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NEWSLETTER 1/2025:
Berlin: Kultur- und Club-Hauptstadt Europas?

In zahlreichen Städterankings der letzten Jahre schneidet Berlin immer besser ab. In der europäischen Städtereisestudie 2023/24 von Projekt M belegt Berlin sogar den ersten Platz vor Paris im Vergleich zu 170 Städten in Europa.*) Im Bereich Kultur kommt Berlin europaweit regelmäßig auf einen der vordersten Plätze. Aber auch weltweit setzt z.B. das TimeOut-Magazin Berlin auf den dritten Platz der interessantesten Städte. Woran liegt es, dass Berlin so in ist? 

Erst mal ist Berlin mit seinen rund 3,9 Millionen Ein-wohnern nach dem Ausscheiden Londons aus der Vergleichsgruppe die bevölkerungsreichste Stadt der Europäischen Union. Seit 2010 ist die Einwohnerzahl um satte 12% gestiegen. Mit seinen Touristenzahlen von 12,1 Mio. Gästen im Jahr 2023 steht Berlin dagegen europaweit gar nicht so weit vorne der meist besuchten Städte. Erst recht, wenn man die Tou-ristenanzahl zu den Einwohnern in Relation setzt: Städte wie Paris kommen hier auf ein Verhältnis von
7, Amsterdam auf 12 und Venedig auf 21 – in Berlin kommen ‚nur‘ 3 Touristen auf einen Einwohner pro Jahr. Also noch eine Großstadt für die Bewohner!
Da ist zuerst einmal das kulturelle Angebot. Genau zählen kann man die Einrichtungen nie ganz genau, aber in Berlin gibt es so um die 200 Museen, über
400 Galerien, drei Opernhäuser, 8 große Symphonie-Orchester, um die 100 öffentliche Bibliotheken, genauso viele Kinos und rund 150 Theater und Bühnen. Mit dem Friedrichstadtpalast steht z.B. die größte Theaterbühne der Welt in Berlin. Und die Berliner Museumsinsel ist
der größte Museums-campus der Welt und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

*) Europäische Städtereisestudie 2023/24 von Project M/Europäisches Tourismus-Institut im Vergleich zu 170 Städtereiseziele in Europa; Berlin Platz 3 in „Europa’s Best Cities“-Ranking von Resonance Consultancy nach London und Paris; im Ranking „Best cities in the world 2024“ des TimeOut-Magazins ist Berlin nach New York und Kapstadt eine der interessantesten Städte der Welt.

Aber es ist nicht nur die Hochkultur, die Berlin ausmacht. Gerade im Bereich der Kleinkunst und der Kleinstbühnen, ob Schauspiel, Kabarett, Comedy, Puppentheater, Straßen-Performance oder alle site-spezifischen Produktionen an allen (un-)möglichen Orten, hat Berlin für jeden Geschmack etwas zu
bieten. An einem beliebigen Dienstag werden an Angeboten über Berlin.de angezeigt: 355 Ausstellun-gen, 141 klassische Konzert- und 104 Theaterauffüh-rungen, 45 Kabarettveranstaltungen und 13 Musicals. Das ist das besondere an Berlin: Abgesehen von Spitzenevents an der Staatsoper Unter den Linden oder Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt es
bei dem breiten Angebot (fast) immer noch kurzfristig Karten, so dass man sich auch erst am Abend nach Lust und Laune eine Veranstaltung aussuchen kann.

Was das Nachtleben angeht ist, Berlin eh eine Klasse für sich. Eine Sperrstunde hat es nie gegeben. Beginnend mit der Amüsierwut in den zwanziger
Jahren des letzten Jahrhunderts (da war Berlin die drittgrößte Stadt weltweit) hat sich in Berlin nach dem Krieg und dann verstärkt nach dem Mauerfall in allen möglichen (heruntergekommenen) Bauten und Bun-kern eine legendäre Party-Szene entwickelt. Diese
lebt und feiert ihren Ruf als Techno-Hauptstadt mit langen Schlangen vor den Türen des Berghain oder KitKat. Mit rund 58.000 Clubevents im Jahr ist die Auswahl an allen Musikstilen und Vorlieben groß.

So zieht Berlin die Jugend der ganzen Welt an. Das
hat auch damit zu tun, dass Berlin (noch) nicht so überteuert ist wie andere Großstädte z.B. London
oder New York. Gemäß dem jährlichen ‚Cost of Living City Rankings‘ von Mercer 2024 kommt Berlin welt-
weit erst auf Platz 31, trotz der gestiegenen Mieten in den letzten Jahren. Das zieht natürlich auch Studen-
ten stark an. Im Campus Advisor-Ranking der ‚Top 50 Student Cities in the World‘ für 2023 belegt Berlin den zweiten Platz. Berücksichtigt werden hier neben der wissenschaftlichen Qualität auch Aspekte wie Studentenfreundlichkeit, Lebenshaltungskosten, Nachtleben, öffentliche Verkehrsmittel, Sicherheit und die Meinungen derzeitig Studierender.

Berlin hat zwar für seine kulturelle und kulinarische Vielfalt auch den ‚Food and Travel‘-Award 2024 als Stadt des Jahres erhalten. Mir fällt aber immer wieder auf, wie man in Berlin noch interessante Restaurants zu ganz normalen Preisen finden kann, selbst in
Mitte. Von der Imbisskultur an jeder Ecke ganz zu schweigen.

So verwundert es nicht, dass Berlin auch zu einer
Stadt mit einer besonderen Anziehungskraft auf Gründer aus der Kreativwirtschaft und der Techno-logiebranche geworden ist. Mit jährlich ca. 40.000 Gewerbeanmeldungen und mehr als 500 Startup-Gründungen pro Jahr ist Berlin auch Deutschlands Innovations-Hauptstadt (Startup-Verband, 2023). Hierher fließen 39% des in Deutschland investierten Risikokapitals. Namhafte Firmen wie Mister Spex, 

Zalando, Delivery Hero, FlixBus, N26, Solarisbank, GetYourGuide etc. sind daraus hervorgegangen. Die Hälfte aller Startup-Mitarbeiter sind dabei keine deutsche Staatsbürger, was die Internationalität und Anziehungskraft unterstreicht.

Gilt das Positive auch für die langjährigen Einwohner Berlins? Die Angebotsmieten in Berlin haben sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelt. Die Bestands-mieten im Mietspiegel liegen dagegen nur halb so hoch, d.h. jeder der bereits länger in einer Wohnung lebt kann sich glücklich schätzen – und zieht zu
Lasten der Neubürger natürlich auch nicht in eine,
evtl. kleinere, Wohnung. Berlin ist damit auch nicht
die teuerste Stadt Deutschlands: Die Mieten in München und Frankfurt/Main sind immer noch höher. Von denen in Paris oder London ganz zu schweigen.

Den hohen Freizeitwert von Berlin können alle genießen. Ob Berlin nun die grünste Stadt Deutsch-lands oder ganz Europas ist, darüber kann man streiten. Um die 40% der Fläche des Berliner Stadt-gebietes sind jedenfalls Grün- und Erholungsflächen. Fast 7% der Stadtfläche ist flüssig (mit über 180 Km Wasserstraßen hat Berlin mehr Kanäle als jede
andere Stadt der Welt, die durch mehr als 2.000 Brücken verbunden sind), mehr als 18% sind Wald. Gerade auch die Jahre nach dem Mauerfall haben einen enormen Zuwachs an Grünflächen für Berlin gebracht.

Das ist dann auch meine letzte Bemerkung zu Berlin. Mit den enormen Freiflächen im Zentrum und der Chance der Entwicklung in den letzten dreißig Jahren ist eine sehr offene Stadtlandschaft entstanden (der Potsdamer Platz war in den 1990er Jahren die größte und komplexeste Baustelle Europas). Viele moderne Architektur wird harmonisch oder kontrastreich mit historischen Gebäuden kombiniert. Auch das Erbe
der DDR ist nicht ganz verschwunden. So lässt sich deutsche Geschichte am besonderen Ambiente und
der Atmosphäre von Berlin hautnah erleben. Eines ist Berlin auf jeden Fall im Vergleich zu anderen großen Kulturmetropolen nicht: Berlin ist kein Museum, sondern lebt höchst dynamisch.

In aller Kürze:
  • Berlin kommt in den letzten Jahren in vielen Städte-Rankings weltweit auf einen der vorderen Plätze in Bezug auf Kultur, Lebensqualität und Nachhaltigkeit. Die Einwohnerzahl ist seit 2010 um 12% gestiegen. Vor allem die Jugend und viele Kreativschaffende sowie die Technologiebranche zieht es nach Berlin.

  • Das hat zum einen mit der kulturellen Vielfalt zu tun. Neben der außergewöhnlich großen Dichte an Museen, Theatern und Konzertaufführungen ist es v.a. das überbordende Angebot an Kleinkunst, Events und Partys an allen (un-)möglichen Orten. Die Berliner Club-Szene ist legendär.

  • Zum anderen ist Berlin im Gegensatz zu vielen anderen Metropolen (noch) nicht überteuert. Trotz der gestiegenen Mieten in Berlin ist das Preisniveau insgesamt noch in Ordnung. Auch am Abend findet man für jeden Geldbeutel eine passende Veranstaltung (bekommt sogar fast überall kurzfristig Karten) und immer noch vernünftige Restaurants.

  • So ist Berlin nicht nur bei Studenten sehr beliebt. Auch der Wirtschaft kommen die jährlich ca. 40.000 Gewerbeanmeldungen und mehr als 500 Startup-Gründungen pro Jahr zu Gute. Die Hälfte aller Startup-Mitarbeiter sind dabei keine deutschen Staatsbürger, was die Internationalität und Anziehungskraft von Berlin unterstreicht.

  • Hinzu kommt der hohe Freizeitwert mit Grün- und Erholungsflächen, die ca. 40% des gesamten Berliner Stadtgebietes ausmachen. Vor allem das viele Wasser mit den Flüssen, Kanälen und Seen ist besonders. So ist Berlin v.a. noch eine Großstadt für die Bewohner und alles andere als ein Museum.
Hinweise: 

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