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NEWSLETTER 02/2025:
Deutschland ist ein Einwanderungsland - und das ist gut so

Nie wäre Deutschland das geworden was es heute ist ohne die vielen Zuwanderer und Befruchtungen von außen. Das Thema Migration ist natürlich in den letzten Jahren sehr kontrovers geworden. Aber in einer größeren und historischen Perspektive hat Deutschland nicht nur von der Integration verschiedener Völker und Kulturen profitiert, sondern war häufig geradezu auf Zuwanderung angewiesen.

Erst mal ein paar Zahlen: Im Jahr 2023 lebten 24,9
Mio. Menschen in Deutschland mit Migrationshinter-grund, das sind 30% der Gesamtbevölkerung.
Davon sind allerdings (bereits) 12,4 Mio. Deutsche,
d.h. Eingebürgerte oder auch zahlreiche (Spät-) Aussiedler. 25,3% der Menschen mit Migrations-hintergrund sind schon in Deutschland geboren (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus).

Auch eine weitere Aufschlüsselung nach Herkunfts-ländern relativiert die gegenwärtige Diskussion um
die Migrantenflut. Stand 2023 kamen demnach 30,4% Personen mit Migrationshintergrund aus einem EU-Land und 31,3% aus anderen europäischen Staaten. Zieht man noch in Betracht, dass weitere 11,7% aus der Türkei und 5,4% aus Russland (auch Aussiedler) stammen, so verbleibt nur ein ‚Rest‘ von 21,1% aus möglicherweise kritischen Fluchtländern.

Das gleiche Bild ergibt sich, wenn man die nur die im Jahr 2023 zugewanderten Ausländer betrachtet. Hiervon kamen 5% aus Syrien, 3% aus Afghanistan und 1% aus dem Iran. Dagegen 64% aus Europa, davon aktuell natürlich 15% aus der Ukraine. Neben der Herkunft ist auch das Alter der Zugewanderten interessant. Deutschlands Einwohner mit Migrations-hintergrund sind mit 35,5 Jahren deutlich jünger als
der rein ‚deutsche‘ Teil der Bevölkerung mit im
Schnitt 47,2 Jahren.

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist hat
die CDU/CSU erst im Jahr 2018 graduell anerkannt. Wenn nicht unsere Geschichte seit Jahrhunderten etwas anderes gelehrt hätte. Im frühen Mittelalter
gab es auf dem heutigen Gebiet Deutschlands
nichts anderes als eine ständige Migration verschie-dener germanischer Stämme von einem Gebiet ins andere (Völkerwanderung). 

Die größte Integrations- und Versöhnungsleistung Deutschland erfolgte dann in Folge des Dreißigjäh
rigen Krieges, dem rund 40 Prozent der Bevölkerung 

zum Opfer fielen. Der große Konflikt zwischen Pro-
testantismus und Katholizismus wurde zwar nicht aufgelöst, aber in eine weitgehende Koexistenz über-führt. Heute sind in Deutschland (noch) etwa 27%
der Bevölkerung katholisch und rund 24% evange-
lisch. Dieses Verhältnis ist im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern bemerkenswert ausgeglichen. Darin drückt sich eine außerorden-
tliche Bereitschaft zur Toleranz gegenüber unter-schiedlichen Glaubensrichtungen aus.

Auch die Aufnahme europäischer (Glaubens-) Flüchtlinge nach dem dreißigjährigen Krieg ist ein
gutes Beispiel für die Vorteile einer gelungenen Integration von Migranten. So wurden in Branden-
burg eine große Anzahl von Hugenotten aufgenom-men. Diese zählten dann in der Folge häufig zu den fleißigsten Handwerkern und Kaufleuten. Sie hatten auch einen entscheidenden Anteil am Aufbau der Königlichen Akademie der Natur- und Geisteswissen-schaften in Berlin, deren Mitglieder zu ihrer Grün-
dung im Jahr 1700 zu zwei Dritteln französischer Herkunft waren.

Oder die Frage woher die vielen Podolsky‘s und Schimansky’s im Ruhrgebiet kommen. Sie sind das Resultat einer Einwanderung von geschätzt 700.000 Polen, die als Wirtschaftsflüchtlinge Ende des 19. Jahrhunderts am Aufschwung des Bergbaus und der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr teilhaben wollten. Nach 1945 mussten dann zunächst zwölf bis 14 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge aus den ein-stigen Ostgebieten in Deutschland aufgenommen
und integriert werden. Aber selbst das reichte nicht.
Mit dem deutschen Wirtschaftswunder fehlten massiv Arbeitskräfte, also startete 1955 eine massive Anwer-bungsaktion. Vor allem aus Italien, der Türkei und
dem damaligen Jugoslawien kamen damals 14 Mio. Gastarbeiter.


Wie kann man da auf die Idee kommen, wir benötig-
ten keine Arbeitskräfte aus dem Ausland? In der Gastronomie machen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit z.B. rund 31 Prozent der Be-
schäftigten aus. Gerade im Niedriglohnsegment wie
 
 

der Müllabfuhr etc. geht ohne Migranten gar nichts, kein Deutscher ist bereit, diese Arbeit zu verrichten. Und wer macht denn die vielen kleinen Betriebe und Läden gerade auf dem Land auf?

Aber auch im hochqualifizierten Bereich (Ärzte, IT-Spezialisten etc.) werden Zugewanderte dringend benötigt. Und sie leisten auch einen besonderen Beitrag zur Innovation in Deutschland, indem sie überdurchschnittlich gründungsaktiv sind. Bereits im Jahr 2018 besaß gemäß einer Studie des Instituts
für Mittelstandsforschung an der Universität Mann-
heim jede fünfte unternehmerisch engagierte Person
in Deutschland ausländische Wurzeln.

Wozu es führt, wenn man ausländischen Arbeit-nehmern den Zugang zum eigenen Arbeitsmarkt verwehrt, kann man sehr gut am Brexit in England studieren. Dort kam es in Folge der restriktiven

Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen zu einem massiven Mangel an Arbeitskräften, vor allem
in den Bereichen Gastronomie, Landwirtschaft und Logistik. Nach einer Studie von Deloitte haben von
den ca. 2,4 Mio. in UK Beschäftigten aus EU-Ländern innerhalb von 5 Jahren fast die Hälfte Großbritannien verlassen (müssen). Mangel am Lastkraftfahren hat dafür gesorgt, dass Supermarktregale leer blieben
und Tankstellen nicht mit Sprit versorgt werden konnten.

Auch den USA drohen ernsthafte wirtschaftliche Probleme, wenn die angekündigten Maßnahmen der Trump-Administration zur Ausweisung illegal Zuge-reister umgesetzt würden. In der Bauindustrie in Amerika machen diese Menschen ohne Papiere ca. 15% der Beschäftigen aus, in der Landwirtschaft sind es sogar 40%. Insgesamt wären ca. 1 Mio. Stellen
nicht mehr zu besetzten, was die Wirtschaft bremsen und die Preise steigen lassen würde.

Die deutsche Bevölkerung bestand also immer schon aus einer Mischung vieler (mittel-)europäischer
Völker. Heute kommen dazu mehr Impulse aus Süd-/Ost-europa und aus Asien/Afrika. Das wir einen gesteuer-ten Zuzug von Fachkräften brauchen ist unumstritten. Aber auch weniger Qualifizierte sind vonnöten: Arbeitswillige Asylbewerber sind hier ge-nauso relevant, gerne auch verpflichtend für soziale und kommunale Aufgaben während ihrer Antragszeit. Der dringenden Verjüngung der deutschen Gesell-schaft tut das auf jeden Fall gut: Im Jahr 2023 hatten
in Deutschland 43,1% aller Kinder unter 5 Jahren
einen Migrationshintergrund (Statistisches Bundes-
amt, Mikrozensus).

In aller Kürze:
  • Deutschland ist ein Einwanderungsland und Migration hat es schon immer gegeben, angefangen von der Vermischung der verschiedensten (germanischen) Stämme. Nach dem dreißigjährigen Krieg wurden zahlreiche Glaubensflüchtlinge aufgenommen. Die größte Integrations- und Zuwanderungswelle gab es dann nach dem zweiten Weltkrieg mit den Vertriebenen und den Gastarbeitern in Folge des Wirtschaftswunders.

  • Zur Aufrechterhaltung der Bevölkerungsstärke und vor allem zur Deckung der in der Wirtschaft gebauchten Arbeitskräfte ist die Zuwanderung für Deutschland unerlässlich. Unbestritten im Facharbeiterbereich, aber auch gerade bei den weniger Qualifizierten. Engpässe wie in UK nach dem Brexit zeigen deutlich wohin es führt, wenn der Zuzug bzw. der Aufenthalt von ausländischen Arbeitskräften massiv eingeschränkt wird.

  • Im Jahr 2023 lebten in Deutschland 24,9 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund. Davon haben 50% die deutsche Staatsbürgerschaft (erworben) und ein Viertel ist bereits hier geboren. Die überwiegende Mehrzahl von 79% kamen ursprünglich aus einem europäischen Staat (inkl. Russland und der Türkei). Von den neu im Jahr 2023 Zugereisten waren 102.00 Syrer die größte Gruppe aus einem nichteuropäischen Land.

  • Die Zugewanderten spielen nicht nur in Bezug auf kulturelle Vielfalt und die Deckung des dringend benötigten Arbeitskräftebedarfs eine große Rolle. Sie sind auch entscheidend zur Linderung der Probleme aus der Überalterung der Gesellschaft.
Hinweise: 

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