolg. Nicht nur rein wirtschaftlich, sondern trotz aller Streitigkeiten v.a. auch gesellschaftspolitisch und als starkes Symbol der Einigung Europas. Man stelle sich nur vor, wie wir heute dastehen würden bei den welt-weiten Bedrohungen durch all die politischen Span-nungen, Kriege und wirtschaftlichen Abschottungs-tendenzen, wenn Europa allein aus eigennützigen, kleinen Nationalstaaten bestehen würde.

Was herauskommt, wenn man nur auf die reinen Nettozahlungen in den EU-Haushalt schaut und
meint, ohne alle Vereinheitlichungen bei den Regu-larien und Normen besser allein zu wirtschaften,
kann man plastisch am Beispiel des Brexits sehen:
Pro Kopf der Bevölkerung lag das reale BIP von Großbritannien 2023 nur um 3,8% über dem Wert
des Jahres 2016 der Brexit-Entscheidung. In der EU war der Anstieg im gleichen Zeitraum mit +11,0%
fast dreimal so hoch.

Zum Glück beurteilen eine klare Mehrheit von 70%
der Deutschen die EU-Mitgliedschaft von Deutschland als positiv. Europaweit sehen das 72% der Befragten für ihr Land so (Eurobarometer-Umfrage 2023). Bei jungen Menschen in Deutschland zwischen 15 und 24 Jahren ist der Anteil derer, die Vorteile in der EU-Mitgliedschaft sehen, mit 84% besonders hoch. Besonders die Möglichkeit, frei reisen, arbeiten und studieren zu können, die einheitliche Währung und
der langanhaltende Frieden werden als besonders positiv wahrgenommen.

In aller Kürze:
  • Deutschland ist mit 17,4 Mrd. Euro im Jahr 2023 mit Abstand größter Nettozahler in den EU-Haushalt. Darin enthalten aber auch erhebliche Rückflüsse in Höhe von 10,2 Mrd. Euro, die direkt der deutschen Landwirtschaft und strukturschwächeren Regionen wie z.B. den ostdeutschen Bundesländern zu Gute kommen. Bezieht man die Nettozahlungen an die EU auf die Einwohnerzahl oder auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wie dem Bruttonationalprodukt, so liegen andere Länder wie Irland oder die Niederlande noch vor Deutschland.

  • Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt haben ist Deutschland wirtschaftlich ein großer Profiteur des EU-Binnenmarktes. So würde z.B. im Falle einer Auflösung der EU das BIP um 5,2% zurückgehen, wie Forscher des ifo-Instituts 2023 gezeigt haben. Das liegt vor allem daran, dass der Hauptteil der deutschen Ausfuhren mit 54,2% im Jahr 2023 in die anderen 26 Mitgliedstaaten der EU gehen. Der Exportanteil nach ganz Europa beträgt sogar 67,8%. Die USA nehmen 10,1% unserer gesamten Exporte ab und ‚nur‘ 6,2% gehen nach China.

  • Der europäische Binnenmarkt, dem sich ja noch weitere Länder wie Island, Norwegen und die Schweiz angeschlossen haben – stellt den größten barrierefreien und integrierten Wirtschaftsraum der Welt mit mehr als 500 Millionen Einwohnern dar. Sie ziehen alle den Vorteil aus dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen ohne jegliche Zollschranken. Durch die gemeinsame Währung behindern auch keine Unsicherheiten aus Wechselkursschwankungen mehr den Handel. Gerade die deutsche Exportwirtschaft hat während der langen Niedrigzinsphase des 2010er Jahrzehnts stark von der expansiven Geldpolitik der EZB profitiert, die den EURO-Wechselkurs gedrückt hat. 

  • Insgesamt ist die europäische Wirtschafts- und Währungsunion damit entgegen aller kritischer Stimmen ein großer Erfolg. Nicht nur rein wirtschaftlich, sondern trotz aller Streitigkeiten v.a. auch gesellschaftspolitisch und als starkes Symbol der Einigung Europas. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungen durch all die politischen Spannungen, Kriege und wirtschaftlichen Abschottungstendenzen. Deutschland für sich allein mit einem Anteil von gerade mal 4,3% am Weltsozialprodukt wäre hier allein ziemlich ohnmächtig. Welche Folgen es hat aus der EU auszusteigen zeigen sehr deutlich die wirtschaftlichen Nachteile des Brexits für Großbritannien. Zum Glück sehen eine klare Mehrheit von 70% der Deutschen die EU-Mitgliedschaft von Deutschland als positiv an.
Hinweise: 

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